1. Beobachter

Wenn in China der berühmte Sack Reis umfällt, und niemand es merkt, existiert dann dieser Sack Reis?, und, wenn ja, ist er umgefallen? Die Frage könnte nur beantwortet werden, wenn ihn jemand beobachten würde. Aber selbst wenn er den am Boden liegenden Sack wahrnehmen würde, kann er die Frage, ob der Sack umgefallen ist oder nicht, nicht beanworten, denn dazu müsste er beobachtet haben, dass er einmal gestanden hat und nicht von irgendwem auf den Boden gelegt worden ist usw. …

Ohne Beobachter kann überhaupt nichts über diesen (hypothetischen) Sack Reis gesagt werden; aber nicht nur über ihn nicht, sondern über nichts könnte etwas gesagt werden.

 

Literatur:

„The theory of relativity has established another fact, that all we know and may know is a »joint phenomenon« of the observer and the observed. Indeed there is no such thing as an »observer«, without something to observe, neither such as the »observed« without somebody making observation.“

Korzybski, Alfred (1924): Time-Binding: The General Theory. In: ders. (1990): Alfred Korzybskis Collected Writings 1920 – 1950. Englewood, New Jersey (International Non-Aristotelian Library, Institute of General Semantics), S. 61.

„Im ersten Viertel dieses Jahrhunderts sahe sich die Physiker und Kosmologen gezwungen, die grundlegenden Begriffe zu revidieren, die für die Naturwissenschaften bestimmend gewesen waren. Im letzten Viertel dieses Jahrhunderts dagegen werden die Biologen eine Revision all der Grundbegriffe erzwingen, die für die Wissenschaft schlechthin  bestimmend sind. Nach jener »ersten Revolution« war klar, daß die klassische Vorstellung einer »letztgültigen Beschreibung der Welt, in der es keine Subjekte gibt (also eines »subjektlosen Universums«), in sich widersprüchlich ist

Um die Widersprüche zu beseitigen, galt es, Positionen und Funktionen des »Beobachters« (d.h. zumindest eines Subjekts) zu explizieren:

1. Beobachtungen sind nicht absolut, sondern relativ zum Standpunkt eines Beobachters (dh. relativ zu seinem Koordinatensystem: Einstein);

2. Beobachtungen beeinflussen das Beobachtete und machen so jede Hoffnung des Beobachters zunichte, Vorhersagen treffen zu können (d.h. seine Unsicherheit ist absolug: Heisenberg).

Wir verfügen daher jetzt über die Binsenweisheit, daß eine Beschreibung (des Universums) jemanden voraussetzt, der (es) beschreibt (beobachtet). Was wir nunmehr benötigen, ist die Beschreibung des »Beschreibers«, oder mit anderen Worten eine Theorie des Beobachters.“

von Foerster, Heinz (1972): Bemerkungen zu einer Epistemologie des Lebendigen. In: ders. (1999):Sicht und Einsicht. Heidelberg (Carl-Auer Verlag), S. 81.