2.2.2 Durch die Operation des Unterscheidens entsteht ein Raum, Zustand oder Inhalt, der innerhalb der so entstandenen Einheit verortet ist, und ein Raum, Zustand oder Inhalt, der außerhalb dieser Einheit verortet ist (=Innen-außen-Unterscheidung).

Literatur:

„Call the parts oft the space shaped by the severance or cleft the sides of the distinction or, alternatively, the spaces, states, or contents distinguished by the distinction.“

G. Spencer-Brown (1969): Laws of Form. New York (E.P. Dutton) 1979, S. 3

„Unterschiede sind ihrer Natur nach Beziehungen und daher nicht in der Zeit oder im Raum lokalisiert. Wir sagen, dass der weiße Fleck ‚dort‘, ‚in der Mitte der Tafel‘ ist, aber der Unterschied zwischen dem Fleck und der Tafel ist nicht ‚dort‘. Er ist nicht in dem Fleck; er ist nicht in der Tafel; er ist nicht in dem Raum zwischen der Kreide und der Tafel. Ich könnte die Kreide von der Tafel abheben und sie nach Australien schicken, aber dadurch würde der Unterschied nicht zerstört oder verschoben, weil ein Unterschied keine Ortsbestimmung hat […]

Informationen bestehen aus Unterschieden, die einen Unterschied machen. Wenn ich die Aufmerksamkeit auf den Unterschied zwischen der Kreide und einem Stück Käse richte, werden Sie durch diesen Unterschied
beeinflusst, indem Sie es vielleicht unterlassen, die Kreide zu essen, oder dies vielleicht probieren, um meine Behauptung zu verifizieren.“

Bateson, Gregory (1979): Geist und Natur. Eine notwendige Einheit. Frankfurt (Suhrkamp) 2002, S. 122 f.

 




6 Gedanken zu “2.2.2 Durch die Operation des Unterscheidens entsteht ein Raum, Zustand oder Inhalt, der innerhalb der so entstandenen Einheit verortet ist, und ein Raum, Zustand oder Inhalt, der außerhalb dieser Einheit verortet ist (=Innen-außen-Unterscheidung).”

  1. Es gibt keinen einzelnen Punkt,
    es gibt unterschiedliche Perspektiven, auch bei einem Tunnelblick mit Licht-und Schattenspiel.
    Die Iris dient beim Beobachten als erste Pforte zwischen Innen und Außen.

    Man braucht allerdings bei dieser Geheimwissenschaft so etwas wie den Faden der Ariadne (und vor allem auch Zeit), um sich in diesem Labyrinth an ineinander verschlungenen Wegen unter dem Schädeldach topographisch zurechtzufinden,
    um von einer Innen/Außen-Wahrnehmung auch wieder zum eigenen Startpunkt und somit auch zu einer vermittelbaren „Wahrgebung“ zu gelangen.

    Das geht aber nur aus einer gewissen Distanz und dann im Vergleich der Grenzflächen zwischen Ansatz- und Schlußpunkt(en).

    Hier ein Beispiel erhellender Überrumpellungstechniken
    https://www.youtube.com/watch?v=Vc9s3ZMYIec

  2. @1: Der Punkt, von dem aus beobachtet wird, ist immer der Beobachter selbst bzw. der Ort, die Zeit, die Perspektive – wie Frau Menges ja auch sagt -, von der aus er beobachtet.

    Und die Formulierung Innen-außen-Unterscheidung ist der Versuch sprachlich (und damit metaphorisch) zu fassen, was beim Unterscheiden geschieht. Das muss nicht räumlich sein. Es kann auch zeitlich sein (vorher/nachher). Aber die Raum-Metapher scheint nützlich, weil man in der Metapher bleiben kann, wenn man z.B. sagt, dass ein Bedeutungsbereich innen von einm Bedeutungsbereich außen abgegrenzt wird (vom Beobachter, d.h. es ist ein aktiver Prozess, der nicht unbedingt irgendetwas mit Grenzenbildung im Bereich der beobachteten Phänomene zu tun haben muss).

  3. „Raum, Zustand, Inhalt“

    Für kognitiv räumliche Wesen, wie Menschen es sind, ist die räumliche Verortung, visuell als Haken oder Kreis, des beobachteten Raums, Zustands oder Inhalts verständlich.

    Im Materiellen, Körper, ist die Beobachtung tatsächlich auch! räumlich, molekular.
    Zustand und Inhalt scheinen mir im Sinn-System verortet.
    Zustand würde ich der Psyche zuordnen, Inhalt eher dem Sozialen.

    Die räumliche Abgrenzung, auf dem Papier oder nur visuell gedacht, impliziert , vielleicht, kognitiv eine Verdinglichung.

    Im Phänomen Körper mag das zeitweise angemessen sein, obwohl auch hier alle Prozesse flüchtig sind und der Körper nicht einem Fahrrad gleicht.

    Im Phänomenbereich Psyche und Soziales erscheint mir diese Verdinglichung, die kognitiv Statik impliziert, weniger nützlich.

    Vielleicht ist es so, dass, wann immer wir eine Beobachtung durchführen, wir auf deren Zeitdimension achten sollten, um Änderungen im Raum, Zustand, Inhalt für möglich zu halten..

  4. im Anschluß an
    bzw. Fortsetzung von Zitat
    52.5.1 [@2]
    (Brief W. Pauli an C.G. Jung, Dez. 1947)

    “ …. Die moderne Mikrophysik setzt den Beobachter wieder ein als einen kleinen Herrn der Schöpfung in seinem Mikrokosmos, mit der Fähigkeit zu (wenigstens teilweise) freier Wahl und prinzipiell unkontrollierbaren Wirkungen auf das Beobachtete. Wenn aber diese Phänomene davon abhängen, wie (mit welcher Versuchsanordnung) sie beobachtet werden, gibt es dann vielleicht auch Phänomene (extra corpus), die davon abhängen, wer sie beobachtet, d.h. von der Beschaffenheit der Psyche des Beobachters)? Und wenn die Naturwissenschaft, seit Newton dem Ideal des Determinismus nachjagend, schließlich bei dem prinzipiellen „Viielleicht“ des statistischen Charakters der Naturgesetze angelangt ist (welche Enantiodromie!) – sollte dann nicht genügend Platz sein für allerlei Merwürdigkeiten, für welche schließlich die Unterscheidung „physisch“ und psychisch“ ihren Sinn verliert (so etwa wie heute schon die Unterscheidung von „physikalisch“ und „chemisch“)? „

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