41.1.9 Affekte sind akut und kurzzeitig nur für einen Beobachter direkt beobachtbare/erlebbare Phänomene (= Ereignisse), die schnell vergehen, wenn sie nicht aktiv (durch intrapsychische oder kommunikative Prozesse) aufrechterhalten werden.

Die Ereignishaftigkeit von Gefühlen hat zur Folge, dass sie vorbei sind, kaum dass sie entstanden sind. Sie halten nicht an…

Wie bei einem Ofen muss immer wieder Brennstoff nachgelegt werden, wenn es warm bleiben soll; wie bei einer Klimaanlage muss immer weiter gekühlt werden, wenn die Temperatur frostig bleiben soll…

Wenn Gefühle als Zustände über längere Zeit anhalten, dann ist dies immer erklärungsbedürftig. Das heißt, es muss geprüft werden, welche Art von Prozess dafür sorgt, dass der Status quo erhalten bleibt: ein psychischer, ein sozialer oder ein organischer (oder eine Kopplung aller drei).

Das ist schwer zu unterscheiden und zu trennen, da organische Prozesse psychische Folgen haben können, die ihrerseits wieder soziale Konsequenzen haben und umgekehrt. Aber, da die drei Typen autopoietischer Systeme gekoppelt sind, kann im Prinzip in jedem dieser drei Systeme der Wandel beginnen – wenn Veränderung angestrebt wird -, bzw. für Konstanz gesorgt werden, wenn die Dauerhaftigkeit bzw. die Re-Inszenierung von Gefühlen angestrebt wird.

 

 

 

 




2.6.2 Wenn über Beobachtungen gesprochen wird, so wird stillschweigend vom Beobachter und der Operation des Beobachtens abstrahiert, d.h. Beobachtung und Beobachten/Beobachter werden entkoppelt (=de-kontexualisiert).

Das ist das Problem aller Aussagen, die sich in einem zu schlichten Sinne um „Objektivität“ bemühen: Sie denken den Beobachter weg, obwohl es sicher keine Aussagen über irgendein zu beobachtendes Objekt gäbe, wenn niemand es beobachten würde. Daran schließen sich fast zwangsläufig philosophische Fragen an, welche die Frage problematisieren, ob es irgendetwas gibt, wenn es nicht beobachtet wird (das kann man selbstverständlich vermuten, aber wissen kann man es halt nicht).




43.3 Theorie: System von Erklärungen von Ereignissen und Interaktionen in ihrer raum-zeitlichen Ordnung aus einer (tatsächlichen oder hypothetischen) Außenperspektive, die einer gemeinsamen, übergeordneten Logik folgen.

Jeder Mensch folgt einer – meist nicht konsistenten, sondern ihm nur aktuell schlüssig erscheinenden – Alltagstheorie. Diese Theorie und die in ihr implizierten oder aus ihr abgeleiteten Prämissen bestimmen sein Handeln. Es geht deshalb nicht so sehr um ihren Wahrheitsgehalt, sondern um ihre Nützlichkeit.

Literatur:

„Theorien sind (..) nicht mehr Antworten auf Rätselfragen, Antworten, bei denen wir uns beruhigen können; Theorien werden vielmehr zu Werkzeugen.

James, W. (1906): Was will der Pragmatismus. Weinheim (Beltz) 1994, S. 23f.

„Wahr heißt alles, was sich auf dem Gebiete der intellektuellen Überzeugungen aus bestimmt angebbaren Gründen als gut erweist.“

James, W. (1906): Was will der Pragmatismus. Weinheim (Beltz) 1994, S. 42.




67.2 Determinierendes Problem/Lösung: Es muss/kann/soll zwischen mindestens zwei sich negierenden Sinnzuschreibungen oder Handlungsoptionen (=Propositionen) entschieden werden, weil logisch unentscheidbar ist, welches die zu bevorzugende Wahl ist.




43.3.5 Für alle wahrgenommenen/beschriebenen Phänomene ließe sich immer auch eine alternative Erklärung konstruieren, was entweder die Erweiterung oder den Wechsel der Theorie als Konsequenz hat.

Literatur:

„Eine Theorie ist eine gute Theorie, wenn sie ein elegantes Modell ist, wenn sie eine umfassendes Klasse von Beobachtungen beschreibt und wenn sie die Ergebnisse neuer Beobachtungen vorhersagt. Darüber hinaus hat es keine Sinn zu fragen, ob sie mit der Wirklichkeit übereinstimmt, weil wir nicht wissen, welche Wirklichkeit gemeint ist.“

Hawking, S. (1993): „Mein Standpunkt“, Die Zeit, 20. 8. 1993, S. 26.




18.1 Autopoietische Systeme: Wenn das Netzwerk der Interaktionen der Komponenten oder Elemente einer zusammengesetzten Einheit eine Innen-außen-Unterscheidung (= System-Umwelt-Unterscheidung/Eigenstruktur) herstellt, soll solch eine Einheit autopoietisches System genannt werden.

Literatur:

„Das gegenwärtige biochemische Wissen erlaubt es uns, lebende
Systeme als sich selbst erzeugende Systeme zu bezeichnen, die ihre eigenen Grenzen bestimmen und aufbauen. Dies lässt sich formal so ausdrücken: Es gibt eine Klasse mechanistischer Systeme; jedes Element dieser Klasse ist ein dynamisches System, das als Netzwerk von Prozessen der Produktion seiner eigenen Bestandteile definiert ist; diese Bestandteile wirken zum einen durch ihre Interaktionen in rekursiver
Weise an der ständigen Erzeugung und Verwirklichung eben dieses
Netzwerkes von Prozessen der Produktion mit, das sie selbst produziert
hat, und konstruieren zum anderen dieses Netzwerk von Prozessen
der Produktion von Bestandteilen als eine Einheit in einem Raum,
den sie (die Bestandteile) dadurch definieren, dass sie seine Grenzen
verwirklichen. Solche Systeme nenne ich autopoietische Systeme, und die Organisation eines autopoietischen Systems nenne ich die autopoietische Organisation.
Ein autopoietisches System, das durch physikalische Bestandteile
verwirklicht wird, ist ein lebendes System“ (Maturana 1978,
S. 280).