2.5.4 Grenzen können aufgrund ihrer die beiden Seiten eines Unterscheidens zugleich trennenden als auch verbindenden Funktion auch als Medium der Kommunikation zwischen den beiden Seiten des Unterscheidens fungieren.

Das erkennt man nur, wenn man von außen auf die durch eine Grenze getrennten Phänomenbereiche schaut. Aus dieser Perspektive wird der ambivalente Charakter von Grenzen deutlich: Was trennt, verbindet. Und die Art der Verbindung/Trennung wird zu einem guten Teil durch ein eigenen Merkmale der Grenze – was besonders im physischen Bereich der Fall ist – bestimmt. Wenn Grenze nur durch abstrakte Relationierung entsteht, spielt das allerdings keine Rolle.




6 Gedanken zu “2.5.4 Grenzen können aufgrund ihrer die beiden Seiten eines Unterscheidens zugleich trennenden als auch verbindenden Funktion auch als Medium der Kommunikation zwischen den beiden Seiten des Unterscheidens fungieren.”

  1. Visuell werden Grenzen durch die besondere neuronale Struktur der Netzhaut verschärft, 3D Kanten deutlicher.

    GSB hat sich ausführlich zu Spaltung / ? geäußert, wo und wie weiß ich im Moment nicht, vielleicht kann jemand von Euch dazu etwas beitragen, der/ die sich erinnert.

    In der Architektur gehört es zum jetzigen Zeitgeist, Kanten/ Grenzen sehr scharf zu gestalten, kleiner Kanten-Radius, was auch der avancierten Materialtechnik zu verdanken ist. In den 70er/ 80er Jahren waren runde „Kanten“ angesagt, in beige/braun, jetzt scharfe Grenzen in weiß/ anthrazit.

    Teilen, Grenzen kreieren, z.B. mit einem Messer, ist ein Thema in der Küche,
    und ich habe gelesen, FAZ, zu scharf dürfe das Messer nicht sein, dann mache das zerschneiden keine Freude, denn dann werde es wie ein Kampf, gefährlich ..

    In der Mode, in der Verarbeitung von Stoff, sind Grenzen Nähte.
    Mal sollen sie unsichtbar sein, z.B. am Saum, mal betont wir bei Yamamoto, mal offen, mal geschlossen…

    Ein wunderbares Thema !

  2. @1: „Grenzen = Nähte“

    Die Grenzen des Zusammennähens unterschiedlicher Teile offenbarte Viktor Frankenstein. Er nähte ganze Leichenteile zusammen – doch mit fragwürdigem Ergebnis. Die Zukunft liegt in der organischen Autopoiese, dem autopoietischen Organismus. Forscher der Universität Tel Aviv haben mittels 3D-Drucker ein menschliches Miniherz hergestellt. Nach dieser medizintechnischen Sensation ist es lediglich eine Frage der Zeit, bis eine 3D-Druckerei einen kompletten Menschen ausgedruckt. Die Zukunft scheint grenzenlos! Es sei denn, der neue Mensch käme in einem Papierstau ums Leben.

  3. ein schönes Beispiel die körperliche Grenze.
    Statt Haut wird ja heute auch von „First line Defense“ gesprochen z. B. von jenen, die sich mit leaky gut beschäftigen und die Beschäftigung mit dem Darm charmant finden.

    Dass Systeme sich durch ihre Grenze definieren (finis = Ende) (Maturana) ist sehr spannend zu beobachten.
    Erstmals habe ich Varela in Heidelberg gehört, als er davon sprach, dass das Immunsystem ein eigenes System des Körpers sei.

    Gerade haben wir das wieder einmal „hautnah“ erlebt:
    eine Mücke eröffnet die Haut und kotzt sich aus während sie das Blut verflüssigt.
    Und, schwuppdiwupp, kommt eine Armada weißer Blutkörperchen mit flüssigen Kampfstoffen und umgrenzt dieses Keim-Injektion.
    Alles rot, dick, aua, aua, und dann später innen verflüssigt.
    Und dann ist da so ein „Ei“ mit einer Hülle, tastbar !
    Und dann platzt das oder der Chirurg 😷 entfernt die Reste vom Schlachtfeld und entlastet die Kampfzone.
    So haben wir das nie gelernt im Studium !

  4. @1: 👌 na klar;
    GSB beschreibt die kategoriale Trennung als „Einheit der Differenz“
    im Hinblick auf das Immunsystem unter
    „blood memory“ vs. „brain memory“ …
    Das entwickelt er in seiner Autobiography, die im übrigen sehr amüsant zu lesen ist.

    Im Kapitel 7 „The philosopher“ kommt er zu folgender Schlußfolgerung:

    „We thus have three normal stages in the baby’s development:
    the „philosopher“, beginning at, or shortly after, birth;
    the „scientist“, beginning at around two;
    and the „consultant“ from about three onwards.“

  5. … das ist so lustig, wie er das entwickelt und zu o.g. Schlußfolgerung kommt
    und gleichermaßen in all seinen Facetten perfekt nachvollziehbar. …

    „My mother had read in her Baby book that a child should be made to rest for an hour after lunch. So I was put in my high-sided cot and left alone for an hour every day.

    I hated this. I was an extremely active baby, even for a one-year old and would try to find things to do while away this interminable hour. Time begins slowly for a baby, and goes faster as we grow older. At first I would lever myself up by the bars oft he cot and sing loudly and tunelessly. When tired of this, I would make peculiar noises and listen to myself doing so, practising how make each noise exactly as I wanted it. And when tired of this, I would lie down and think up some problems.

    The problem that interested me most, was the problem of memory. How we KNOW, that what we remember really happend? We might have been created in the last moment, with all our memories intact, so that we only THOUGT we had a past, but in reality there was nothing there at all.

    People think it incredible that all this can be considered without the use of words, but of course it can. By way of experiment, I would make a loud noise and observe if I could «catch» how I remembered it, and exactly why I thought it had been «in the past ».

    As a result of this experiment I was able to distinguish two kinds of aural memory,
    what I now call ‘ringing memory’, where the sound one has made is still ‘ringing in one’s ears’. This would eventually degenerate into what I call a ‚faded‘ memory, in which one no longer hears what seem like echos of the original noise, but still has a ‘rational conviction’ that it really did happen. I decided that the ‘ringing’ memory was practically certain, and the ‘rational conviction’ less so. But I was still no nearer to solving the original problem of whether either of them were evidence of anything that really happend.

    Twenty-years later, when I went up tp Cambridge and read Moral Sciences (now called ‘philosophy’), I discovered I had already done all the speculative work for the tripos while still in my cot, and could pass with second class honours doing any extra work at all, spending my time doing more interesting things like flying and playing chess.“

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