Vorlesung zur Einführung in die Systemtheorie

Niklas Luhmann wiederhören

Niklas Luhmann (1927–1998) wäre im Dezember 2017 neunzig Jahre alt geworden. Hier werden ab sofort in loser Folge 14 Audiomitschnitte der Vorlesungsreihe zur „Einführung in die Systemtheorie“ aus den Jahren 1991 und 1992 veröffentlicht. Die Vorlesungen können auch als kostenpflichtige CDs beim Kundenservice des Carl-Auer Verlags bestellt werden.

Luhmann zählt unstrittig zu den bedeutendsten Soziologen des 20. Jahrhunderts und gilt als Vordenker der systemischen Theorie. Die Vorlesungen zur Einführung in die Systemtheorie hat Niklas Luhmann an der Universität Bielefeld gehalten, wo er nach seiner Berufung 1968 bis zu seiner Emeritierung 1993 entscheidend am Aufbau der ersten soziologischen Fakultät im deutschsprachigen Raum mitgewirkt hat. „Wer Audiomitschnitte von Vorlesungen oder Interviews mit Niklas Luhmann hört, kann mühelos folgen. Man wundert sich, wie verständlich er die in seiner hochkondensierten schriftlichen Diktion mitgeteilten Erkenntnisse in mündlicher Rede darzustellen vermochte“ (Eberhard Blanke: „Niklas Luhmann: ‚… stattdessen …‘– Eine biografische Einführung“, Books on Demand 2017).

Luhmann hielt seine Vorlesungen stets frei. Abgesehen von wenigen Gliederungspunkten hat er es immer abgelehnt, sich Vorlesungsplänen unterzuordnen. Die erste Vorlesung steht unter dem Titel „Soziologie und Systemtheorie“. Sie ist untergliedert in Funktionalismus der Systemerhaltung, Input/Output-Analyse und zur Soziologie Talcott Parsons. Zum vertiefenden Verständnis sei auf die „Einführung in die Systemtheorie“ verwiesen, herausgegeben von Dirk Baecker. Das Buch enthält das Transkript der gesamten Vorlesung und gibt – so weit wie möglich – den mündlichen Charakter des Vortrags wieder.

In seinem Vorwort erläutert Dirk Baecker, in welchem Kontext die Vorlesungen mehr und andere Einsichten in Luhmanns Denken eröffnen können als seine theoretischen Schriften: „Eine Einführungsvorlesung zu halten bedeutete für Luhmann, wesentlich stärker als in seinem Buch den Umstand zu unterstreichen, dass eine Theorie eine Konstruktionsleistung ist, die an vielen Stellen auf begriffliche Entscheidungen zurückzuführen ist, für die keine eindeutige, weder aus der Sache noch aus der Theorie abzuleitende, das heißt weder empirische noch deduktive Maßgabe existiert. In der Vorlesung ging es Luhmann daher darum, an vielen Stellen, an denen er sich im Buch auf bestimmte Weise entschieden hatte, anders mögliche Entscheidungen zumindest offen zu halten, wenn nicht sogar nahe zu legen.“

Die zunächst auf Hörkassetten gespeicherten Originalmitschnitte sollten den Grundstock der „Autobahnuniversität“ des Carl-Auer Verlags bilden, eine 1997 wegweisende (!) Produktidee, die leider sofort Medienkritiker auf den Plan rief. Unter der Überschrift „Luhmann im fünften Gang“ schrieb die  TAZ: „Sollte es allerdings Schule machen, dass Vorlesungen wie Hörbücher ad libitum aus der Kassette kommen, die Sekundärliteratur aus dem Internet besorgt wird, dann sind wir der home-university schon beträchtlich nahe. Das Gemeinschaftserlebnis Hörsaal findet nunmehr im Elfenbeinturm des Private Idaho statt. Etwas nüchterner betrachtet sind die Kassetten schlicht gute Gedächtnisstützen.“

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