19.1 fbs

Hier sind an erster Stelle im rein physischen Bereich Licht, Wasser, Luft etc. zu nennen, die es ermöglichen, ein Objekt zu sehen, zu hören, zu riechen usw. Dass das Medium die Wahrnehmung eines Beobachters verändert, weiß jeder, der schon einmal im Meer gebadet hat und dort unter Wasser die Motorgeräusche eines Bootes gehört hat, die über Wasser noch nicht zu hören waren. In Westernfilmen legen die Protagonisten, die einen Zug zu überfallen planen, die Ohren auf die Schienen, um lange bevor sie ihn sehen können zu hören, ob der Zug sich nähert.

Aber der Gebrauch des Begriffs Medium umfasst darüber hinaus auch gelegentlich ganze Menschen, wie etwa beim Tischerücken, wo ein Medium versucht, Kontakt mit Verstorbenen aufzunehmen.

Und dass Massenmedien oder sogenannte soziale Medien Botschaften an Massen bzw. eine Vielzahl von Individuen vermitteln, die in der Face-to-face-Kommunikation nicht zu erreichen wären, ist auch bekannt.

7 Gedanken zu “19.1 fbs

  1. Die Struktur des Mediums begrenzt/ definiert die Möglichkeiten der Dokumentation der Daten/ und damit der Kommunikation.

    Und wer glaubt, Krankengeschichten mit Worten dokumentieren zu können,
    und dies mit der Realität verwechselt – nicht eingerechnet die Fehler durch
    Einsetzen unpassender Textbausteine – sollte lernen,

    die Medien zu wählen, die strukturell den zu dokumentierenden Daten gemäß sind …

  2. Ist nicht auch die systemische Aufstellungsarbeit demnach ein Medium, um Teile von Dynamiken und Stagnationen (auch ein Resultat dynamischer Prozesse ) in Systemen sichtbar werden zu lassen?

  3. @2: Bei der Aufstellungsarbeit wird der Raum als Medium genutzt, um nicht-materielle Sachverhalte, nämlich die Sicht des Fallbringers auf interpersonelle Beziehungen oder die Beziehung zwischen Abstrakta (wenn diese aufgestellt werden) bobachtbar zu machen. Man könnte seine Sichtweisen auch erfragen und würden dann Sprache als Medium nutzen. Ob in der Aufstellung als Medium tatsächich die Teile von Dynamiken etc. sichtbar werden, kann letztlich nicht entschieden werden. Aber die Sichtweise auf diese Beziehungen oder das Erleben der jeweiligen Beziehungen wird allemal in diesem Medium anders beobachtbar, weil – im Unterschied zur Sprache – gleichzeitig eine Vielfalt von Beziehungen beobachtbar wird, während in der sprachlichen Darstellung gleichzeitig bestehende Beziehungen ungleichzeitig (=hintereinander) beschrieben werden müssen.

  4. … ungleichzeitig ist es in jedem Fall, gleichgültig welche Disziplin und welche Ausdrucksform man auch wählt. Man kann einsteigen, wo auch immer man will.
    Der Sog der „Temporalisierung der Komplexität“ verweist immer auf die Asymmetrie …
    Da braucht man jedoch nicht erst bei der Biologie mit der „Autopoiesis“ zu beginnen. Alles verhält sich letztlich autopoietisch in Soziopoiesis.

    Gleichgültig wie man es auch dreht und wendet, man wird immer zwei unterschiedliche Elemente finden, die sich dadurch auszeichnen, daß sie miteinander gekoppelt sind und selbst im subatomaren Bereich in irgendeiner Form -ob amorph oder kristallin -umeinander herumtanzen bzw. Bindungen lösen und anschließend freie Valenzen aufweisen. Auch Nichtsprachliches ist immer eine Form von Sprache und unterliegt einem generativen Prozeß.
    Evolution ist immer und überall, auch wenn individuelles Leben sich seinem Ende zuneigt.

    Rauhreif

    Etwas aus den nebelsatten
    Lüften löste sich und wuchs
    über Nacht als weißer Schatten
    eng um Tanne, Baum und Buchs.

    Und erglänzte wie das Weiche
    Weiße, das aus Wolken fällt.
    und erlöste stumm in bleiche
    Schönheit eine dunkle Welt.“

  5. was aus meiner Sicht in dem hier auftauchenden scheinbaren Widerspruch von Gleichzeitigkeit und Ungleichzeitigkeit wieder mal deutlich wird, das ist, dass ein sich an einem einseitig interpretierten Luhmann orientierende systemtheoretischer Diskurs nicht in der Lage ist, sich ein Bild von der Welt zu machen, die (nicht IN) der wir leben.
    So bleibt dieser Diskurs, ohne sich das bewusst zu machen, der Welt des homo faber (Hannah Arendt), des machenden Menschen, verhaftet – mit allen Konsequenzen, die sich daraus in den sich heute zunehmend digitalisierenden Lebensbezügen ergeben.

    Hier fehlt ein Begriff des menschlichen Beobachters als lesender UND schreibender, als homo pictor – EinBILDungsKraft als das Vermögen der Anschauung auch ohne die Anwesenheit eines „Objekts“. Bilder zeigen etwas AN und zugleich zeigen sie AUF andere Möglichkeiten.

    „Aufstellungsarbeit“ ist eine Praxis, die von Anfang an bis heute wesentlicher Bestandteil menschlicher Lebensweise ist. So etwa, wenn Menschen – noch vor der Erfindung der Wort-Sprache – in Ritualen mimetisch (damals hieß das: singend und tanzend) die Muster generieren, mit denen sie sich gemeinsam (!) in der Welt verorten, die sie leben.

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