11.3 Die Elemente/Komponenten zusammengesetzter Einheiten/Systeme können vom Beobachter im Raum und in der Zeit gekoppelt (=geordnet) werden, wobei dies stets von Ort und Zeit des Beobachtens aus (=Perspektive) geschieht.

Wie die Strukturen von Raum und Zeit und ihre Relativität durch den Beobachter bzw. durch die Aktionen des Beobachters definiert werden, zeigt sich beim alten römischen Geländemaß des „Iugero“ (Lat. iugerum), das bis in jüngste Zeit im Weinbau verwendet wurde: Es bezeichnete das Gelände, welches an einem Tag mit Hilfe eines Paars Ochsen beackert werden konnte. Das waren im flachen Land etwa 2500 m2, in bergigem Gelände weit weniger.

Entfernungen wurden früher auch gern in Bezug auf einen Akteur bemessen: „ein oder zwei Tagereisen entfernt“…

Noch stärker ist die Bezogenheit auf den Beobachter bei Längenmassen, die sich am menschlichen Körper orientieren: „eine Elle“ des roten Stoffes…

 

Literatur:

„Haben wir zu viele Dimensionen?

[…]

Der Kilometer

Der Kilometer vermag in kürzester Zeit weite Entfernungen zu überbrücken. Für die Strecke Frankfurt – Bad Soden, für die man früher mehrere Tagesreisen veranschlagt hat, kommt man heute mit 23 Kilometern aus. Das Längewachstum des Kilometers verläuft unregelmäßig. Der längste heute bekannte Kilometer, zwischen Konstanz und Eckernförde gelegen, mißt ungefähr 37 Flugstunden oder 12 Nachtschichten. Seiner großen Ausdehnung wegen kann er schlecht transportiert werden. Die sogenannten Kilometersteine sind Erinnerungsmale, Grabstätten abgeschiedener Kilometer. Die synthetische Herstellung von komprimierten km, deren einer in einer Badewanne Platz finden soll, bereitet noch technische Schwierigkeiten. Doch ihre Herstellung ist ein Haupterfordernis unserer Zeit, da sich der alte km in feuchtem Klima sich um das Dreifache ausdehnt. Auch ist er viel zu breit und zu schwer, um den technischen Anforderungen voon heute genügen zu können.

Die Überstunde

Die Überstunde, etwas breiter als die Schäferstunde, ist von praktisch unbegrenzter Dauer. Sie tritt hauptsächlich an Sommerabenden in Erscheinung und dient zur Hebung des Lebensstandards. Sie kan auch zur Messung der Schallgeschwindigkeit verwendet werden und ist eine wichtige Waffe im Lohnkampf.“

Gernhardt, Robert, F.W. Bernstein, F.K. Waechter (1964 – 1976): Welt im Spiegel. Die unabhängige Zeitung für eine saubere Welt. Frankfurt (Zweitausendeins) 1979, S. 13.

 




1 Gedanke zu “11.3 Die Elemente/Komponenten zusammengesetzter Einheiten/Systeme können vom Beobachter im Raum und in der Zeit gekoppelt (=geordnet) werden, wobei dies stets von Ort und Zeit des Beobachtens aus (=Perspektive) geschieht.”

  1. Von Robert Gernhardt:
    „Von der großen Stadt Berlin // kannst du viel erwarten. // Solltest nur kein Weichei sein: // Berlin ist mit den Harten.“
    „Da sprach der Hinz zum Kunz: // »Kunz, schenk mir deine Gunz!«. // Da sprach der Kunz zum Hinz: // »Mein lieber Hinz, du spinnz!«“
    „Paulus schrieb an die Apatschen: Ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen. // Paulus schrieb an die Komantschen: Erst kommt die Taufe, dann das Plantschen. // Paulus schrieb den Irokesen: Euch schreib ich nichts, lernt erst mal lesen.“
    „Der Kragenbär, der holt sich munter // einen nach dem andern runter.“
    „Den fünf Genres Horror, Porno, Melodram, Spannung und Komik entsprechen fünf Körperausscheidungen: Erbrochenes, Sperma, Tränen, Schweiß und Urin. Und jedes Genre will eine dieser Ausscheidungen herbeiführen: Das Melodram will Tränen, der Porno Sperma, der Horror das Erbrechen, die Spannung den Schweißausbruch. Die Komik will zweierlei: Entweder soll sich der Mensch vor Lachen bepissen oder Tränen lachen. Das ist der Unterschied zur Hochkunst: Alle fünf Genres wollen den Konsumenten eindeutig außer Gefecht setzen.“

    Von F. W. Bernstein:
    „Die schärfsten Kritiker der Elche // waren früher selber welche.“

    Von Friedrich Karl Waechter:
    In „Glückliche Stunde“ auf S. 95 fragt die Englisch-Lehrerin: „What is the matter with you, Eberhard?“ Der antwortet: „Also – ich find das echt geil, dass die Englisch-Lehrerin so sagenhafte Titten hat – echt.“ Die Lehrerin: „In English, please!“
    Waechter hat viel zur Humanisierung des Liebeslebens beigetragen: „Ich bitte Sie, meine Damen und Herren, dem Beischlaf wird in unserer Gesellschaft eine viel zu große Bedeutung beigemessen. Er sollte so selbstverständlich sein wie unser tägliches Morgengebet.“
    Sogar noch postmortal: „Ich lag in meinem Grab und weinte vor Glück und sog den Duft der feuchten Erde ein und sah den Mädchen nach in ihren dunklen Pluderhosen und glaubte eine gut zu kennen aus meiner Zeit in Mölln. Sie wohnte in der Bismarckstraße und hatte damals lange blonde Haare, und einmal haben wir in einem dunklen Hausflur rumgeknutscht, weil sie mich offenbar für Manfred Holthoff hielt.“

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