11.2 Struktur: Die Gesamtheit der konkreten Komponenten/Elemente einer zusammengesetzten Einheit (d.h. eines Systems) zusammen mit den spezifischen Mustern ihrer Kopplungen (=Relationen) sollen Struktur der jeweiligen zusammengesetzten Einheit/des Systems genannt werden.

                           Figur 14

 

Strukturen sind nach dieser Verwendung des Wortes immer konkrete zusammengesetzte Einheiten, aus welchem Material sie auch zusammengebaut sein mögen, d.h. ihre Elemente/Komponenten in ihrer Kopplung miteinander / ihren Relationen zueinander.

Das mag die Struktur einer Brücke sein, die sich von den Strukturen anderer Brücken unterscheidet (und deswegen wie in Genua der Ponte Morandi zusammenbricht), es mag aber auch die Struktur eine Sprache sein, die Ähnlichkeit mit der Struktur einer anderen Sprache aufweist (wie bei den indo-germanischen Sprachen) oder sich von ihr radikal unterscheidet (wie das Chinesische vom Deutschen).

 

Literatur:

„Die Struktur. Dieses Wort kommt vom lateinischen Verbum struere, »bauen«, und bezeichnet die konkret gegebenen Bestandteile sowie die Relationen, die diese Bestandteile in ihrer Mitwirkung an der Konstitution einer gegebenen Einheit Einheit erfüllen müssen. »Struktur« bezieht sich somit ebenso auf den Prozeß der Konstruktion wie auf die Bestandteile eines Konstrukts.“

Maturana, Humberto (1975): Die Organisation des Lebendigen: Eine Theorie der lebendigen Organisation.  In: Maturana, Humberto (1982): Erkennen: Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit. Braunschweig (Vieweg) S. 140.

 




7 Gedanken zu “11.2 Struktur: Die Gesamtheit der konkreten Komponenten/Elemente einer zusammengesetzten Einheit (d.h. eines Systems) zusammen mit den spezifischen Mustern ihrer Kopplungen (=Relationen) sollen Struktur der jeweiligen zusammengesetzten Einheit/des Systems genannt werden.”

  1. Im (meiner Meinung nach dekadent-snobistischen) Buch „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq weiß dessen Held François seiner Post „die Schreiben der beiden wichtigsten Ansprechpartner auszusortieren, die dem Leben eines Menschen Struktur geben: Krankenversicherung und Finanzamt“.
    Ansonsten strukturiert François seine Welt gern über sein Genital und über das Kulinarische: „Außer, dass man dort Enten-Confit aß, wusste ich so gut wie nichts über diese Gegend. Und Enten-Confit und Bürgerkrieg, das passte nicht zusammen“.
    Schließlich fällt François ein hübscher Vergleich aus dem Reich der Fauna ein: „Der Schwanz ging von Mund zu Mund, die Zungen kreuzten sich, wie die Schwalben sich in leichter Unruhe im dunklen Südhimmel des Département Seine-et-Marne kreuzen, kurz bevor sie Europa verlassen, um dem Winter zu entfliehen“.

  2. das macht ihn mir ja richtiggehend sympathisch.
    dessen Held François seiner Post „die Schreiben der beiden wichtigsten Ansprechpartner auszusortieren, die dem Leben eines Menschen Struktur geben: Krankenversicherung und Finanzamt“.
    Ich geb’s gleich an meinen Taxman mit seiner Elster weiter.
    Zumal die DATEV ohnhin das Monopol verwaltet.
    Was würde ich denn machen, wenn mein Problem plötzlich verschwunden wäre? Und ich die Motten in real auch los wäre?
    Zum Speiben.

  3. „Muster ihrer Koppelungen (Relationen)“

    d. h. die Elemente bleiben distinkt !
    wie in den schottischen Kilts ..
    und ergeben in ihrer Komposition das Muster ..,

  4. @4 Danke, werner
    Das ist eine wunderbare Zusammenstellung der Pracht und Vielfalt an Formen und auch ein sehr nützliches Musterbuch, auf das man beim Recherchieren vermutlich so einfach nicht gestoßen wäre. Dies durchzublättern macht eben auch wieder Lust, sich fremden Kulturen zu widmen und einfach mal die alten Bücher aus dem Regal zu nehmen und aufzuschlagen, um sich sogleich in einer ganz andere Sprache und ganz andere Bilder im Staunen wiederzufinden.

  5. „Nein“, sagte er, „das ist nicht viel wert.
    Vögel,Pferde, Wiesel und andere Vierfüßler gibt es überall.
    Da braucht man sich nur umzusehen und nachzuahmen. Das erfordert kein Wissen.
    Etwas anderes aber ist es, wenn ich Dir sage, vier Tasatir, vier Rosettenvon je einem Achterstern und einem Zehnerstern ausgehend, lückenlos nebeneinander in der gegebenen Fläche anzuordnen. Das ist Kunst!“

    Zitiert aus
    Fes Stadt des Islam – Die Zierkunst S.123

  6. „Die großen Werke der Kunst sind vielschichtig, aber wir rühmen sie auch dafür, daß sie ‚Einfachheit‘ besitzen, was nichts anderes heißen soll, als daß sie eine Fülle an Bedeutung und Form in eine Gesamtstruktur einordnen, die jedem Detail ganz klar seinen Platz und seine Funktion in der Ganzfigur zuweist. Dieses Bestreben, eine notwendige Struktur auf möglichst einfache Weise zu organisieren, kann man ihre ORDNUNG nennen“

    Rudolf Arnheim, Kunst und Sehen, Eine Psychologie des schöpferischen Auges, S. 62
    Walter de Gruyter 2000, ISBN 978-3-11-016892-1

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