16.3.5 Die Dynamik, die zur Bildung stabiler, konstanter Eigenwerte/Eigenstrukturen/Attraktoren im Phänomenbereich des Unterscheidens (1. Unterscheiden/distinction) führt, ist im Phänomenbereich des Bezeichnens (2. Unterscheiden/indication) der Logik von Tautologien analog.

Wenn wir bei dem simplen Beispiel der oben  (16.3.1) verwendeten Gleichung bleiben, so kann man die Tautologie wohl am ehesten durch folgende Gleichung illustrieren:

xn = Op (xn) = xn

In dieser Gleichung ist das zweite Gleichheitszeichen eigentlich überflüssig, da mit dem ersten Gleichheitszeichen schon alles gesagt ist. Gleichungen können von rechts nach links und von links nach rechts gelesen werden. Durch die beiden Gleichheitszeichen soll angedeutet werden, dass der Ausgangswert und das Resultat der Rechnung identisch sind. Wenn wir Zeit einführen, was ja – im Unterschied zu Gleichungen – ein Merkmal von Prozessen ist, so geht diese Umkehrbarkeit verloren; bei einer tautologischen Organisation des Prozesses wird – durch den Prozess – der Ausgangswert erhalten (und zwar nicht nur einmal, wie durch eine Gleichung suggeriert, sondern qua Iteration immer wieder…).

 

Literatur:

„Rose is a rose is a rose is rose“

aus: Stein, Gertrude (1922): Sacred Emily. In: Geography and Plays. Boston (The Four Seas Company).




6 Gedanken zu “16.3.5 Die Dynamik, die zur Bildung stabiler, konstanter Eigenwerte/Eigenstrukturen/Attraktoren im Phänomenbereich des Unterscheidens (1. Unterscheiden/distinction) führt, ist im Phänomenbereich des Bezeichnens (2. Unterscheiden/indication) der Logik von Tautologien analog.”

  1. Gertude Steins bekanntester Satz „Rose is a rose is a rose is a rose“, eine Tautologie, geschrieben 1913 als Teil des Gedichts „Sacred Emily“, erschien in dem 1922 veröffentlichten Buch „Geography and Plays“. Im Gedicht ist die ersterwähnte „Rose“ der Name einer Person. Stein variierte später den Satz in anderen Werken, so zum Beispiel schrieb sie 1935 „A rose is a rose is a rose is a rose“ in „Lectures in America“. Er wird oft interpretiert als „Dinge sind, was sie sind“. Für Stein drückte der Satz aus, dass der Name einer Sache deren Bild und die damit verbundenen Gefühle verkörpert (Stichwort „Rose, Roses, Rosen“, in: etymology.info). Mit dieser Deutung knüpft Stein nahtlos an den Universalienstreit an, in dem „der Name der Rose“ von Petrus Abaelardus und anderen als Beispiel für die Verknüpfung von Begriff und Objekt verwendet wurde.

  2. Was wäre ein Beispiel für eine tautologie-ähnliche Dynamik von Prozessen, bei denen der Ausgangswert erhalten bleibt? Was hält diesen konstant? Wodurch entsteht stattdessen die Prozessdynamik?

  3. DER MATTE

    Er mag nicht mehr.
    Aber er sieht nirgends, wie und wo.
    So läßt sich der abhängige Mann weiter benützen.
    Hät sich für einen anderen,
    als er ist.

    Bloch, E. ,
    Erbschaft dieser Zeit
    SV 1973, S. 31

  4. @4: Stabilität ist nicht so schlecht, und Unterschiede sind es auch nicht. Dann weiß jeder, woran er ist.

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