15.3 Die Erklärung für die Entstehung fremdorganisierter Strukturen folgt einem geradlinigen Ursache-Wirkungs-Schema: Ursache (=Operation, außen) Wirkung (=Struktur, Organisation, innen).

Es ist sicher nicht zu gewagt, die These aufzustellen, dass es sich bei dieser Art der „kausalen“ Erklärung um die Übertragung der Vorstellung interpersoneller Beziehungen auf den Bereich der unbelebten Natur handelt.

„Causa“ ist im alten Rom (und auch heute noch in der Juristerei) die Bezeichnung aus dem Schuldrecht. Wer ist wem gegenüber zu welchen Lesitungen verpflichtet? Das Modell der Interaktion zwischen Menschen (oder auch zwischen Göttern und Menschen) wurde – z.B. in der Magie und in animistischen Weltbildern – auf den Umgang mit unbelebten Objekten übertragen. Aus der „Schuld“ wurde schließlich die „Ursache“ – die Logik der Zuschreibung von Wirken und Bewirktwerden bleibt unverändert. Aus der „Kraft“ eines Menschen wurde die apersonale „Kraft“ der Physik. Und ironischerweise wurde dann irgendwann dieses abstrakte Schema der Erklärung beobachteter Phänomen auch auf das menschliche Individuum und soziale Systeme übertragen




6 Gedanken zu “15.3 Die Erklärung für die Entstehung fremdorganisierter Strukturen folgt einem geradlinigen Ursache-Wirkungs-Schema: Ursache (=Operation, außen) Wirkung (=Struktur, Organisation, innen).”

  1. Sie trifft in dieser gewagten causa ganz und gar keine Schuld. Wenn ich diesen Abschnitt richtig verstehe, stört Sie, dass im geradlinigen Ursache-Wirkungs-Schema keine vernetzten Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge darstellbar sind und Wechselwirkungen und zeitliche Abhängigkeiten nicht erfasst werden.

  2. @1: Nein, das stört mich nicht wirklich. Es stört mich, dass es in Bereichen angewandt wird, in denen die Phänomene anders erklärt werden müssen, nämlich durch Prozesse der Selbstorganisation (ohne ein implizit angenommenes handelndes Subjekt).

  3. @2: Wäre es dann nicht sinnvoll, die These „15.3 Die Erklärung für die Entstehung fremdorganisierter Strukturen folgt einem geradlinigen Ursache-Wirkungs-Schema: Ursache (=Operation, außen) Wirkung (=Struktur, Organisation, innen).“ zu ergänzen um den Satz: „Doch diese Erklärung ist falsch, denn die Phänomene müssen anders erklärt werden, nämlich durch Prozesse der Selbstorganisation (ohne ein implizit angenommenes handelndes Subjekt).“?

  4. Ach was …
    es bleibt doch alles nur eine Frage der Auslegung der Terminologie und ihren daraus abgeleiteten, merkwürdig bis grottenfalsch verschraubten syntaktischen Mißgeburten,
    Allerdings gildet dieses Potential im besonderen Masse in Potenz,
    vor allem dann, wenn es sich vorab schon um so ne Scherenschnitt- Spezies
    wie en Hummer am Maybach dreht
    https://www.youtube.com/watch?v=QjiA1LCX3VM

    😉

  5. @3: Nein, denn es gibt ja Bereiche, wo das Modell der Fremdorganisation passt, z.B. bei den mit Legosteinen gebauten Gebilden. Wenn Sie sich das Buch zu Ihrem Geburtstag hätten schenken lassen, dann würden Sie sehen, dass Satz 16ff dem Thema Selbstorganisation gewidmet ist (was seinerseits kein nützliches Modell darstellt, wenn es um Lego-Bauten geht)…

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