16.1 Wenn das Herstellen (Kreation, Strukturbildung, Produktion, Konstruktion…) einer zusammengesetzten Einheit/eines Systems den eigenen Operationen dieser Einheit kausal (=selbstbezüglich) zugeschrieben werden kann, soll dieser Prozess Selbstorganisation genannt werden.

Beispiele für selbstorganisierte, zusammengesetzte Einheiten sind im Bereich unbelebter, vor allem aber lebender Systeme zu finden: die Bildung von Wolken, Strömungen, Landschaften, die Formung von Kristallen, Schneeflocken usw.

Lebewesen jeder Art werden nach diesem Modell nicht von einem Schöpfer aus Lehm geformt und dann beseelt, sondern sie schaffen sich selbst, indem ihre internen Prozesse für die Bildung und den Erhalt ihrer Struktur sorgen, dabei in ihren Möglichkeiten begrenzt durch die von ihren Umwelten gesetzten Bedingungen (welche sich aber in der Interaktion verändern können).

Auch soziale System sind in der Regel selbstorganisiert, allerdings kann man versuchen, sie im Sinne des Erreichens kollektiver Ziele zu steuern bzw. zu organisieren.

Der im Video, das hier verlinkt ist, gezeigte Vogelschwarm ist selbstorganisiert, d.h. die Aktionen der beteiligten Stare sind jeweils innengesteuert, aber koordiniert. In dem darunter gelinkten Video, das bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Korea 2018 gezeigt wurde, tanzen Drohnen in ganz ähnlicher Weise, aber ihre Aktion sind zentral gesteuert, so dass Figuren gebildet werden können, die selbstorganisiert extrem unwahrscheinlich zustande kämen.

Video 1 auf Youtube

Video 2 auf Youtube

 

Literatur:

„Selbstorganisation ist das dynamische Prinzip, das der Entstehung
der reichen Formenwelt biologischer, ökologischer, gesellschaftlicher
und kultureller Strukturen zugrunde liegt.“

Jantsch, Erich (1979): Die Selbstorganisation des Universums. München (Hanser)
1992, S. 49.




3 Gedanken zu “16.1 Wenn das Herstellen (Kreation, Strukturbildung, Produktion, Konstruktion…) einer zusammengesetzten Einheit/eines Systems den eigenen Operationen dieser Einheit kausal (=selbstbezüglich) zugeschrieben werden kann, soll dieser Prozess Selbstorganisation genannt werden.”

  1. @1 … also Paul Barton hat – bezüglich der Verlinkung seines Videos – eine Urheberechtsbeschwerde eingelegt; ob er selbst -in Selbstorganisation – oder seine Vermarkter via YouTube kann hier nicht entschieden werden.

    Gleichermaßen kann nicht entschieden werden, welche vertragliche Vereinbarung in Strukturbildung dem Ganzen zugrunde liegt bzw. zugrundegelegen hat, die für die Einhaltung von Urheberrechten in der Peripherie zu sorgen hat. Quasi als Form eines Filtersystems, dem Immunsystem nicht unähnlich, das in arbeitsteilig organisierten sozialen Systemen über die Funktion des NEIN verfügt.

    Insgesamt als überwiegend blockierend strukturierte und organisierte Variante davon ist der allseits bekannte Vorzimmerdrache …

    … nur wenn sich diese Variante, die auch über den Terminplan verfügt, sich schmieren läßt, kann sich so etwas durchaus als fern von lustig und aesthetisch, im Sinne der Compliance erweisen

    Was theoretisch ergiebiger wäre, erläutert Niklas Luhmann in Soz.Sys. auf S. 550.

    Zumindest dürfte aus dieser kurzen Passage auch klar werden, daß eine Erhöhung der Neinsagepotenz nicht unbedingt von Vorteil sein muß. Es kann auch die Selbstorganisation von kreativen Prozessen extrem behindern

    Zumal – gerade auch unter dem Einfluß der KI – das Bennsche Diktum nach wie vor gilt
    „Der Gegensatz von Kunst ist nicht Natur, sondern gut gemeint“

    🙂

  2. @2 „Benn“

    „Der Mensch ist ein Wesen, dessen Schöpfung nur ein halber Erfolg war. Er ist nur ein Entwurf von etwas.“ Gottfried Benn

    @ „Selbstorganisation“

    „Wer Sicherheit der Freiheit vorzieht, bleibt zu Recht ein Sklave.“ Aristoteles

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