2.2.7 fbs

Wenn man ein menschliches Individuum als Beobachter betrachtet, so liegt seinem unterscheidenden Wahrnehmen – z.B. dem sinnlichen Unterscheiden zwischen Farben – ein physiologisches quantitatives Bewerten von Lichtfrequenzen zugrunde. Allerdings heißt das nicht, dass unterschiedlich wahrgenommene Phänomene auch konzeptuell unterschieden werden müssten. Das geschieht z.B. dann nicht, wenn die wahrgenommenen Unterschiede als irrelevant bewertet werden.

11 Gedanken zu “2.2.7 fbs

  1. „Jedes Unterscheiden wird durch unterschiedliches Bewerten (kursiv dargestellt) hervorgebracht, das heißt, auf der markierten (kursiv dargestellt) Seite wird ein Wert (=Merkmal) verortet/zugeschrieben, … .“

    „Wert, die Leitkante der Realität, ist dann kein unbedeutender Ableger der Struktur mehr. Wert ist der Vorläufer der Struktur. Er ist das präintellektuelle Bewußtsein, das Struktur entstehen läßt. Unsere strukturierte Realität ist das Ergebnis einer wertenden Vorauswahl, und um strukturierte Realität wirklich zu verstehen, müssen wir die Wertquelle kennen, der sie entsprungen ist.“
    S. 299, Robert M- Pirsig in „Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten“, (1974/2001)
    Und Pirsig hat ebenfalls mal formuliert, dass Wert der Grundstoff der Welt sei, wenn ich das so richtig wiedergegeben habe.

    Was sind ihre Gedanken hinsichtlich des Wertes, der Wertquelle und des Gesagten hier? Wieso haben Sie den Begriff Wert verwendet?

  2. @1: Pirsig ist natürlich großartig.

    Die zentrale Positionierung der Bewertung (=eine Operation, d.h. kein Bezug suf einen irgendwie absolut zu sehenden „Wert“) ist von mir von Spencer-Brown übernommen worden, einem Mathematiker, der dargelegt hat, dass jeder Unterscheidung eine Bewertung zugrunde liegt. Mir schien das plausibel, weil hier auf eine rein quantitative Unterschiede erfassende elementare Ebene zurück gegriffen wird. Etwas mehr auf der Innenseite vs. etwas weniger auf der Außenseite (z.B.). Dass hier Kontiuität vom Beobachter aufgrund seiner Beobachtungsmethode zerteilt wird, kommt später ausführlicher … Insofern mag die Bewertung in den Strukturen des Beobachters begründet liegen (z.B. den Merkmalen eines Nervensystems).

  3. Denke ja, dass Unterscheiden und Bezeichnen zunächst eine einzige Operation sind (siehe dazu 2.4.5), erst in zweiter Linie (durch das kognitive Ausdifferenzieren) als 1. und 2. markiert werden; der Name dringt in das Benannte ein, zunächst.
    Das mit dem Bewerten kann sein, muss nicht sein, scheint mir. Wie begründet GSB das eigentlich (dass jeder Unterscheidung eine Bewertung zugrunde liegen müsse …).

  4. Unterscheiden = Konzeptualisieren. Bewerten = einen Wert zuschreiben. Konzeptualisieren kann (!) man quantitativ operationalisieren (zB mehr/weniger; groß/klein = Dimensionalisierung; …) aber jedenfalls gibt es doch Unterschiede/Konzepte, die nicht quantitativ zu skalieren sind (und damit bewertungsfrei sind). Das Konzept Konzept als solches zum Beispiel. Der Unterschied per se. Also der Fokus ist dann auf die Unterscheidung als solche gerichtet und nicht auf den Raum, der geteilt wird … der Name für sich … das Zeichen als solches …

  5. Unterscheiden von Farben ist schlicht Benennen = nach außen projizierte Unterschiede/Konzepte im Hier und Jetzt. Da hätten wir aber viel zu tun, wenn wir Frequenzen bewerten würden. Dass die Farben, die wir sehen, mit den Frequenzen nichts zu tun haben müssen, zeigt doch gerade das Experiment der farbigen Schatten.

  6. Warum denkst Du nur so kompliziert? Es ist einfach, Fritz! So einfach wie der Name Fritz. Warum muss das so kompliziert sein? Du lieber Himmel. Das muss (!) einfach sein. So einfach, dass es schon 1-2Jährige können. Das Prinzip ändert sich nicht. It’s simple! Und gerade das Einfache wird gerne übersehen …

  7. @7: Es ist umgekehrt: Erst das Bewerten (=Unterscheiden), dann das Konzeptualisieren… Nicht jedes Unterscheiden ist mit einem Konzeptualisieren verbunden.

  8. Habe ich etwas von einer Richtung gesagt (vorher/nachher)?

    Man kann „differentiation“ als eine Form der Konzeptbildung begreifen. (differentiation = a meaning shift = adding concepts to concepts) … so verwendet es zumindest Rob Goldstone in seinen Forschungsarbeiten.
    Ich sehe das „Konzept“ als einen übergeordneten Begriff (der Unterscheiden voraussetzt); also wenn ich auf S. 23 Figur 2 anschaue, den Kreis mit innen und außen dann sehe ich das als „Konzept“. Das kann man aber auch anders fassen. Das Unterscheiden meine ich nicht … wenn ich den Begriff „ROT“ nicht habe, sehe ich auch kein „ROT“. Ich kann mir einen Namen für alles Mögliche ausdenken, aber es ist dann eben nicht „ROT“ (wenn mir der Begriff fehlt …). Und mit „ist“ meine ich nichts Ontologisches, sondern was es für mich im Hier und Jetzt eben „ist“.

  9. Kann es sein, dass Du unter „Bewerten“ hier etwas anderes meinst, als unter Deinem Kommentar bei 2.2.8 an Lothar Eder? Bewerten im Sinne von GSB nämlich und nicht im unter 2.2.8 beschriebenen Sinne (schön; leicht; … behandlungsbedürftig … ausgelutscht …)? Und falls ja, bitte beschreibe den Unterschied ….
    Danke und guten Abend aus dem Wienerwald nach Berlin.

  10. @10: Ja. Das Bewerten beim Unterscheiden ist wie auch das Beobachten auf einer viel allgemeineren Ebene zu verstehen. Auch der Organismus unterscheidet/bewertet in diesem Sinn. Das ist ein anderes Bewerten als Du das tust oder ich, wenn wir uns über Diagnosen unterhalten.

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