10.1.2 Die drei Dimensionen des Raums werden vom Beobachter konstruiert, indem er unterschiedene Ereignisse relativ zu seiner Beobachtungsposition als vor/hinter, über/unter oder neben/neben ordnet.

Auch hier läßt sich die These aufstellen, dass der Raum durch den Bezug auf den menschlichen Körper von menschlichen Beobachtern konstruiert wird. Denn er kann zunächst nicht die Perspektive eines außenstehenden Beobachters einnehmen, der die Ereignisse in einem fixen räumlichen Bezugsrahmen verortet, sondern muß zwangsläufig – z.B. als Kind – die beobachteten Ereignisse um sich und seinen Körper herum ordnen und verorten, ohne schon auf die Idee abstrakter Größen wie Höhe, Länge oder Breite zurückgreifen zu können.

Literatur:

„Diesen Raum, wenn wir ihn lediglich auf die Entfernung zwischen zwei Gegenständen hin betrachten, ohne zu berücksichtigen, was etwa  sonst dazwischen liegt, nennen wir Abstand; betrachten wir ihn unter dem Gesichtspunkt der Länge, Breite und Höhe, so können wir ihn vielleicht Geräumigkeit nennen.“

Locke, John (1689): Versuch über über den menschlichen Verstand. Zweites Buch, Kap. XIII, 2/3, Hamburg (Felix Meiner) 1981, 4. Aufl., S. 191.




2 Gedanken zu “10.1.2 Die drei Dimensionen des Raums werden vom Beobachter konstruiert, indem er unterschiedene Ereignisse relativ zu seiner Beobachtungsposition als vor/hinter, über/unter oder neben/neben ordnet.”

  1. Die Konstruktion von 3D ist eine sensomotorische Konstruktion,
    wird durch Bewegung im Raum konstruiert.
    Es ist sehr spannend einem Baby zuzusehen wie es den Raum entdeckt und lernt sich darin zu orientieren.

    Visuell ermöglicht die optische Querdisparation 3D Wahrnehmung.

    Und es ist erstaunlich, verblüffend, wie wir unsere materielle 3D Welt
    metaphorisch zur Beschreibung semantischer Inhalte nutzen,
    als ob wir keine andere Möglichkeit hätten als unsere Raumerfahrung ..

  2. ja, das ist sogar sehr spannend, zu beobachten, z.B. wie ein ca. 8 Wochen alter Säugling, die eigenen Fäuste entdeckt.
    Zunächst verstand ich nicht, weshalb sich mein Kleiner derart ungestüm mit beiden Fäusten auf die eigene Nase haute … bis ich begriff, daß er seine kleinen Hände zunächst einmal als zu ihm gehörig -und anschließend auch als in Grenzen steuerbar und kontrollierbar- entdecken mußte, um anschließend auch zu erfahren, was man sich -mithilfe der eigenen Pfoten – so alles in den Mund stecken kann. Es könnte ja durchaus auch etwas leckeres, schmackhaftes, nahrhaftes darunter sein.

    so läuft Bahnung … in frühen Phasen der Selbstorganisation

    🙂

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