16.7 Unter den selbstorganisierten Systemen (zusammengesetzten Einheiten) kann zwischen nicht-lebenden Systemen und lebenden bzw. Leben voraussetzenden Systemen unterschieden werden.

Da nicht alle selbst-organisierenden Systeme lebende Systeme sind, stellt sich die Frage, was denn das spezifische unterscheidende Merkmal von Leben bzw. von lebenden Systemen ist…

Um es vorweg zu nehmen: Die Ansicht, die Erwin Schrödinger in seinem Buch „Was ist Leben?“ über die Charakteristika des Lebens äußert (s. unten), kann nicht befriedigen; er bemüht die zu seiner Zeit im Mittelpunkt des Interesses stehende Quantenmechanik, um Leben zu erklären.

An die Stelle der durch die Physik inspirierte Theorie des Lebens ist – sicher nicht zufälling – die Autopoiese-Theorie Maturanas (Sätze 18ff.), eines Biologen, getreten. Denn wenn Schrödinger davon ausgeht, dass „Ordnung aus Ordnung“ entsteht, so ist Maturanas Ansatz der Selbstkreation des lebenden Systems mit dem von Foersterschen Ansatz des „order from noise“ kompatibel. Es muß nicht unbedingt Ordnung (Negentropie) „importiert“ werden, es reicht auch, wenn  Unordnung (Entropie) „exportiert“ wird, d.h. eine interne Ordnung entsteht, ohne dass dafür die Ursache außen gesucht werden muß (obwohl das eine das andere nicht ausschließt).

 

Literatur:

„Und doch bleibt die Tatsache bestehen, daß »physikalische Uhrwerke« sichtlich sehr ausgeprägte Merkmale einer »Ordnung aus Ordnung« zeigen – Merkmale, die den Physiker in Aufregung versetzten, als er ihnen im Organismus begegnete. Die beiden Fälle dürften nach allem doch etwas Gemeinsames haben. Wir werden noch zu untersuchen haben, was dieses Gemeinsame ist und worin der auffallende Unterschied besteht, dem zufolge im Falle des Organismus eben doch etwas Neuartiges und Einmaliges vorliegt.“ (S. 144)

[…]

Nun, denke ich, bedarf es ncht mehr vieler Worte um aufzuzeigen, worin ein Uhrwerk und ein Organismus einander ähnlich sind. Die Ähnlichkeit beruht ganz einfach darin, daß der Organismus ebenfalls in einem festen Körper verankert ist – dem aperiodischen Kristall, der die Erbsubstanz bildet und der Unordnung aus Wärmebewegung weitgehend entzogen ist. Man werfe mir aber nicht vor, ich hätte die Chromosomen einfach als »Zahnräder der organischen Maschine« bezeichnet – zumindest nicht ohne auf die teifgründigen physikalischen Theorien hinzuweisen, auf denen der Vergleich beruht.

Denn noch weniger große Worte sind notwendig, um den grundlegenden Unterschied zwischen den beiden Systemen in Erinnerung zu rufen und im Falle der Biologie die Ausdrücke »neuartig« und »einmalig« zu rechtfertigen.

Die kenzeichnendsten Wesensmerkmale sind: Erstens die merkwürdige Verteilung der »Zahnräder« in einem vielzelligen Organismus, (…) und zweitens die Tatsache, daß das einzelne Zahnrad icht ein plumpes Menschenwerk ist, sondern das feinste Meisterstück, das jemals nach den Leitprinzipien von Gottes Quantenmechanik vollendet wurde.“ (S. 146f.)

Schrödinger, Erwin (1944): Was ist Leben? München (Piper) 1987.




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