19. Medien

Das Konzept des Mediums hat vor allem in der neueren systemtheoretischen Soziologie, wie sie von Niklas Luhmann vertreten wird, eine zentrale Rolle gewonnen. Ursprünglich stammt es aus der Wahrnehmungspsychologie und wurde von Fritz Heider 1926 in einem Aufsatz mit dem Titel „Ding und Medium“ in die Diskussion eingeführt. Für die Soziologie wurde es von Niklas Luhmann übernommen. Was die Luhmanns und Heiders Ideen verbindet, ist, dass beide die  Aufmerksamkeit auf den Unterschied zwischen lose und fest gekoppelten Elementen oder Komponenten zusammengesetzter Einheiten (Systeme) fokussieren. Da der Unterscheidung zwischen diesen Kopplungsmodalitäten bei der Bildung von „Formen“ von besonderem Interesse ist, wird hier das Konzept des Mediums – um Mißverständnisse zu vermeiden – enger als in der Soziologie verwendet, nämlich um die Verbindung zwischen Beobachter und beobachtetem Gegegenstand zu thematisieren. Durch die Diskussion des Unterschieds zwischen lose und fest gekoppelten Elementen dürfte der soziologische (und psychologische) Bereich hinreichend thematisiert sein.

 

Literatur:

„Vermutlich wäre dieser Aufsatz bis heute vergessen, wenn ihn nicht der für seinen Spürsinn ungewöhnlicher Ideen bekannte Sozial- und Organisationspsychologe Karl E. Weick in seinem Buch »The Social Psychology of Organizing« (1969, 2. Aufl. 1979) in einer Randbemerkung aufgegriffen hätte, in der es darum geht, dass auf Organisationen in der Lage sein müssen, in ihrer Umwelt Dinge von anderen unterscheiden zu können, und dass die Dinge der Organisation nicht unbedingt die Dinge sind, die anderen Beobachtern auffallen. Diese Randbemerkung fiel dem Soziologen Niklas Luhmann auf, der sich den Aufsatz von Heider daraufhin genauer ansah und dessen theoretische Reichweite eerkannte. Heute ist der Aufsatz aus keiner system- und medientheoretischen Begriffsarbeit mehr wegzudenken.“

Baecker, Dirk (2005): Vorwort. In: Heider, Fritz (1926): Ding und Medium, Berlin (Kadmos) 2005, S. 13.




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