20.4 Überlebenseinheit ist immer die Form des jeweiligen Organismus.

Das gilt für alle lebenden oder Leben voraussetzende Systeme, sei es ein Organismus, ein psychisches System oder ein soziales System. Jede vom Kontext abstrahierende Sichtweise, jeder Reduktionismus, der nicht die ökologische Nische als integralen Bestandteil der Überlebensbedingungen solch eines Systems in seine Analysen und Reflexionen einbezieht, verhält sich wie der, der sagt, die Alpen seien nichts Besonderes, wenn man sich die Berge wegdenkt. Für den Praktiker, der – aus welchen Gründen auch immer – daran interessiert ist, ein solches System zu beeinflussen, heißt das, dass er immer auch versuchen kann, eine relevante (=für das Überleben relevante) Umwelt des Systems zu beeinflussen. Er kann, mit anderen Worten, auf beiden Seiten der Form (=System-Umwelt-Einheit) des Systems intervenieren.

 

Literatur:

„„Die Überlebenseinheit – sei es in der Ethik oder in der Evolution – ist nicht der Organismus oder die Gattung, sondern das umfassendste System oder die größte ‚Macht‘, innerhalb deren das Geschöpf lebt. Zerstört das Lebewesen seine Umgebung, so zerstört es sich selbst.“

Bateson, G. (1971): Die Kybernetik des »Selbst«. Eine Theorie des Alkoholismus. In: Ders. (1972): Ökologie des Geistes. Frankfurt (Suhrkamp) 1981, S. 429.




25 Gedanken zu “20.4 Überlebenseinheit ist immer die Form des jeweiligen Organismus.”

  1. „Überlebenseinheit ist immer die Form des jeweiligen Organismus [des psychischen oder sozialen Systems].“
    „„Die Überlebenseinheit […] ist nicht der Organismus oder die Gattung, sondern das umfassendste System“

    Unter „Organismus“ scheint hier zuerst zweierlei gemeint zu sein. Doch am Ende laufen beide Beschreibungen auf das Gleiche hinaus. Dennoch ist nicht klar, was „Organismus“ genau meint.

  2. „die Bedingung der Möglichkeit“

    es hat gedauert bis ich diesen Satz verstanden habe ..

  3. … „innerhalb derer“;
    aber kein Problem; is auch keiner Grokodils-
    Traenen wert 🐊
    besser einmal abgetippt, als bloß einmal gescannt 🎭

    dann merkt man auch eher wann die Zipperlein
    die Fingerspitzen erreicht haben;
    die in der Regel ja schon bis ins hohe Alter treu und brav ihre Dienste verrichten.
    Von der unterschiedlichsten rheumatischen Formen-
    bildern einmal abgesehen .. 🦆

  4. Der Praktiker „kann […] auf beiden Seiten der Form […] des Systems intervenieren.“
    Beispiel: Putin kann das politische System Deutschlands direkt kritisieren (dessen Sanktionen gegen Russland). Er kann aber auch die AfD finanzieren und das politische System Deutschland von innen sprengen.

  5. mmh,
    die notwendige Interaktion mit dem was wir Umwelt nennen, indem wir „willkürlich“ unsere Haut als Grenze definieren,
    und uns souverän erleben, als unabhängig von dem was wir Umwelt nennen ..
    nicht wissend, dass wir tierisch-menschlich passgenau zu dieser Umwelt evolviert sind.

    Erstaunlich für mich, obwohl total verständlich im Licht der Evolution, die Paradoxie der essentiellen Nahrungssubstanzen.
    Essentiell ist das was in der Umwelt in den Jahr Millionen der Evolution reichlich vorhanden war. Das musste unser Körper nicht selbst herstellen, bzw. die Fähigkeit, genetisch, diese Substanz selbst zu synthetisieren ging verloren z. B. Vitamin C.
    Und heute ist unsere selbstgeschaffene Umwelt anders, diese Substanzen fehlen uns, z.B. auch tierisches Omega 3 und manche von uns entwickeln dann das was wir Krankheiten nennen, z.B. Rheuma oder Osteoporose, die Sonne und das Protein waren zu knapp.
    Ich spreche hier aus leidvoller Erfahrung ..
    aber wir sind ja manchmal lernfähig,
    hoffentlich.

    Literatur: Daniel E. Lieberman
    Unser Körper
    u.a.

  6. @1
    „Überlebenseinheit ist immer die Form des jeweiligen Organismus [des psychischen oder sozialen Systems].“

    So wie ich es verstehe wird hier hingewiesen auf die „Form des Organismus“,
    im Unterschied zum Organismus, der auf der einen Seite der Form existiert und dessen Form definiert ist durch die andere zu ihm komplementäre Seite der Form,
    die Form als das ökologische Ganze, als das System.

  7. @6: Form ist die Einheit aus System und jeweiliger Umwelt. Da in Bezug auf den menschlichen Organismus als System unterschiedliche Umwelten betrachtet werden können (z.B. die Psyche des Betreffenden oder unterschiedliche soziale Systeme), können/müssen auch jeweils unterschiedliche Formen betrachtet werden.

  8. Sapolsky hat viele Sommer lang die Form des Sozialen einer Affenpopulation in Afrika beobachtet und die körperliche Koppelung – Hormonwerte – untersucht, die rekursive Verknüpfung von sozialer Form und körperlichen Funktionen …

  9. Kein Wunder, Affen sind eben auch Leute – zumindest beinah.

    Wilhelm Busch, „Die Affen“

    Der Bauer sprach zu seinem Jungen:
    »Heut in der Stadt, da wirst du gaffen.
    Wir fahren hin und sehn die Affen.
    Es ist gelungen
    Und um sich schiefzulachen,
    Was die für Streiche machen
    Und für Gesichter,
    Wie rechte Bösewichter.
    Sie krauen sich,
    Sie zausen sich,
    Sie hauen sich,
    Sie lausen sich,
    Beschnuppern dies, beknuppern das,
    Und keiner gönnt dem andern was,
    Und essen tun sie mit der Hand,
    Und alles tun sie mit Verstand,
    Und jeder stiehlt als wie ein Rabe.
    Pass auf, das siehst du heute.«

    »Oh, Vater«, rief der Knabe,
    »Sind Affen denn auch Leute?«

    Der Vater sprach: »Nun ja,
    Nicht ganz, doch so beinah.«

  10. @9 „die rekursive Verknüpfung von sozialer Form und körperlichen Funktionen“

    Dazu Franz Kafkas Bericht für eine Akademie: „An der Ferse aber kitzelt es jeden, der hier auf Erden geht: den kleinen Schimpansen wie den großen Achilles. […]
    Ich war festgerannt. Hätte man mich angenagelt, meine Freizügigkeit wäre dadurch nicht kleiner geworden. Warum das? Kratz dir das Fleisch zwischen den Fußzehen auf, du wirst den Grund nicht finden. Drück dich hinten gegen die Gitterstange, bis sie dich fast zweiteilt, du wirst den Grund nicht finden. Ich hatte keinen Ausweg, mußte mir ihn aber verschaffen, denn ohne ihn konnte ich nicht leben. Immer an dieser Kistenwand — ich wäre unweigerlich verreckt. Aber Affen gehören bei Hagenbeck an die Kistenwand — nun, so hörte ich auf, Affe zu sein. Ein klarer, schöner Gedankengang, den ich irgendwie mit dem Bauch ausgeheckt haben muss, denn Affen denken mit dem Bauch.“

  11. @7
    wenn wir die Haut als Markierung der Form im Bereich Körper/Umwelt betrachten,
    wo ist dann die Markierung im Phänomenbereich Soziales ?
    Wo ist innen und wo außen bzw. welchen sind die beiden komplementären Seiten?
    Und wo ist innen und außen im Phänomenbereich Psyche ?

  12. @13: Die von ihrem Besitzer oder anderen beobachtete Haut ist immer Element des sozialen Systems, das ihr eine Bedeutung verleiht und (z.B.) definiert, dass sie zum Körper gehört… (dass ihr eine geradezu bombastische Bedeutung zugeschrieben werden kann, zeigen viele Arten des Rassismus, die sich an der leicht unterscheidbaren Hautfarbe eines Menschen orientieren).

  13. Welche Haut?
    Die äußere Haut oder die Schleimhäute im Körperinneren, oder Beide?
    Sie die Phänomenbereiche überhaupt zu trennen in ihrem Zusammenspiel?
    Genau genommen stößt davon doch jede einzelne Zelle rundum an ihre jeweiligen System/Umwelt-Grenzen…,
    Und dieses Zusammenspiel verläuft evolutionär seit Urzeiten in sich immer wieder reproduzierenden und selbstähnlich verbleibenden Mustern,
    wie hier von Erich Kästner beschrieben:

    Die Entwicklung der Menschheit

    Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,
    behaart und mit böser Visage.
    Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt
    Und die Welt asphaltiert und aufgestockt,
    bis zur dreißigsten Etage.

    Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn,
    in zentralgeheizten Räumen.
    Da sitzen sie nun am Telefon.
    Und es herrscht noch genau derselbe Ton
    Wie seinerzeit auf den Bäumen.

    Sie hören weit. Sie sehen fern.
    Sie sind mit dem Weltall in Fühlung.
    Sie putzen die Zähne. Sie atmen modern.
    Die Erde ist ein gebildeter Stern
    Mit sehr viel Wasserspülung.

    Sie schießen die Briefschaften durch ein Rohr
    Sie jagen und züchten Mikroben.
    Sie versehn die Natur mit allem Komfort.
    Sie fliegen steil in den Himmel empor
    Und bleiben zwei Wochen oben.

    Was ihre Verdauung übrigläßt,
    das verarbeiten sie zu Watte.
    Sie spalten Atome. Sie heilen Inzest.
    Und sie stellen durch Stiluntersuchungen fest,
    daß Cäsar Plattfüße hatte.

    So haben sie mit dem Kopf und dem Mund
    Den Fortschritt der Menschheit geschaffen.
    Doch davon mal abgesehen
    sind sie im Grund
    Noch immer die alten Affen.“

  14. ja, das finde/ fand ich auch irritierend, dass die innere Körperoberfläche nicht innen ist sondern außen, Oberfläche halt.
    Heinz von Förster zeigt in seinem Buch zu Erkenntnis ein Gebilde, das in sich selbst gestülpt ist, d.h. das Innere ist nur ganz innen, ohne Tür und Tor.
    Es ist kein Hineinkommen außer durch die Haut der äußeren Oberfläche oder der inneren Oberfläche.

    Und diese äußere Haut ist angepasst an das helle Sonnenlicht, an Wind und Wetter, Kälte und Hitze, benötigt dieses Informationen, und die innere Haut ist angepasst an Dunkelheit, an Nahrung, Flüssigkeit, Luft, ist feucht und schleimig, so daß alles gut rutscht oder wieder rausrutscht beim versehentlichen Einatmen/ Schlucken von Substanzen…

    Mund, Speiseröhre, Luftröhre, Magen sind schon lange diskutable Themen,
    nur der Darm und weitere untere Öffnungen kamen in unserer sozialen Kultur nicht wirklich als Gesprächsthema vor.
    Das hat sich geändert …
    Und dennoch wird diese „innere“ Oberfläche weiterhin innen verortet, obgleich diese Oberfläche außen ist …, gestülpt halt ..
    ausgesetzt und angepasst an das was außen ist ..

  15. ach ja,
    sehr sympathisch finde ich die Idee💡 ,
    daß die Gebärmutter ein nach innen gestülptes Nest für das Baby ist ,
    mit Rutsche ..

  16. @17
    Wenn, wie 2012 in Norwegen geschehen, eine Frau ihrer Tochter die Gebärmutter spendet – erkennt der Uterus dann, dass der Körper, in dem er steckt, vor vielen Jahren in ihm gesteckt hat? Und wenn die Tochter schwanger wird – gebiert sie dann ihre eigene Halbschwester? Und kann diese auch noch mal die Gebärmutter der Großmutter verwenden?

  17. Jesses, wo sind wir denn da gelandet?

    bei all denen „von“ ’s, die noch ein Wappen brauchen,
    um ihrer Gemeinde zu nächsten Kirchweih auch einen Tusch
    blasen zu können?

    am besten aus der Zeit als die Mainzer PLZ noch auf 6500 lautete
    und in der Saarstraße 21 zu finden war?

    im übrigen @16
    „Heinz von Förster zeigt in seinem Buch zu Erkenntnis …“

    diese Heinz schrieb sich „von Foerster“
    hatte aber mit der Forstwirtschaft vergleichsweise wenig zu tun,

    Nur für den Fall, daß irgendeine Tussi (mitsamt ihrem Ex-Gänserich]
    auf die Idee käme, den Spieß mit dem Karl- nicht zu kennen, um
    irgendein Cover einer uralte Platte aus dem Hut zu zaubern
    und an das hier zu denken:

    https://www.youtube.com/watch?v=bADHWv-EDF8

  18. @ 20:
    Sorry, wg. der Druckfehler …

    aber vielleicht verkehrt hier noch irgendwer,
    der/die den Spieß noch kennt,
    der 1984 im Fachbereich Geschichtswissenschaft im
    Historischen Seminar, Abt. III
    Vergleichende Landesgeschichte gelehrt hat.

    und vll. auch diesen Titel noch kennt:
    https://www.youtube.com/watch?v=MrjKaShWtrM

    Die Unterschrift erscheint etwas links geneigt,
    was aber dem Bindestrich näher an Karl-
    vergleichsweise wenig anzuhaben vermag.

    Der beiliegende Artikel erscheint mir allerdings sehr aufschlußreich:
    „Beiträge zur Wappenkunde des niederen Adels
    aus den heutigen Rheinhessen“

    🙂

  19. @19
    Ach könnte ich ein Vogel sein
    Denn oben ist das Unten klein
    Statt Schatten gibt es Sonnenschein
    Und warm im Nest viel Eierlein

  20. jemand von Euch hatte einen YouTube Link mit einer Chopin Interpretation eingestellt.
    Finde ich nicht mehr.
    Hätte ich gerne nochmals ..🙏🏻

  21. @24: Hier gibt es eine gut funktionierende Suchfunktion (oben rechts unter der Lupe).

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