2.2.5.1 Unmarkierte Räume, Zustände oder Inhalte bleiben unbemerkt, d.h. unbeobachtet.

Markieren heißt bemerken, so könnte man auch sagen. Wenn ein Tier sein Territorium durch Verspritzen von Urin markiert (=abgrenzt), so teilt es eventuellen Konkurrenten deutlich riech- und merkbar mit, dass sie gefälligst Abstand von dem Gebiet, dass er als sein eigen betrachtet, bleiben sollen. In unmarkierten Gegenden können sie sich hingegen ausbreiten. „Nicht zu merken“ ist also – um die Angelegenheit mal auf den Kopf zu stellen – eine gute Methode sich zu erlauben Grenzen zu überschreiten.

Auch die Sozialtechnik ein bestimmtes abweichendes Verhalten zu ignorieren, folgt dieser Logik.

Wenn Sie sich z.B. einmal peinlich verhalten sollten (was ja nicht nur Politikern geschieht), ist es  besser, dies nicht zu thematisieren (=zu markieren) und darüber hinweg zu gehen, statt sich zu entschuldigen (=es zu markieren) und es dadurch bemerkbar zu machen, da Ignorieren ein guter Weg aus einer peinlichen Situation für alle Beteiligten gewesen wäre (=So-tun-als-ob-nicht).

Literatur:

„(…) Wahrnehmung arbeitet nur mit Unterschieden. Jede Informationsaufnahme ist notwendig die Aufnahme einer Nachricht von einem Unterschied, und alle Wahrnehmung von Unterschieden ist durch
Schwellen begrenzt. Unterschiede, die zu klein oder zu langsam dargestellt sind, können nicht wahrgenommen werden. Sie sind keine Nahrung für die Wahrnehmung“

Bateson, G. (1979): Geist und Natur. Eine notwendige Einheit. Frankfurt
(Suhrkamp) 2002, S. 39 f.

Fortsetzung:

https://carl-auer-akademie.com/blogs/formen/saetze/2-beobachten/2-2/2-2-5/2-2-5-2/

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