20.6.2 Menschliche Körper (=Organismen) beobachten sich selbst in Beziehung zu ihrer psychischen Umwelt, d.h. sie reagieren strukturdeterminiert auf unterschiedliche Zustände und Prozesse des Bewusstseins mit charakteristischen internen biochemischen/physiologischen Mustern und langfristig auch anatomischen Veränderungen.

Körperliche (senso-motorische und physiologische) Muster koppeln sich mit Reaktionsmustern des Bewußtseins. Es gibt Menschen, die sind allergisch gegen Rosen, und sie zeigen die typischen allergischen Reaktionen des Organismus auf den Kontakt mit Allergenen, schon wenn sie das Bild einer Rose sehen – also, ohne dass des Allergen in der Nähe ist. In solchen Fällen erscheint die Kopplung zweier Funktionsmuster in unterschiedlichen Phänomenbereichen als  Resultat eines Lernenprozesses.

Wenn derartige Kopplungs-Muster sich „einschleifen“ – beispielsweise als individuelle Reaktion auf „stressende“ Erfahrungen oder sich täglich wiederholenden „Ärger“ am Arbeitsplatz, so reagiert der Körper zunächst mit Funktionsmustern, die der akuten Situation als „Gefahr“ oder „Bedrohung“ gerecht zu werden versuchen, und in der Folge mit Reaktionen auf diese nunmehr regelmäßig wiederholten, chronifizierten Reaktionen: Reaktions-Reaktionen – eine Form der „Selbstbeschreibung“ des Organismus. So entwickeln sich bei einem chronischen Bluthochdruck organische Folgeschäden.

 

Literatur:

„Es gibt selbstreferentielle Systeme. Das heißt zunächst nur in einem ganz allgemeinen Sinne: Es gibt Systeme mit der Fähigkeit, Beziehungen zu sich selbst herzustellen und diese Beziehungen zu differenzieren gegen Beziehungen zu ihrer Umwelt.

[Fußnote: Wir formulieren an dieser Stelle »differenzieren gegen« und nicht »unterscheiden von« um die Implikation von Bewußtsein zu vermeiden. DAs gitl vor allem für biologische und neurophysiologische Forschungen büer selbstreferentielle (…).]“

Luhmann, Niklas (1984): Soziale Systeme. Frankfurt (Suhrkamp), S. 31f.




Ein Gedanke zu „20.6.2 Menschliche Körper (=Organismen) beobachten sich selbst in Beziehung zu ihrer psychischen Umwelt, d.h. sie reagieren strukturdeterminiert auf unterschiedliche Zustände und Prozesse des Bewusstseins mit charakteristischen internen biochemischen/physiologischen Mustern und langfristig auch anatomischen Veränderungen.“

  1. Vielleicht entwickelt sich auch bei ständigem Bluthochdruckmessen chronischer Bluthochdruck. Oder beim Anblick der jungen Krankenschwester.

Schreibe einen Kommentar