19.2 Medien beeinflussen das Beobachten, da ihre eigenen Merkmale und Strukturen die Selektion der beobachtbaren und damit beobachteten Phänomene bestimmen.

Marhall McLuhan hat eines seiner letzten Bücher mit dem unmißverständlichen Titel „The Medium is the Massage“ versehen (- versehen ist – so liest man – die korrekte Bezeichnung, denn die Titelgebung war das Ergebnis eines Druckfehlers – massage statt message -, gewissermaßen eines Freudschen Verdruckers). Das Medium ist die Massage, es knetet die Wahrnehmung der Kommunikationteilnehmer. Das können natürlich auch Sonnenstrahlen tun (wenn der Lichtschutzfaktor der Sonnencreme zu niedrig ist), aber es gilt weit mehr für die so unschuldig scheinenden Medien der menschlichen Kommunikation, vor allem der Massenkommunikation.

Das basale Beispiel liefert die Sprache als Medium. Wer z. B. die Interaktionen zwischen zwei oder mehreren Personen mit Worten beschreiben will, kommt nicht umhin, sie diachron, d.h. nacheinander in der Dimension Zeit darzustellen, während sie „tatsächlich“ (d. h. in der Tat) synchron, d.h. gleichzeitig, ablaufen. Analoges gilt für die Beschreibung interpersoneller Beziehungen in Mehr-Personen-Konstellationen. Wenn diese Personen hingegen im Raum verteilt werden (wie dies z.B. bei sogenannten Familienskulpturen oder Aufstellungen geschieht, ist auf einen Blick ersichtlich, wer wem näher steht oder wer wen keines Blickes würdigt.

Dabei stellt sich dann die Frage, ob die räumliche Metaphorik zur Charakterisierung von Beziehungen ein Effekt des Mediums „räumliche Darstellung“ auf die Beobachtung bzw. das Beziehungs-Erleben der Beteiligten ist oder das Erleben von Beziehungen schon „räumlich“ ist.

Welche Wirkungen die Massenmedien auf die gesellschaftliche Entwicklung haben, wird ja seit Jahrzehnten diskutiert. Mit der Erfidung der sogenannten „sozialen“ Medien wird der Effekt angesichts der neuen Möglichkeiten, Hassmails o. Ä. breit zu streuen, auch zunehmend interessant.

 

Literatur:

McLuhan, Marshall (1967): Das Medium ist die Massage: Eine Bestandsaufnahme der Auswirkungen. Stuttgart (Tropen) 2016, 4. Aufl.




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