21. Soziale Systeme (=Gesellschaftliche Systeme)

Gesellschaft – dieser Begriff steht in der Luhmannschen Systemtheorie (mit der man nicht enverstanden sein muss, siehe nachfolgende Sätze) für die Gesamtheit aller Kommunikationen, die – wo auch immer – stattfinden. Mit anderen Worten: Außerhalb der Gesellschaft gibt es keine Kommunikation. „Gesellschaft“ ist im Gegensatz zur umgangssprachlichen Verwendung, also in L uhmanns Sprachgebrauch, nicht die Bezeichnung für eine spezifische Gesellschaft oder Gesellschaftsform im Unterschied zu anderen Gesellschaften oder Gesellschaftsformen (wie etwa die „deutsche Gesellschaft“ im Gegensatz zur „chinesischen Gesellschaft“ oder die „feine Gesellschaft“ oder eine „primitive Gesellschaft“ usw.). Und man kann auch nicht an ihrem Rande oder an ihrer Spitze stehen, sondern jede Kommunikation ist Element von Gesellschaft. Sie ist als Weltgesellschaft zu verstehen, die alle existierenden und möglichen Kommunikationsprozesse
umfasst.

Aber die Luhmannsche Definition von „sozialen Systemen“ ist nicht die einzig mögliche, ja, sie ist nicht mal diejenige, die am meisten Verwendung findet – weder in der Soziologie noch im Rahmen der Alltagstheorien der meisten Menschen. Üblicherweise wird unter einem sozialen System eine Gemeinschaft von Individuen, seien es nun Menschen, Gorillas oder Ameisen, verstanden.

 

Literatur:

„Die Gesellschaftstheorie ist nach dem hier auszuarbeitenden Verständnis die Theorie des umfassenden sozialen Systems, das alle anderen sozialen Systeme in sich einschließt.“

Luhmann; Niklas (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt (Suhrkamp) S. 78.