2.2.6 Unterscheiden kann als elementare Operation jeder Strukturbildung – nicht nur des Beobachtens – betrachtet werden (der erste Akt jeder Genesis).

Auch Gott hat – manchen religiösen Traditionen zufolge – mal als Beobachter angefangen, d.h. unterschieden und bezeichnet: „Die Erde war wüst und leer, Finsternis lag über der Urflut, und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Da sprach Gott: »Es werde Licht!« Und es ward Licht. Gott sah, dass das Licht gut war. Da trennte Gott Licht von der Finsternis.“

Als Beobachter musste also auch Gott erst mal das Licht anschalten, damit er etwas sieht, ist ja nicht so erstaunlich. Und dann machte er das, was jeder menschliche Beobachter auch macht, wenn auch – wahrscheinlich im Gegensatz zu Gott – nicht bewusst: Er teilt einen Bereich, in dem er etwas sieht bzw. „bemerkt“ (=Licht/markierter Raum, Zustand oder Inhalt) von dem Bereich, in dem er nichts sieht oder „bemerkt“ (=Nacht/unmarkierter Raum, Zustand oder Inhalt). Allerdings ist hier anzumerken, dass er, noch bevor er das Licht anknipsen und dann mit der Teilungsprozedur – Land/Wasser usw. – fortfahren konnte, schon zwischen sich und der wüsten und leeren Urflut unterschieden haben musste, und es stellt sich die Frage, ob das eine gute Idee war…

Literatur:

„Thus we cannot escape the fact that the world we know is constructed in order (and thus in such a way as to be able) to see itself.

This is indeed amazing.

Not so much in view of what it sees, although this may appear fantastic enough, but in respect of the  fact that it can see at all.

But in order to do so, evidently it must first cut itself up into at least one state which sees, and at least one other state which is seen. In this severed and mutilated condition, whatever it see is only partially itself. We may take it that the world ondoubtedly is itself (i.e. is indistinct from itself), but, in any attempt to see itself an an object, it must equally undoubtedly, act so as to make itself distinct from, and therefore false to itself. In this condition it will always partially elude itself.“

G. Spencer-Brown (1969): Laws of Form. New York (E.P. Dutton) 1979, S. 105.

„Ich konnte niemals den ersten Schritt der Genesis akzeptieren: »Am Anfang war die Erde wüst und leer.« Diese ursprüngliche tabula rasa hätte für die nächste Milliarde Jahre ein unglaubliches thermodynamisches Problem geschaffen. Vielleicht war die Erde nimeals mehr eine tabula rasa als dies eine menschiche Zygote ist – ein befruchtetes Ei.“

Bateson, Gregory (1979): Geist und Natur. Eine notwendig Einheit. Frankfurt (Suhrkamp), S. 12.




10 Gedanken zu “2.2.6 Unterscheiden kann als elementare Operation jeder Strukturbildung – nicht nur des Beobachtens – betrachtet werden (der erste Akt jeder Genesis).”

  1. „Allerdings ist hier anzumerken, dass er, noch bevor er das Licht anknipsen und dann mit der Teilungsprozedur – Land/Wasser usw. – fortfahren konnte, schon zwischen sich und der wüsten und leeren Urflut unterschieden haben musste…“

    Das sehe ich eindeutig anders.
    Die Bibel sagt ja nicht: „GOTT schwebte über den Wassern“ bzw. über der unbestimmten (nicht: leeren) „Urflut“, sondern: der „GEIST Gottes schwebte…“
    Das heißt für mich: er konnte und musste gar nicht zwischen sich (Gott) und dem Rest unterscheiden, weil es ihn noch gar nicht gab. Er konstituierte sich als „Gott“ erst im Akt des Lichtanknipsens, also der ersten Beobachtung.

    (ich poste das hier noch mal – in leicht veränderter Form – weil mein gestriger Beitrag offenbar in der Urflut untergegangen ist)

  2. Ach Gott 🙂

    und ich sehe selbst das wieder anders

    Jetzt habe ich mir doch tatsächlich -mitten in der Nacht- die illustrierte Luther-Bibel-Ausgabe meiner Großmutter aus der Württ. Bilbelanstalt, Stuttgart 1929 rausgeholt
    (Näheres zu dieser vom Evangelischen Kirchenausschuß genehmigten Text
    -vor allem zur Genehmigung- später)

    Also wenn schon, denn schon und
    dann aber bitte gleich nochmal ganz von vorne …
    und nicht gleich bei 2 bzw. 3 -unterschiedslos – anfangen

    Am besten -der Übersicht halber- beginnend mit dem Index der Bücher

    I. Die Bücher des Alten Testaments
    1) Das 1. Buch Mose

    [NB: in Klammern unten steht, wo die einzelnen Bibel-Zitate -neben 1. Mose – Kapitel 1-
    sonst noch zu finden und nachzuschlagen wären.]

    „1. Mose – Kapitel 1
    Die Schöpfung: Sechstagewerk

    1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
    (Johannes 1.1-3) (Apostelgeschichte 17.24) (Hebräer 11.3) (Offenbarung 4.11)

    2 Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.

    3 Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht.
    (Psalm 33.9) (2. Korinther 4.6)

    4 Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis

    5 und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht.
    Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

    Bereits anhand dieses Index geht hervor, daß Gott -wie alle, die unmittelbar ihre Kreativität entfalten und als Operator erst einmal anfangen zu arbeiten- zuallererst einen Unterschied zwischen Himmel und Erde gesetzt (= „erschaffen“) hat.

    Und dies vermutlich erst einmal völlig betriebsblind und völlig allein
    denn er hatte schließlich ja noch kein Licht …
    und der Geist kommt auch erst nach Beobachtung der wüsten Erde

    🙂

  3. wußt ich’s doch, daß das mal wieder keine Sau liest …
    was soll dann dieser Standalone Müll hier,
    mit dem Auftrag
    ‚publish or perish‘ im Kreuz?

    Die eigentliche Riesensauerei ist,
    daß für Neulinge/Frischlinge und sonstige Konsorten
    trotz aller Offenheit gegenüber WUTZen
    am Ende doch kein Platz mehr bleibt …
    außer Aaaaaaaaaa men

  4. @2.2.6 > 2+3: Hab’s gelesen und verstanden: „ich seh das ANDERS…“

    Tja, ist auch nicht anders möglich sobald (formloses) „Bewusstsein“ (was immer das ist [mit allen Submodalitäten wie Aufmerksamkeit etc.]) „Form(en)“ annimmt (Unterscheidungen trifft)

    @2.2.6 > 1: „Er konstituierte sich als „Gott“ erst im Akt des Lichtanknipsens, also der ersten Beobachtung.“

    Hmm… Mir scheint, dass „Gott“ erst durch das „Lichtanknipsen“ (und den dadurch möglich werdenden Formen d.h. „sichtbar-werdende-Unterscheidungen“) etwas von sich preis gibt, d.h. etwas von Gott in den (in Raum und Zeit entwickelnden) Formen beobachtbar wird. GOTT selbst dagegen bleibt für Menschen (gleichgültig wie „erleuchtet“ einer glaubt zu sein) unsichtbar (unbeobachtbar): „Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.“ 2.Mose 33,20)

    @2.2.6 > „Auch Gott hat – manchen religiösen Traditionen zufolge – mal als Beobachter angefangen, d.h. unterschieden und bezeichnet“

    Zustimmung. Beobachtbarkeit setzt Unterscheidbarkeit und Unterscheidbarkeit (Selbst-)Bewusstsein (das in sich nur sofern unterscheidbar, „sich seiner selbst bewusst“ werden kann > siehe Gott als Einheit in Dreiheit) voraus.

    Sehr poetisch: M.Buber / Rosenzweig Übersetzung von 1.Mose 1,2: „Die Erde aber war Irrsal und Wirrsal. Finsternis über Urwirbels Antlitz. Braus Gottes schwingend über dem Antlitz der Wasser“

  5. Wie das damals war, zeichnete F. K. Waechter 2002: Ein kleiner Bengel mit roter Fliege am Hals und Zylinder auf dem Kopf erzählt: „Und weil sonst nichts war, machte ich in die Leere und machte das Meer.“ Dieser namenlose Knirps pinkelt, und das Meer erglänzt weit hinaus. Dann furzt er noch den Wind und kackt das Land und schafft sich sein Ebenbild, das ist aber ein Mädchen. Und dann wird gottsallmächtig collagiert und die Welt erschaffen, dass es nur so eine Unart hat – eine Pracht, wie er das macht. Freudianische Ironien über die Schöpfungskraft des Kleinkinds.

  6. Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass Blinde die Welt in der Farbe schwarz sähen.
    Tatsächlich sehen sie grau, nicht weiß, nicht schwarz sondern grau.

    Grau ist die ruhigste „Farbe“, weil keine Unterschiede
    ..oder ?

  7. Was denn für’n „Grau“, um Himmels willen?
    In Flanell, vielleicht?
    so in klassischem Feldgrau?
    mit Khaki-Stich?
    oder vll. in Glencheck
    bzw. Pepita in Kaschmir

    … wenn jetzt auch noch die Sendung mit der Maus daherkommt -womöglich noch als Silverager aufgetunt – mit Pferdeschwanz bzw. Dutt, dann kann man wetten, daß als nächstes irgendsoeine voll aufgetakelte Tussi auftaucht, rekrutiert aus den Reihen derer, die heutzutage ohnehin kaum mehr geneigt scheinen, noch irgendwo in Patentstrickmusterpflege einen Faden abbeißen zu wollen, selbst dann nicht
    wenn sie schon längst am Tropf hängen …

    Blaustrumpftechnisch müßte man sich dann womöglich wieder mit dieser abgehalferten -old school- Lufthansa-Blazerkultur auseinandersetzen, die im graublau Dress-Code ohnehin seinerzeit für Flimmerkisten mit Farbenblinden erfunden wurde …
    Erschütternd wie sich Alt – Rosa mit schlüpfrigem Satin-Glanz wieder durchzusetzen scheint. Neben den Rippmuster-Buxen mit Eingriff unterm Kaminrock in blaugrüner Hanswurst-Kombi.
    … und dann auch noch die baumelnden Bernstein-Ketten,
    am Liebsten mit Mücken-Einschlüssen. Grusel pur in Waldmeister-Bowlen …

    Irgendwie kommt einem die gesamte Hascherei vor wie seinerzeit die Versiegelung zu Vorphilatelie-Zeiten, die es zu erbrechen galt.
    Zu Zeiten als das kleine Schwarze amalgamiert noch geradeso durchging neben den Dinner – Jacketkronen, die wenigstens noch testbildmäßig handcoloriert umflort waren und auch noch mit ordentlichen rahmengenähten blunafesten Budapestern mitsamt ihren Quetschkommoden daherkamen.

    … und ob ein Gelbstich das Ganze nun besser machen und mehr an Drive verleihen würde, kann man -gelinde gesagt- getrost bezweifeln

    https://www.youtube.com/watch?v=MjUqfRrWwcM&list=RDSt6jyEFe5WM&index=11

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