15.5 Veränderungen fremdorganisierter Einheiten/Systeme erfolgen durch die Einwirkung von Kräften, Operationen, Akten etc. (=Ursachen) die in den Umwelten d.h. außerhalb der jeweiligen Einheiten/Systeme verortet werden.

In einem Weltbild, das stillschweigend voraussetzt, dass Veränderungen in einem System/einem Objekt/einer beobachteten Einheit stets durch die Einwirkung äußerer Kräfte oder Wirkungen zu erklären ist, wird implizit die Nicht-Veränderung als zu erwartender und nicht näher zu erklärender „Normalzustand“ vorausgestetzt. Automatisch wird dann damit gerechnet, dass Veränderungen immer eines äußern Impulses bedürfen. Das stimmt im Prinzip auch weitgehend für fremdorganisierte Systeme (wenn man mal von Degenerationsprozessen absieht, die zu internen Veränderungen und – meist – Dysfunktionalitäten führen). Wenn aber das System, mit dem man es zu tun hat, selbstorganisiert ist, dann hat solch eine Vorannahme weitreichende Konsequenzen. Zum Beispiel kann es dann zu so etwas wie Gegenreaktionen zu den vermeintlich verändernden Interventionen kommen).

Darüber, ob ein Phänomen kausal einer äußeren Kraft zuzuweisen ist oder selbstorganisiert entstanden ist, kann man sich allerdings lange streiten. Und diese Art des Streits ist sogar sehr wahrscheinlich, da – wie kurz skizziert – aus der Antwort aus dieser Frage weitreichende Handlungskonsequenzen abgeleitet werden können. Wenn es eine äußere Macht ist, die verantwortlich für einen gewünschten oder zu beseitigenden Zustand gemacht werden kann, dann muss man diese Macht beeinflussen, fördern oder bekämpfen. Wenn die Ursache im System selbst – den Mustern seiner internen Prozesse, zum Beispiel – „gefunden“ wird, dann geht es bei Fragen der Veränderungen primär um den Wandel des Systems, nicht seiner Umwelt oder irgendwelcher dort verorteter oder von dort wirkender Kräfte.

 

Literatur:

„Wußten Sie schon…

daß die Nacht eine Wirkstoff besitzt, der in allen Katzen das Grau reinzwingt?“

Gernhardt, Robert, F.W. Bernstein, F.K. Waechter (1964 – 1976): Welt im Spiegel. Die unabhängige Zeitung für eine saubere Welt. Frankfurt (Zweitausendeins) 1979, S. 118.

„Stell dir Ordnung vor. Oder stell dir lieber zuerst einen großen Gedanken vor, dann einen noch größeren; und nach diesem Muster stell dir auch immer mehr Ordnung in deinem Kopf vor. Zuerst ist das so nett wie das Zimmer eines alten Ffäulens und so sauber wie ein ärarischer Pferdestall; dann großartig wie ein Brigade in entwickelter Liniek; dann toll, wie wenn man nachts aus dem Kasino kommt und zu den Sternen »GAnze Welt, hab acht; rechst schaut« hinauf kommandiert. Oder sagen wir, im Anfang ist Ordnung so, wie wen ein Rekrut mit den Beinen stottert und du bringst ihm das Gehen bei; dann so, wie wenn du im Traum außer der Tour zum Kriegsminister avancierst; aber jetzt stell dir bloßß eine ganze, uiversale, eine Menschheitsordnung, mit einem Wort eine vollkommende zivilistische Ordnung vor: so behaupte ich, das ist der Kältetod, die Leichenstarre, eine Mondlandschaft, eine geometrische Epidemie!

Ich habe mit mit meinem Bibliotheksdiener darüber unterhalten. Er hat mir vorgeschlagen, daßich Kant lesen soll oder so etwas dergleichen, über die Grenzen der Begriffe und des Erkenntnisvermögens. Aber ich will eigentlich nichts mehr lesen. Ich habe so etwas Komisches im Gefühl: ein Verständnis dafür, warum wir beim Militär, die wir die größte Ordnung haben, gleichzeitig bereit sein müssen, in jedem Augenblick unser Leben hinzugeben. Ich kann nicht ausdrücken, warum. Irgendwie geht Ordnung in das Bedürfnis nach Totschlag über.“

Musil, Robert (1930 – 1933): Der Mann ohne Eigenschaften. Hamburg (Rowohlt) S. 464f.




4 Gedanken zu „15.5 Veränderungen fremdorganisierter Einheiten/Systeme erfolgen durch die Einwirkung von Kräften, Operationen, Akten etc. (=Ursachen) die in den Umwelten d.h. außerhalb der jeweiligen Einheiten/Systeme verortet werden.“

  1. So wie die übermachtigen Bedürfnisse des Katers die Unterschiede zwischen den Farben unterschiedlicher Katzenfelle verringert, kommt es vielen Menschen auch nicht darauf an, WIE das System ihre Bedürfnisse befriedigt, sondern DASS es das tut.

  2. „Required reading fpr women who want to peek behind the curtain of the global economy and figure out to save ourselves and respond to the global SOS.“
    – BELLA ABZUG, Co-Chair, Women’s
    Environment & Development Organization

  3. Beides zugleich ist auch möglich und sogar sehr wahrscheinlich.
    (Selbstorganisiert und von außen andauernd berührt …).

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