2.4.2 Das Bezeichnen (=2. Unterscheiden/indication) verweist (=zeigt) auf das Unterscheiden (1. Unterscheiden/distinction) als seinen Sinn (=Bedeutung), d.h. Sinn/Bedeutung des 2. Unterscheidens (=Bezeichnens/Verweisens/Zeigens) ist das 1. Unterscheiden.

Das Mittel des Bezeichnens (z.B. ein Bild) kann auch verbergen, was es bezeichnet. Das illustriert R. Magritte in perfekter Weise in seinen Bildern, in denen z.B. ein Bild, auf dem eine Landschaft gezeigt wird, genau diesen Ausschnitt der Landschaft verdeckt (Titel: „La Condition Humaine“). Aber seine anderen Werke spielen mit ähnlichen Asketen der Relation von Bild und Abgebildetem:

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Frege unterscheidet, wie der Titel  seiner Schrift verspricht, zwischen „Sinn und Bedeutung“, indem er – das ist meine und C. F. v. Weizsäckers Interpretation seines Textes – der Descartes’schen Unterscheidung zwischen res extensa und res cogitans folgt und „Bedeutung“ der res extensa zuschreibt, d.h. sie ist der „gemeinte“ Gegenstand, während „Sinn“ der res cogitans zuzurechnen ist, d.h. dem Bereich der Gedanken. Auf diese Weise lässt sich – aus der Perspektive des Meta-Beobachters  (2. Ordnung) – feststellen, dass  unterschiedlicher Sinn dieselbe Bedeutung haben kann und umgekehrt. Er illustriert das am Beispiel des Morgen- und Abendsterns, die einen unterschiedlichen Sinn darstellen, aber dieselbe Bedeutung haben (der Planet Venus).

So kommt er zu einer Dreiteilung zwischen „Zeichen“ („Name“), „Sinn“ und „Bedeutung“ . Dem Zeichen „entspricht“ ein bestimmter Sinn, der seinerseits einer Bedeutung „entspricht“.

Auch die gebräuchliche Unterscheidung zwischen Intension und Extension eines Begriffs folgt dieser Descartes’schen Unterscheidung: Die Intension, der Begriffsinhalt, verweist auf den Sinn, die Extension, der Begriffsumfang, verweist auf den gemeinten Gegenstand.

 

Literatur:

Frege, G. (1892): Über Sinn und Bedeutung. Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik. Bd. 100, S. 25 – 50.

 




3 Gedanken zu “2.4.2 Das Bezeichnen (=2. Unterscheiden/indication) verweist (=zeigt) auf das Unterscheiden (1. Unterscheiden/distinction) als seinen Sinn (=Bedeutung), d.h. Sinn/Bedeutung des 2. Unterscheidens (=Bezeichnens/Verweisens/Zeigens) ist das 1. Unterscheiden.”

  1. „Ceci n’est pas une pipe“ („dies ist keine Pfeife“) schrieb René Magritte unter das Bild einer Pfeife und demonstrierte, dass auch die realistischste Abbildung eines Objekts nicht mit dem Objekt selbst identisch ist. Mit diesem Bild einer Pfeife, die man nicht rauchen kann, verhält es sich ebenso wie etwa mit dem Wort „Hund“, das auch nicht bellen kann.
    Das scheinbare Paradoxon zwingt den Beobachter zur Reflexion darüber, was man unter der Realität eines Gegenstandes zu verstehen hat und was es mit „Zeichen“ („Name“), „Sinn“ und „Bedeutung“ auf sich hat.

  2. Nun, Descartes‘ Irrtum ist bzw. war längst nicht alles

    „So naiv und utopisch es auch erscheinen mag, vor allem nach der Lektüre der Morgenzeitung oder den Abendnachrichten -es gibt einfach keine Alternative zu dem Glauben, dass wir etwas bewegen können. Und wir haben einige Gründe, die dafür sprechen, dass dieser Glaube berechtigt ist.Beispielsweise werden wir bei der Lösung bestimmter Probleme und Gewalttätigkeit bessere Erfolgsaussichten haben, wenn wir uns dabei auf ein neues Verständnis des menschlichen Geistes stützen können, das aus der Emotions- und Gefühlsforschung erwächst, einschließt. Gleiches wird vermutlich für große Teile der Sozialpolitik gelten. Zweifellos sind soziale Experimente in der Vergangenheit häufig an der Torheit der Pläne oder den Mängeln ihrer Ausführung gescheitert. Es könnte aber auch daran gelegen haben, dass diese Experimente auf falschen Vorstellungen vom menschlichen Geist basiert haben. […] Außerdem lag ihnen eine ignorante Missachtung biologischer Steuerung zugrunde, die sich heute der wissenschaftlichen Forschung erschließen und die Spinoza intuitiv mit seinem Begriff des CONATUS erfasste. […]

    Antonio R. Damasio, Der Spinoza-Effekt, S.332,
    Liste Verlag, 3.Aufl. 2006
    ISBN-13: 978-3-548-60494-7

  3. der Begriff „distinction“
    verleitet mich zur etymologischen Assoziation extinction, Tinktur, ink ..
    besonders extinction, die Auslöschung, im Gegensatz zu „distinction“

    Visuell würde auch Ausblendung stimmen, oder Fokusierung.
    Dies könnte verweisen auf den visuellen Sinneskanal als wesentliche somatische Möglichkeit des Unterscheidens.

    „indication“, das Bezeichnen, setzt das sensorische Unterscheiden voraus und ermöglicht Kommunikation über „distinction“.

    Nicht umsonst heißt der Zeigefinger „Index Finger“.
    Und Kleinkinder mit ca. 1 Jahr, lange bevor sie Worte richtig verwenden können,
    nutzen den Zeigefinger für „indication“.

    Es ist wie Zauberei, von einem Tag auf den anderen strecken die Kleinen Arm und Zeigefinger um auf das zu deuten was sie fokussiert haben – zeigen so ihre „distinction“ und teilen sie sozial mit.

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