12.1 Generell können Muster/Strukturen der zusammengesetzten Einheit/des Systems aufgrund der räumlichen Abstände (=Beziehungen) der Elemente/Komponenten zueinander unterschieden werden.

Offenbar ist für den Menschen die eigene körperliche Erfahrung dabei zentral, d.h. die Bildung senso-motorischer Muster. Zunächst werden generell Einheiten (z.B. Gegenstände oder ihre Teile) gegeneinander in der Wahrnehmung abgegrenzt (=unterschieden) und egozentrisch in Beziehung zum Beobachter positioniert. Die ist eng gebunden an die eigenen Möglichkeiten des Bewegens im Raum, sei es der eigenen Bewegung, sei es der Bewegung der vorgefundenen Objekte bzw. der Beobachtung dieser Bewegungen und zueinander in Beziehung gesetzt (Konstruktion einer »Gruppe«). Schließlich werden dann aus der Vielfalt der erlebten Perspektiven auf die im Raum vorfindbaren und gehandhabten Gegenstände und ihrer Positionierung die drei Dimensionen des Raums konstruiert, d.h. von den Objekten abstrahiert.

 

Literatur:

„Kinder haben einen inneren Antrieb, den Raum nicht nur in horizontaler, sondern auch in vertikaler Richtung zu erforschen. … Das Klettern benötigt eine ausgeprägte ‘sensomotorische Intelligenz’ und ist ein wichtiger Schritt in Richtung auf die Entwicklung für eine visuelle Raumwahrnehmung.“

Ayres, Anna Jean (1984): Bausteine der kindlichen Entwicklung: die Bedeutung der Integration der Sinne für die Entwicklung des Kindes. Berlin/Heidelberg/New York/Tokyo (Springer),  S. 32.

„Fortbewegung gibt dem Kind Erfahrung über den Raum und den Abstand zwischen ihm selbst und den Gegenständen seiner Umwelt. Um Entfernungen abschätzen zu können, ist es nicht ausreichend, Dinge zu sehen, sondern das Gehirn muss darüber hinaus die Art des Abstandes durch die Eindrücke der Körperbewegungen ‘fühlen’. Durch Krabbeln und Kriechen von einem Ort zum anderen lernt das Kind die physikalische Struktur des Raumes kennen, und das hilft dem Kind zu verstehen, was es sieht.“

Ayres, Anna Jean (1984): Bausteine der kindlichen Entwicklung: die Bedeutung der Integration der Sinne für die Entwicklung des Kindes. Berlin/Heidelberg/New York/Tokyo (Springer),  S. 28.

„Auch wenn man die angeborenen Realitäten, die als Ausgangspunkt für den Aufbau des Raumes dienen, auf ein Minimum reduzieren will, kann man die Existenz von zwei fundamentalen Gegebenheiten nicht in Abrede stellen: Auf der einen Seite impliziert der Vollzug der biologischen und psychologischen Assimilation a priori eine Organisation in »Gruppen« , und auf der anderen Seite wenden die Wahrnehmungsorgane von Anfang ihrer Tätigkeit an diese Organisation auf die Verlagerungen, die sie wahrnehmen an.“

Piaget, Jean (1950): Der Aufbau der Wirklichkeit beim Kinde. Gesammelte Werke Bd. 2. Stuttgart (Ernst Klett) 1975, S. 202.

„Der Gruppenbegriff verkörpert also das Prinzip dieses Systems von Operationen, das die Logiker die »Logik der Relationen« genannt haben, da das Ergebnis von zwei Relationen wieder eine Relation ist. Die Logik der Relationen ist nun jeder intellektuellen Tätigkeit immanent: Jede Wahrnehmung und jede Vorstellung stellen Beziehungen her, und wenn der Mensch die Logik der Relationen als normatives Wesen auch erst spät reflektiert, so ist sie doch dem Wesen nach als Tätigkeit in jedem Intelligenzakt vorgeformt.“

Piaget, Jean (1950): Der Aufbau der Wirklichkeit beim Kinde. Gesammelte Werke Bd. 2. Stuttgart (Ernst Klett) 1975, S. 203.




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