10.2.5.4 Die Konstruktion einer gegenwärtigen Vergangenheit und einer gegenwärtigen Zukunft sind von den aktuellen Bedingungen des Beobachters und Beobachtens, d.h. Zielen, Wünschen, Befürchtungen und Hoffnungen etc., (mit-) bestimmt, so dass vergangene Gegenwart wie auch zukünftige Gegenwart in der Regel positiv und/oder negativ idealisiert werden.

„Zurück in die Zukunft“ (1985, Regie: Robert Zemeckies):

Marty McFly (Michael J. Fox) und sein Freund Dr. Emmett L. „Doc“ Brown (Christopher Lloyd) pfuschen in der vergangenen Vergangenheit herum, was mehr oder zwangsläufig Folgen für die aktuelle Gegenwart hat. So verhindert Marty bei seinem Besuch im Jahre 1955, dass seine Eltern sich kennenlernen, was dann wiederum zur Folge hat, dass seine eigene Existenz im Jahre 1985, d.h. die gegenwärtige Zukunft des Jahres 1955, in Frage gestellt wird. Nett durchdekliniert das Ganze, und ein Spiel mit Zukunft und Vergangenheit, das die Pfadabhängigkeit des „Schicksals“ oder auch einfach nur die Folge vergangener Entscheidungen (vergangene Gegenwart) für die aktuelle Gegenwart (damals: zukünftige Gegenwart) verdeutlicht. Gute Gründe, nicht in der Vergangenheit rumwerkeln zu wollen, sondern die Nicht-Umkehrbarkeit der Zeit für ganz nützlich zu halten.

https://www.youtube.com/watch?v=cZw9DZW7Wlg

 

Literatur:

„Wenn neue Erfahrunge zu retrospektiven Urteilen in der Zeitform der Vergangenheit führen, so ist das, was diese Urteile aussagen, wahr gewesen, auch wenn kein Denker der Vergangenheit darauf gekomen sein sollte. Wir leben vorwärts, hat ein dänischer Denker gesagt, aber wir verstehen rückwärts. Die Gegenwart verbreitet ein rückwirkendes Licht auf die früheren Vorgänge der Welt. Für diejenigen, die dabei mitgewirkt haben, mögen diese Vorgänge volle Wahrheit gehabt haben. wer jedoch die späteren Aufklärungen des Verlaufs kennt, für den ist dies nicht mehr der Fall.“

James, W. (1907): Der Wahrheitsbegriff des Pragmatismus. Weinheim (Beltz), 1994, S. 95.




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