16.6.1 Der Symmetriebruch kann als „Export“ von Entropie (=Unordnung) aus dem System in die Umwelt interpretiert werden.

Nach dem „2. Hauptsatz der Thermodynamik“, dem so genannten „Entropiesatz“, nimmt die Unordnung eines jeden von der Umwelt isolierten Systems zu, bis schließlich ein thermodynamisches Gleichgewicht erreicht ist. In der Thermodynamik wird der  Begriff Entropie zur Bezeichnung und Quantifizierung des Grads der Unordnung in einem komplexen System verwendet (ein Kunstwort, gebildet aus En als Abkürzung für Energie und dem griechischen Wort trepein = umwandeln,
umkehren).

Heinz von Foerster hat immer mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass der Entropiesatz für lebende Systeme keine Anwendung finden kann, denn es handelt sich bei ihnen nicht um isolierte Systeme. Sinngemäß argumentierte er: „Man nehme ein Katze, stecke sie in einen (z.B.) luftundurchlässigen Palstiksack, so hat man nach relativ kurzer Zeit keine Katze mehr, zumindest keine lebende…“ (mündliche Mitteilung – sicher hat er das irgendwo auch geschrieben).

Literatur:

„Die so genannte Entropie eines isolierten Systems kann nur zunehmen,
bis das System sein thermodynamisches Gleichgewicht erreicht
hat. Es mag hier genügen, den komplexen Begriff der Entropie
als Maß für jenen Teil der Gesamtenergie zu verstehen, der nicht frei
verfügbar ist und nicht in einem gerichteten Energiefluss oder Arbeit
umgesetzt werden kann. Mit anderen Worten, Entropie ist ein Maß
für die Qualität der im System befindlichen Energie. Damit wird, im
Gegensatz zur mechanischen Beschreibung, Irreversibilität (Nichtumkehrbarkeit)
oder Gerichtetheit zeitlicher Abläufe als Kennzeichen
dieser neuen Betrachtungsebene eingeführt. Jeder zukünftige makroskopische
Zustand des isolierten Systems kann nur gleiche oder höhere
Entropie aufweisen, jeder vergangene nur gleiche oder niedrigere
als der gegenwärtige Zustand. Eine Umkehrung dieser Zustandsänderung
ist nicht möglich“

Jantsch, Erich (1979): Die Selbstorganisation des Universums. München (Hanser)
1992. S. 56 f.




6 Gedanken zu “16.6.1 Der Symmetriebruch kann als „Export“ von Entropie (=Unordnung) aus dem System in die Umwelt interpretiert werden.”

  1. naja, auf derartige Experimente, (wenn auch vermutlich nur gedanklich)
    wie seinerzeit mit Schrödingers Katze, können auch nur Physiker kommen, die den ganzen Tag in ihrem Labor rumhängen vermutlich noch nie beobachtet haben, mit welcher Eleganz sich eine Katze von einem herunterbrechenden Ast, auf den sue sich verstiegen hat, in der Luft zu drehen und auch ganz federnd weich -ohne sich groß zu verletzen- wieder auf ihren Pfoten zu landen vermag.

    Bisweilen allerdings, kann es passieren, daß sie sich zu weit versteigt, auf einem vergleichsweise stabilen Ast, … dem Objekt ihrer Begierde nachjagend.

    Inwieweit das Versteigen dann zum Baum der Erkenntnis in ihrem Katzenleben beitragen könnte, z.B. im Sinne von “ wieder was gelernt“, muß offen bleiben …

  2. Georg Wilhelm Friedrich Hegel schrieb 1807 in Kapitel 3 seiner „Phänomenologie des Geistes“: „Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen.“

  3. @2: Aber das Ganze ist nicht beobachtbar bzw. nicht ohne eine Umwelt des „Ganzen“ unbeobachtet zu lassen, was dann den Begriff des „Ganzen“ relativiert. Deshalb sind alle Ideen „ganzheitlichen Denkens“ so problematisch…

  4. @3: Der Begriff „das Ganze“ („die Totalität“) fasst bei Hegel die Allheit des Vielen in Einem zusammen. Seit Platon wird im Begriff der Totalität, der auf einer naturwissenschaftlichen Anschauungsweise der Welt beruht, die Vollständigkeit, Abgeschlossenheit, Vollkommenheit und das Aufeinanderbezogensein aller Prozesse in einem übergreifenden Systemganzen zusammengesehen.
    In der materialistischen Weiterentwicklung dieses Systemgedankens sprach Marx bezüglich der komplexen Darstellungsweise seines Hauptwerks „Das Kapital“ von einem „artistischen Ganzen“: „Ich kann mich aber nicht entschließen, irgend etwas wegzuschicken, bevor das Ganze vor mir liegt. Whatever shortcomings they may have, das ist der Vorzug meiner Schriften, dass sie ein artistisches Ganzes sind, und das ist nur erreichbar mit meiner Weise, sie nie drucken zu lassen, bevor sie ganz vor mir liegen. Mit der Jakob Grimmschen Methode ist dies unmöglich und geht überhaupt besser für Schriften, die kein dialektisch Gegliedertes sind.“ MEW, Bd. 31, S. 132

    Mit ähnlichen Darstellungsproblemen kämpf auch die Systemtheorie.

  5. @5: Vielen Dank für den Link zu Karl Ludwig von Bertalanffy (* 19. September 1901 in Atzgersdorf, Österreich; † 12. Juni 1972 in Buffalo, New York, USA). Er „war einer der bedeutendsten theoretischen Biologen und Systemtheoretiker des 20. Jahrhunderts.
    […] Er verfasste eine Allgemeine Systemtheorie, die versucht, auf der Grundlage des methodischen Holismus gemeinsame Gesetzmäßigkeiten in physikalischen, biologischen und sozialen Systemen zu finden und zu formalisieren. Prinzipien, die in einer Klasse von Systemen gefunden werden, sollen auch in anderen Systemen zu beobachten sein. Dazu zählen zum Beispiel: Komplexität, Gleichgewicht, Rückkopplung und Selbstorganisation. […] Die Systemtheorie Ludwig von Bertalanffys spielte eine entscheidende Rolle in der Pflegetheorie der US-Pflegetheoretikerin Imogene King (1923–2007). In der psychiatrischen Krankenpflege publizierte die US-amerikanische Krankenschwester Shirley Smoyak im Jahr 1975 eine Arbeit zur „psychiatrischen Pflegekraft als Familientherapeut“, in der sie sich grundlegend auf Ludwig von Bertalanffy bezog.“

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