18.1.3 Die Innen-außen-Unterscheidung, die durch autopoietische Systeme produziert wird, bleibt solange erhalten, wie die sie herstellenden Operationen/Prozesse (=Autopoiese) fortgesetzt werden, d.h. solange das System überlebt.

Das Autopoiese-Konzept hat (wie niicht nur Luhmann meint) relativ wenig Erklärungswert, wenn es um die Strukturierung konkreter Systeme geht, seien es Organismun, soziale Systeme oder psychische Systeme. Es kann nicht erklären, warum im Laufe der Evolution Ameisen einen anderen Körperbau entwickelt haben als Saurier oder Menschen. Es kann auch nicht erklären, warum sich die mitteleuropäische Kultur von der indischen oder chinesischen unterscheidet oder warum ein Unternehmen andere STrukturen entwickelt als eine Universität, und warum der eine Bruder ein Mörder wird (Kain) und der andere sein Opfer (Abel), was zweifellos auch irgendetwas mit ihren unterschiedlichen Strukturen zu tun hat.

Aber, und das scheint m.E. der entscheidende Punkt: Wo immer es um lebende oder Leben voraussetzende Systeme geht, muss in Rechnung gestellt werden, dass sie ihre Struktur nur aufgrund der Fortsetzung spezifischer Operationen erhalten können. Seien dies nun die Prozesse des Stoffewechsel im Organismus, der Kommunikation in einer – wie immer inhaltlich definierten – sozialen Einheit oder einem psychischen System. Enden diese das System herstellenden Operationen bzw. die Prozesse, zu denen sie geordnet sind,  löst sich das jeweilige „autopoietische“ System auf, weil es aufhört, autopoietisch zu sein, d.h.es produziert nicht mehr die Elemente, aus denen es sich zusammensetzt, und damit geht auch die Innen-außen-Unterscheidung verloren, d.h. die betreffende Einheit verliert ihr Grenze und löst sich auf.




2 Gedanken zu “18.1.3 Die Innen-außen-Unterscheidung, die durch autopoietische Systeme produziert wird, bleibt solange erhalten, wie die sie herstellenden Operationen/Prozesse (=Autopoiese) fortgesetzt werden, d.h. solange das System überlebt.”

  1. Systeme, die nicht überleben, wie beispielsweise das Römische Reich oder die Sowjetunion einschließlich der Warschauer-Pakt-Staaten, hinterlassen meist Nachfolgesysteme, die oft nach erfolgreicheren Operationen/Prozessen funktionieren. Das kann als Niedergang und Scheitern oder Auflösung und Untergang bezeichnet werden, ist jedoch nicht das völlige Ende, da bestimmte Strukturen, vor allem Denkstrukturen, auch im Nachfolgesystem weiterleben. Werden und Vergehen und daraus entstehendes neues Werden und neues Vergehen stellen Grundprinzipien der Evolution dar, die auch in sozialen Systemen zu beobachten sind.
    Die Umwelten von Systemen sind aus anderen System gebildet, die untergegangene Systeme integrieren können – in einigen Fällen sogar müssen, denn wo sollen sie denn hin?

  2. @1 „Werden und Vergehen und daraus entstehendes neues Werden und neues Vergehen stellen Grundprinzipien der Evolution dar, die auch in sozialen Systemen zu beobachten sind.“
    Na und?
    Worum dreht es sich dabei?
    Bei uns gewöhnlichen Paarhufern?
    Und was spielt sich wie vor welchem Hintergrund ab?

    https://www.youtube.com/watch?v=aC5vs1rdq_Q

    … ich weiß nicht, wieso mir hierbei immer Piscator einfällt.
    Jeder Szenenwechsel braucht halt Zeit …

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