11.1 Muster: Die abstrakte Ordnung der Kopplungen, d.h. die Menge und Konfiguration der Relationen zwischen den Elementen/Komponenten einer zusammengesetzten Einheit/eines Systems, soll Muster genannt werden.


Humberto Maturana unterscheidet hier zwischen „Organisation“ (womit er dasselbe bezeichnet, was hier „Muster“ genannt wird) und „Struktur“ (siehen folgenden Satz 11.2). Da der Begriff Organisation im allgemeinen Sprachgebrauch aber eine ganz andere Bedeutung gewonnen hat, scheint es günstiger von Mustern zu sprechen, um allzugroße Verwirrungen zu vermeinden.

Die Unterscheidung zwischen Struktur und Muster scheint deswegen sinnvoll, weil es in beiden Fällen um unterschiedliche Konkretisierungsgrade bzw. Abstraktionsstufen der Bezeichnungen geht. Mit Mustern sind rein abstrakte Kopplungen/Relationen gemeint, die vom Beobachter (oder Denker, Analysand, Konstrukteur…) vollzogen werden, über die im Idealfall zwischen unterschiedlichen Beobachtern (…) eine Einigung erzielt werden kann. Das ist etwas anderes, als wenn über die Realisierung oder Konkretisierung solch eines abstrakten Komposition von Relationen gesprochen wird, also z.B. über das Muster des Weihnachtsbaums, das nicht nur durch die Äste einer Tanne realisiert werden kann, sondern auch durch Neonröhren etc.

Was die Möglichkeiten der Musterbildung angeht, sind besonders die Arbeiten der strukturalstischen Mathematikergruppe, die sich N. Bourbaki nennt, von Bedeutung. Sie kommen induktiv zur Beschreibung sogenannter „Mutter-Strukturen“ (wobei sie ebenfalls einen Strukturbegriff verwenden, der dem hier vorgeschlagenen Begriff des Musters entspricht), aus denen alle anderen Strukturen/Muster hervorgehen, die aber nicht aufeinander rückführbar sind (siehe unten die Darstellung Jean Piagets).

Ernst von Glasersfeld weist darauf hin, dass der Beobachter bzw. ein Bewußtsein (was  sicher nicht in jedem Fall gleichzusetzen ist) nur aufgrund von Wiederholung Msuter, t und Regelmäßigkeiten erkennen kann. Er hat dabei die Option, ein Objekt als „dasselbe“ zu kategorisieren oder – bei der Wiederholung – als ein „anderes“ zu unterscheiden, das er in Relation zum ersten setzt.

 

 

Literatur:

Die Organisation. Dieses Wort kommt aus dem griechischen organon, »Instrument«, und bezeichnet die Relationen zwischen den Bestandteilen eines Systems, die dieses System als eine Einheit definieren, es verweist somit auf die funktionale Rolle der Bestandteile bei der Konstitution  der Einheit. Um also ein System als Einheit zu definieren, ist es notwendig und hinreichend, seine Organisation darzustellen.“

Maturana, Humberto (1975): Die Organisation des Lebendigen: Eine Theorie der lebendigen Organisation.  In: Maturana, Humberto (1982): Erkennen: Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit. Braunschweig (Vieweg) S. 139.

„(…) wird ein komplexes System als eine Einheit definiert durch die zwischen seinen Bestandteilen bestehenden Relationen, die das System als Ganzes verwirklichen, und seine Eigenschaften als Eonheit werden durch die Art determiniert, in der diese Einheit definiert, und nicht durcch die besonderen Merkmale seiner Bestandteile. Es sind diese Relationen, die ein komplexes System als eine Einheit definieren und seine Organisation konstituieren. Dieselbe Organisation kann folglich in verschiedenen Sysemen mit unterschiedlichen Arten von Bestandteilen verwirklicht sein, solange diese Bestandteile die Eigenschaften aufweisen, die die erforderlichen Relationen herstellen. Es leuchtet ein, dass solche Systeme mit Bezug auf ihre Organisation Elemente ein und derselben Klasse sind, auch wenn sie mit Bezug auf die Art ihrer Bestandteile verschiedenartig sein mögen.“

Maturana, Humberto, Francisco Varela, R. Uribe (1975): Autopoiese: Die Organisation lebender Systeme, ihre nähere Bestimmung und ein Modell.  In: Maturana, Humberto (1982): Erkennen: Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit. Braunschweig (Vieweg) S. 157.

„Wir sind dazu erzogen worden, alle Muster, mit Ausnahme der musikalischen, als etwas Festes aufzufassen. Das ist zwar sehr einfach und bequem, aber natürlich vollkommener Unsinn. In Wahrheit ist die richtige Weise anzufangen, über das Muster, das verbindet, nachzudenken, es primär (was immer das bedeuten mag) als einen Tanz ineinandergreifender Teile aufzufassen und erst sekundär als festgelegt durch diejenigen Einschränkungen, die Organismen typischerweise durchsetzen.“

Bateson, Gregory (1979). Geist und Natur. Eine notwendige Einheit. Frankfurt (Suhrkamp) 1982, S. 22.

„(…) Diese Methode hat zur Entdeckung von drei »Mutter-Strukturen« geführt, aus denen somit alle anderen hervorgehen, die aber als nicht aufeinander zurückführbar gelten (diese Dreizahlt ergab sich aus einer rückwärts gerichteten Analyse und nicht aus einer apriorischen Konstruktion). Es gibt zunächst die «algebraischen Strukturen«, deren Grundtyp die Gruppe [Anm. FBS: zur Defintion von »Gruppe« in der Mathematik siehe Satz 18.4] ist, aus der aber zahlreiche Ableitungen (»Ringe«, »Körper« usw.) gewonen werden. Sie sind durch direkte und inverse Operationen im Sinne einer Reversibiltiät durch Negation […] gekennzeichnet. Dazu kommen die »Ordnungs-Strukturen«, die sich auf die Beziehungen erstrecken und deren Grundtyp das »Netz« oder das »Gitter« ist, eine Struktur also, die in ihrer Allgemeinheit mit der Gruppe vergleichbar ist, die aber erst später […] untersucht wurde. Das Netz verbindet seine Elemente durch Beziehungen »steht hinter« oder »steht vor«, zwei Elemente, die immer eine kleinste »obere Grenze« (das nächste folgende Element oder Supremum) und eine kleinste »untere Grenze« (das höchste vorangehende Element oder infimum) enthalten. Es läßt sich wie die Gruppe auf zahlreiche Fälle anwenden (zum Beispiel auf die »Gesamtheit der Teile« eines Ganzen oder »Simplexes«, oder auf eine Gruppe und ihre Untergruppen usw.). Ihre allgemeine Reversibilitätsform ist nicht mehr die Inversion, sondern die Reziprozität […] Die dritten Mutter-Strukturen schließlich sind topologischer Natur, sie beruhen auf den Begriffen Nachbarschaft, Stetigkeit und Grenze.“

Piaget, Jean (1968): Der Strukturalismus. Olten (Walter) 1973, s. 24f.

„Die Begriffsanalyse zeigte einerseits, daß ein Bewußtsein, wie immer es beschaffen sein mag, nur auf Grund eines Vergleichs »Wiederholung«, »Konstanz« und »Regelmäßigkeit« erkennen kann; andererseits zeigte sie, daß da jeweils schon vor dem eigentlichen Vergleich entschieden werden muß, ob die beiden Erlebnisse, die da verglichen werden, als Vorkommnisse eine und desselben Objekts oder zweier separater Objekte betrachtet werden sollen. Diese Entscheidungen legen jeweils fest, was als »existierende« Einheit (Gegenstand) und was als Beziehung (zwischen Gegenständen) betrachtet wird, und indem sie das bestimmen, schaffen sie Struktur im Fluß des Erlebens. Diese Struktur ist, was der bewußte kognitive Organismus als »Wirklichkeit« erlebt – und weil sie  (bisher) fas ausschließlich unwillkürlich geschaffen wurde und wird, erscheint sie asl Gegebenheit einer unabhängigen, selbständig »existierenden« Welt.“ (S. 36)

Glasersfeld, Ernst von (1981): Einführung in den radikalen Konstruktivismus. In: Watzlawick, Paul (Hrsg.)(1981): Die erfundene Wirklichkeit. Wie wir wissen, was wir zu wissen glauben. Beiträge zum Konstruktivismus. München (Piper) 2. Auflage der Neuausgabe, S. 16 – 38.




19 Gedanken zu “11.1 Muster: Die abstrakte Ordnung der Kopplungen, d.h. die Menge und Konfiguration der Relationen zwischen den Elementen/Komponenten einer zusammengesetzten Einheit/eines Systems, soll Muster genannt werden.”

  1. Dies verstehe ich so (ich mag mich täuschen und bitte ggf. um Korrektur)
    Es gilt grundsätzlich zu unterscheiden zwischen strukturellem Aufbau und den Mustern, die unter den vielfältigsten Erscheinungsformen zutage treten können. Die Organisation des strukturellen Aufbaus bleibt arbeitsteilig anlegt und kommuniziert wechselseitig unterstützend miteinander, indem zum Aufbau wie auch zum Erhalt auf das „vorhandene“ bzw. immer wieder bzw. auch noch zu ergänzende „Instrumentarium“ zurückgegriffen wird.

    Wie sich das Ganze in vielfältigsten Mustern nach außen präsentiert, ist eine Frage der rein dekorativen, aber zum Teil eben auch unter Maßgaben von „form follows function“ dem Inneren Schutz bietenden Elemente. vgl. auch Panzer von Schildkröten; Schneckenhäuser etc. Wobei sich Muster sowohl in ihren Formen als auch in ihren Funktionen zumindest teilweise überschneiden und decken können, sodaß deren Grenzen niemals klar definierbar sein werden. Zumal dann, wenn unter „panta rhei“ auch gilt, daß in und durch die sich wechselseitige stützende Arbeit sowohl in Versorgungs-, Metabolisierungs – wie auch Entsorgungsbelangen die internen Verflechtungen niemals klar begrenzt dargestellt werden kann und auch der potentielle Beobachter, mit vergleichbarem strukturellem Aufbau stets auch diesen inneren Mechanismen und Korrespondenzen in ähnlichen Belangen unterliegt. Die Stabilität ergibt sich quasi freischwebend wie durch den Zusammenhalt einer Vierungskuppel unter Stützung durch den Schlußstein.

    Da sich grundsätzlich die Maßstäbe verschieben, je nachdem welche Kriterien ein Beobachter anlegt im Bezug auf die räumlich- topographisch zu verortenden Strukturen, die ein Erscheinungsbild quasi statisch prägen und/oder den Maßstab „Zeit“ , die im wesentlichen von der sich überlagernden bzw. parallel veraufenden „Ereignisdichte“ geprägt erscheint mit rhythmischen Ruhe-Phasen an denen quasi nichts zu passieren scheint außer der Aufrecherhaltung des „Minimalbetriebs“ und dann wiederum den in höchstem Maße produktiv und maximal nach außen wirksamen energetisch angetriebenen und gleichermaßen verdichteten Ereignismomenten, deren Ergebnisse niemals in Gänze erfaßbar und beobachtbar bleiben werden. Und allenfalls retrograd gegen die voranschreitende Zeit analysierbar gemacht werden kann.
    Strukturell qua definitionem grundsätzlich eine Asymmetrie in sich tragend, sofern der Ablauf einer Ereignisfolge kategorisiert und von außen her strukturiert vom jeweiligen Beobachter für andere Beobachter durch Zuschreibungen von Vergangenheit und Zukunft mit einem Gegenwartsanteil der sich stets im Fluß befinden zugänglich gemacht und phasenweise beobachtungsgemäß strukturiert bzw. auch koordiniert werden soll.

  2. Bewährtes schwarzweißes Muster oder asymmetrisches regenbogenfarbenes Muster? Florales Muster oder deflorales Muster? Nordamerikanischem Muster oder südafrikanisches Muster? Fragt der fesche Fliesenleger.
    Fliesenleger sind unerlässlich für eine freche Optik im Bad, denn die alten Muster sind längst passé. Modernste Plattenleger verlegen heute bloß noch Fliesen, die zu den aktuellsten Gadgets passen, ganz nach den Farben der Saison – momentan vor allem FBS-Silber und Spacegrey.

  3. @1, Danke Michael!
    Ich bin ja grundsätzlich für die Nichteuklidizität, sofern es sich um’s Plattenlegen dreht.
    Denn ich hasse es schlichtweg, mit mehr als maximal siebzehn Symmetrien zu kalkulieren, insbesondere dann, wenn es sich anschließend auch noch um die Angleichung der Muster passend zu den Saisonfarben. Spacegrau dagegen mauserst sich so langsam und macht sich auch in Verbindung zum FBS-Silber ganz gut. Während man nicht so genau mehr weiß, wie man das Klein’sche Blau ähnlich wie das Brown’sche Braunnun verDINisieren sollen könnte, wenn sich mittlerweile überall der Daumen der Wortwörtlichkeit erhebt, in Sachen copy-p&facts.
    Und was die Hohlwelttheorie angeht, die sich durch keinerlei Messung widerlegen läßt und von der gesagt wird, diese sei falsch und die übliche Auffassung sei richtig: darin laß ich mich auch nicht umstimmen.
    „Als derartiges wissenschaftliches Kriterium wird oft die EINFACHHEIT einer Theorie angeführt gemäß dem Satz: Simplex sigillum veri. Einfachheit ist Kennzeichen der Wahrheit. In diesem Sinne hatte Poincaré gemeint, ein Physiker werde sich im Zweifelsfall immer zugunsten der Euklidizität entscheiden, weil die euklidische Geometrie einfacher ist als die nichteuklidische. Tatsächlich haben sich die Physiker für den nichteuklidischen Formalismus der allgemeinen Relativitätstheorie entschieden, und schon das zeigt, daß in Wirklichkeit nicht die Einfachheit sondern die EINHEITLICHKEIT einer Theorie den Ausschlag gibt. Bei einer naturwissenschaftlichen Theorie geht es nämlich immer darum, möglichst viele Phänomene aus möglichst wenigen voneinander logisch unabhängigen Annahmen abzuleiten und eine Theorie ist umso einheitlicher, je mehr Phänomene sie aus je weniger Annahmen ableiten kann. Die einheitlichere Theorie ist dann im allgemeinen gerade nicht die einfachere oder leichtere; denn je geringer die Zahl der Annahmen ist, aus denen die vorgegebenen Phänomene abgeleitet werden sollen, desto größer wird normalerweise der Aufwand an logischer und mathematischer Geschicklichkeit, der für eine solche Ableitung erforderlich ist.“

    Wolfgang Büchel, Die Relativität von Raum und Zeit – Realität und Konstruktion, in B. Kanitschneider (Hrsg) Moderne Naturphilosophie, Verlag K&N, Würzburg 1983, ISBN 3 88479-076-5

    Ich vermute mal, das hätte GSB mitsamt Bertie ganz gewiß auch gefallen.
    Und natürlich auch HvF; man muß sich nur mal überlegen, was das an Ableitungen eröffnet und sich anschließend an Heinzens Spruch erinnern
    “ Die Realität? Wo haben sie die? …“

    🙂

  4. Unterschiedliche Worte beschreiben, bedeuten Unterschiedliches ..

    Muster ist in meinem Verständnis die Wiederholung von Koppelungen/ Anordnungen von distinkten! Elementen.

    Was hier, dazu im Gegensatz, als Struktur bezeichnet wird, kenne ich in der abbildenden Kunst als Ornament.
    Das Folgende schließt an das Vorherige an…
    So entsteht eine Struktur, wie ein Baum, jedes neue „Element“ geht aus einem vorherigen hervor und ist ohne dieses nicht zu denken ..

    So sind lebende Systeme niemals Muster sondern immer Strukturen ?

  5. @5: Lebende Systeme müssen gemäß der hier zugrundegelegten Definitionen als Strukturen betrachtet werden. Leben als Prinzip der Strukturbildung und des Strukturerhalts hingegen kann als Muster bzw. – im Sinne Maturanas – als Typus der Organisation (von Prozessen) erklärt werden.

  6. @6: Wir beobachten immer Strukturen. Muster sind Abstraktionen, die vom Beobachter vollzogen werden und ihm erlauben, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Strukturen zu beschreiben.

  7. Der Vorteil von Mustern:
    „Gewöhnlich leben wir mit einem auf das Minimum reduzierten Teil unseres Wesens, die meisten unserer Fähigkeiten wachen gar nicht auf, weil sie sich in dem Bewusstsein zur Ruhe begeben, dass die Gewohnheit schon weiß, was sie zu tun hat, und ihrer nicht bedarf.“
    Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

  8. @7: Um hier einmal eine Zäsur zu setzen, um das Ganze -unter Reduktion der Komplexität- zunächst einmal auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu bringen, bevor die Unterschiede im Anstoßen eines komparatistischen Analyse-Prozesses wieder in das Nachverfolgen hochkomplexer Verläufe zu leiten und zunächst auch die Einheit der Differenz (als Kondensation von Syllogismen) zu verdeutlichen.
    [ vgl. GSB, Gesetze der Form, 1997, S. 114]

    Alles beginnt zunächst mit einem gewissen Maß an einer „sinnlichen Gewißheit“.
    Was ganz konkret bedeutet, ohne die Gesamtheit eines auch noch innerhalb engster Grenzen funktionierenden Sinnesapparates, geht garnichts.
    „Wenn ihr’s nicht fühlt …

    Was bedeutet:
    Es kommt zunächst darauf an, worauf man seine Aufmerksamkeit -inmitten des weißen Rauschens -das Übliche in einer von allen Seiten auf einen einstürmenden Welt rundum- rundum gerade richtet, ob man die Bilderflut gepaart mit einer Vielfalt unterschiedlichster anderer Sinneseindrücke unbeteiligt an sich an sich vorbeifließen läßt un/oder ob man bei einer gerade im Spektrum des eigenen Fokus befindlichen Einstellung bleibt oder nicht.
    Gewöhnlich bleibt man -auch im Nebengleis und en passant -bei einer bestimmten Fokussierung und Einstellung hängen und verfolgt -beobachtend- ein bestimmtes Objekt, ein bestimmtes Szenario, ein bestimmtes Verhalten im weiteren Verlauf der Bewegung bzw. des Geschehens, sofern einem irgendeine Besonderheit auffällt, die einen be-eindruckt, gefällt (oder auch mißfällt), …

    Hiermit setzt man bereits einen Unterschied, trifft auch bereits eine Auswahl und entscheidet bzw. hat bereits entschieden, was man für -zumindest kurzfristig, in Folge- für „beobachtungswürdig“ hält.

    Der strukturbildende Antrieb entpuppt sich dabei als „treibendes“ Motiv,
    der sich -wertsetzend und fokuslenkend- aus dem eigenen Hintergrund heraus rekrutiert.

    „Es kann keine Unterscheidung geben ohne Motiv, und es kann kein Motiv geben, wenn nicht Inhalte als unterschiedlich im Wert angesehen werden.“ GSB, ebenda S. 1
    „There can be no distinction without motiive, and there can be no motive unless contents are seen to differ in value.“ GSB, LoF, 2011, S. 1

    Etwas mit einzubeziehen ins Spektrum eigener Beobachtung setzt Aufmerksamkeit bzw. ein -durch irgendeinen empfangenen Impuls- aufmerksam werden voraus, um dieses Geschehen wahrzunehmen und anschließend -im Abgleich mit vielleicht zuvor bereits Gesehenem, Erfahrenem bzw. bereits Untersuchtem zu vergleichen und gegebenenfalls noch näher und tiefer in Augenschein zu nehmen.

    Das Ganze läuft – bewußt und/oder unbewußt – stets in Form eines -dialektisch operierenden Abgleichs der Sinnesmodalitäten, sprich in einem stetigen Vergleichsmodus ab. Was bedeutet, der Beobachter ist von Anbeginn an – und auch in weiterer Folge – immer schon dabei.

    Inwieweit im Anschluß daran, typische Strukturen erkannt werden, die als spezifische, charakteristische bzw. auch als stereotype Muster kategorisiert werden können
    und was anschließend daraus erfolgt, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt.

    Zum -vorübergehend- aktuellen Stand:

    „Das Bekannte überhaupt ist darum, weil es bekannt ist, nicht erkannt.
    Es ist die gewöhnlichste Selbsttäuschung wie Täuschung anderer,
    beim Erkennen etwas als bekannt vorauszusetzen und es sich ebenso gefallen zu lassen;
    mit allem Hin- und Herreden kommt solches Wissen, ohne zu wissen WIE IHM GESCHIEHT, nicht von der Stelle.“

    Hegel, Vorrede zur Phänomenologie des Geistes

  9. … zur Entspannung zwischendurch ein kleiner Wechsel ins Narrative:

    Auf der Straße vor der Wohnung des Archäologen läuft seit Stunden ein Mann barfuß hin und her und ruft den Passanten ins Gesicht: „Thank god, we woke up this morning.“ Die Zähne sind ihm ausgefallen, der Blick ist schwach, aber dafür hat er einen Vollbart wie Sokrates. Jetzt lehnt er an einem antiken Mauerrest, reibt sich den Schweiß von der Stirn und wischt sich die Hände an den heißen Steinen ab. Die schlucken das Nass begierig, speichern eine Probe für später. Die Steine sind doch die eigentlichen Großarchivare. Sie waren immer schon hier, sind ewige Zeugen des Geschehens. Auch im fünften Jahrhundert lebten die Römer bereits in Ruinen, schauten auf Mauern, die immer anderes umgaben. Mithraskultorte und Mülldeponie, Kindertagesstätten für Prostituierte und Bibliotheken – dann kam ein Erdbeben, ein Herrscherwechsel, ein Barbarensturm, und nichts war wie zuvor.
    „Und die Mauern riefen sich“, lautete der Titel eines Buches, das ich einmal auf einem Strandhandtuch am See liegen sah. Wenn Mauern sich rufen können, warum schweigen sie dann? Die Wahrheit ist: Wir verstehen nicht einmal die Hälfte von dem, was um uns herum geschieht.“

    Simon Strauss, Römische Tage,
    a.a.O, S.67 f

  10. Ein junger Mann kommt in die ewige Stadt, um die Gegenwart abzuschütteln. Er sucht seinen eigenen Weg, fühlt fremde Zeiten in sich leben. Er findet seine Aufgabe: Alles wahrnehmen, nichts auslassen. Er taucht ein in eine Welt voller Gegensätze: die Verlorenheit der jungen Italienerinnen und die schwindende Bedeutung der weißbärtigen Intellektuellen.
    (Klappentext)

  11. Ein Schriftsteller fährt nach Rom. Schreibt darüber, dass er über Rom schreibt: „Sich vorstellen, dass der Aufenthalt wichtig wird. Hoffen, dass der Geist sich reinigt, dass er von Schönheit gestreift und wiederbelebt, zumindest durchgelüftet wird. Das Schnipsen im Ohr loszuwerden. Dicke Seifenblasen stehen starr in der Luft und zerplatzen an der alten Mauer, brechen die Aura, behaupten, Vorzeichen zu sein. Hundert Geigen hängen da an der Wand und warten. Seltsam die Vorstellung, dass die Hände von heute noch immer dasselbe tun, was sie schon vor vierhundert Jahren taten – bauen und spielen. Entdecke eine kleine Delle, wo vielleicht einmal der Kopf einer jungen Sklavin aus tiefer Verzweiflung über ein ihr angetanes Unrecht gegen die Säule schlug. Melone gegessen und mir Goethe im Schlafanzug vorgestellt. Wird ein faschistischer Herrscher im Rückblick neben einem gewalttätigen Kriegsführer der Antike oder des Mittelalters vielleicht nur als einer unter vielen gelten? Mussolinis Vorstellung war ja, dass man die Vergangenheit in die Zukunft strecken könnte wie einen verlängerten Kaffee.“
    (Simon Strauss, Römische Tage, 2019)

  12. Ja, wenn ich mir den Klappentext so anschaue, mitsamt Foto und der Kurz-Biographie komme ich zu dem Schluß, sie haben es, weiß Gott nicht leicht, in der Generation.
    Er könnte mein Enkel sein – wenn man den Ansatz der frühgebährenden Reihe anlegt.
    Oder auch – wie heuer auch bereits in Mode – einer spätgebährenden Solitär. Zumeist im Format eines Einen und Alles.

    Es gruselt mich etwas vor diesem schier endlos erscheinenden Füllhorn, das sich in unendlichem Mobilitätswahn den Zeichen der Zeit zu beugen hat. Ja, schlicht und einfach auch immer wieder beugen muß, um nicht in epigonal im rasenden Stillstand zu verrecken.
    Alles perfekt durchkomponiert, überall von Gefahr laufend, wenn nicht von Ameisen bekrabbelt, von entzündeten Schleimbeuteln geplagt, dann doch noch im letzten Winkel plötzlich von Voyeuren umringt zu werden … ohne Chance auf Rückzug vom „Gesetz des ewig Schönen“.

    Und ich frage mich derweil, gibt es eigentlich auch noch ein Ende ohne irgendeinen Wittgenstein?
    Eine Möglichkeit könnte ja durchaus sein, anstatt weiterhin dem von und durch Innovationen ausgelatschten Trampelpfad systemischer Inspiration zu folgen, der mittlerweile in sich überschlagender Folge lediglich ein Diapositiv nach dem Anderen durch ein Prisma regenbogenfarbiger Spotlights zu jagen scheint und an sich einen Teufel darum schert, zu terminlich überschneidenden Events auf sämtliche verfügbaren Freilicht-Bühnen – selbst in Ruinen zu bringen – nicht zu erscheinen, jedoch stattdessen -trotz Konventionalstrafen- die eingesparten Tantiemen zu verfrühstücken …

    Jesses, was für ein Bandwurmsatz, den versteht ja mal wieder keine Sau …

    Drum sollte ich dieses Terrain auch besser lassen
    um mit Susan Sontag Feyerabend zu machen,
    damit der Kunstkritik im Doppelpack der Schlachtruf „against method“
    entgegenschallen möge, was auch nichts essentiell Andres
    als „Against Interpretation“ bedeuten kann.

    Kurzum, um -last but not least – noch etwas mehr auf die Technik einzugehen:
    Mimt man das Re-Print Manuskript in Sütterlin,
    muß man im Transskript halt nur etwas aufpassen
    – ähnlich wie im Falle eines Omicron –
    wo im Einzelnen das scharfe S
    alias SZ hingehört …

    😉

    https://www.youtube.com/watch?v=RF3SJerPG7g

    vor dem absenden nicht mehr durchgelesen, nur überflogen

  13. @ FBS & Friends
    Unser interner Unternehmensentwicklungs-Guru hat uns die Lektüre von
    „Reinventing Organizations“ von Frederic Laloux empfohlen. Ich fragte ihn, ob sich damit die erforderlichen Rahmenbedingungen für Home-Office und Agiles Arbeiten organisieren ließen. Er meinte, das sei ein geeignetes „Framework“.
    Wer hat Erfahrungen mit Laloux‘ Ansatz?

  14. @14: Die Ansätze von Laloux erfreuen sich im Moment großer Popularität, aber sie sind m.E. nur in relativ kleinen Organisationen funktionell… Aber eine differenzierte Diskussion ist hier sicher nicht möglich. Aber bei Simon, Weber & Friends werden diese Ansätze – soll heißen: das Theorie-Praxis-Verhältnis – dieser im Moment weit diskutierten Ansätze empirisch beforscht.

  15. @15: Vielen Dank für Ihre Einschätzung.
    Was meint „relativ“ im Satz: „in relativ kleinen Organisationen funktionell“? Immerhin werden Unternehmen wie „Morningstar“, „Buurtzorg“ und „Gore“ als funktionierende Beispiele genannt.
    Was meint „empirisch beforscht“ im letzten Satz? Gibt es dazu Aufsätze oder Vorträge?
    Wie stehen systemtheoretische Organisationsmethoden zur Organisationsgestaltung gemäß Laloux (Teal Organisation)?
    Warum erfreuen sich die Ansätze von Laloux im Moment großer Popularität?

  16. @16: Auf der Website von Simon, Weber & Friends finden Sie das Video eines Vortrags von Torsten Groth, den er beim letzten SWF-Alumnitreffen zum Thema gehalten hat.

  17. verstehe,
    die AluMiner …

    dodezu muss mer awwer wisse, wieviel frei Valenze die noch han, gell?
    Damit aa in etwa die Chemie stimmt…,
    im Notfall.

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