2.6.5 Entwerten (=cancellation, Annullieren, Löschen): Der Prozess, durch den Beobachtungen ungeschehen gemacht werden können, indem Unterscheiden und Bezeichnen rückgängig gemacht bzw. widerrufen werden, soll als entwerten bezeichnet werden.

Im Umkehrschluss heißt das, was nicht erinnert werden soll, darf nicht in Erinnerung gerufen werden. Wenn man sich also z.B. in Gesellschaft anderer „schlecht benommen“ oder einen „Fehler“ (wie immer der definiert sein mag) begangen hat, dann dürfte es von Vorteil sein, sich nicht später dafür zu entschuldigen, denn dann werden alle an den Vorfall erinnert, den sie möglicherweise schon vergessen hatten. Das Verhalten sollte allerdings auch nicht wiederholt werden, weil die meisten sich dann an das erste Mal erinnern dürften.

Vergessen kann auch aktiv herbei geführt werden: Früher gab es sogenannte Wunderblöcke (Sigmund Freud hat gern mit ihnen gespielt), auf die man etwas schreiben konnte, das sich dann durch eine (mir bis heute in ihrer Funktionsweise nicht durchschaubare) mechanische Prozedur wieder löschen ließ. Mit diesem Vorgang ist das aktive Entwerten einer Beobachtung zu vergleichen. Etwas zeitgemäßer: Man bedient die Tasten einer Computertastatur, der Bildschirm beobachtet dies und zeigt seine Beobachtung als Abfolge von Buchstaben, die aber durch das Drücken der Löschtaste wieder beseitigt werden. Damit ist der Vorgang dieser Beobachtung entwertet und nicht mehr für künftiges Erinnern verfügbar.

 




3 Gedanken zu “2.6.5 Entwerten (=cancellation, Annullieren, Löschen): Der Prozess, durch den Beobachtungen ungeschehen gemacht werden können, indem Unterscheiden und Bezeichnen rückgängig gemacht bzw. widerrufen werden, soll als entwerten bezeichnet werden.”

  1. „Willst du wissen, ob du vergessen bist, bringst du dich in Erinnerung. Du kannst nur hoffen. Und vergessen.“ (Aus: Victor Klein, Erste Hochrechnungen, in: van Gogh´s Ohr 1991)

  2. @3: Da sieht man mal wie belastend, wie nachkartend und unpraktisch die Moral sein kann, wenn einer nur kurzerhand etwa macht, was sowohl hilfreich und sinnvoll ist. Und darüberhinaus auch zweckorientiert dem aktuellen Kontext angepasst ist.
    🙂

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