18.6.5 Zwischen autopoietischen Systemen und ihren Umwelten kann es zu destruktiver Interaktion kommen, d.h. Ereignisse in den Umwelten können die Strukturen und Prozesse autopoietischer Systeme in einer durch das System nicht autonom kompensierbaren Weise stören, so dass die Autopoiese nicht fortgesetzt wird (=Tod).

Man hat zwar Schwierigkeiten, seine Kinder dazu zu bringen, den ungeliebten Spinat zu essen (und schafft es möglicherweise nie), aber man kann durchaus auch in Bezug auf autopoietische Systeme mit Hilfe seiner Aktionen geradling Ursachen für vorhersehbare Wirkungen setzen: wenn man ihnen etwas Destruktives antut. Man könnte z.B. seine Kinder, wenn sie den Spinat nicht essen, erschießen – allerdings bliebe dann der Spinat immer noch ungegessen (nein – dieses Beispiel nehme ich nicht – vergessen Sie es!, es ist einfach unmöglich…).

Aber die Drohung mit Gewalt und das Zufügen von Schmerz sind durchaus Methoden, die im Sinne der geradlinigen Kausalität wirksam in Bezug auf den Körper sind – auch wenn sie (trotzdem) nicht nicht unbedingt in Bezug auf die Psyche wirksam sind (manchmal ist auch Folter nicht erfolgreich, wie das Beispiel aller möglicher Heiligen zeigt). Doch viele, an der Unmöglichkeit der instruktiver Interaktion verzweifelte, Erzieher und Machthaber greifen trotzdem – mit einigem Erfolg – auf destruktive Methoden zum Erreichen ihrer Ziele zurück (was ich hier trotzdem nicht empfehlen oder legitimieren würde).

Dass destruktive Ursache-Wirkungs-Beziehungen bzw. Interaktionen durchaus auch sinnvoll sein können, zeigt die Chirurgie: Eine Operation, bei der die Bauchdecke aufgeschnitten wird, ist eine destruktive Interaktion; wenn dann noch ein Organ (z.B. der Blinddarm) herausgeschnitten wird, so ist das auch erst mal destruktiv; allerdings – das ist das Kalkül – ist die Wirkung, wenn alles gut läuft, längerfristig positiv. Es bedarf dazu aber immer noch der autonomen strukturdeterminierten Aktivitäten des Organismus. Eine der vielen Paradoxien der Heilkunst.




1 Gedanke zu “18.6.5 Zwischen autopoietischen Systemen und ihren Umwelten kann es zu destruktiver Interaktion kommen, d.h. Ereignisse in den Umwelten können die Strukturen und Prozesse autopoietischer Systeme in einer durch das System nicht autonom kompensierbaren Weise stören, so dass die Autopoiese nicht fortgesetzt wird (=Tod).”

  1. @“viele, an der Unmöglichkeit instruktiver Interaktion verzweifelte Erzieher und Machthaber greifen trotzdem – mit einigem Erfolg – auf destruktive Methoden zum Erreichen ihrer Ziele zurück“
    Das hat soziale Ursachen: Das Machtgefälle zwischen Eltern und ihren Kindern („erschießen“), Lehrer und ihren Schülern („erniedrigen“), Diktatoren und ihrem Volk („foltern“) ist derart groß, dass destruktive Methoden („erschießen“, „erniedrigen“, „foltern“), eher Erfolg versprechen als konstruktive Methoden.

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