21.4 fbs

Dass es leichter nachzuvollziehen ist, wenn soziale Systeme als Kopplung (d.h. Bindung) von Individuen aneinander definiert werden, ist nicht weiter verwunderlich. Schließlich entspricht dies dem konkreten Erleben der meisten Menschen, die in einer Familie (oder auch einem Heim – das macht in der Hinsicht keinen großen Unterschied) aufgewachsen sind oder in einer Organisation arbeiten, wo sie sich Tag für Tag mit anderen Menschen auseinander setzen müssen. Dennoch hat es große Vorteile, Kommunikationen als basale Elemente von sozialen Systemen zu betrachten, auch wenn dieser Ansatz abstrakter ist und die Vorstellungsfähigkeit vieler Leute überfordert. Der erste Vorteil besteht darin, dass sich die Spielregeln (=repetitive Kommunikationsmuster) solcher Systeme auf ihre Ähnlichkeiten und Unterschiede hin untersuchen lassen. Dies kann dann im Bereich der Wissenschaften die Grundlage für Ethnologie, Soziologie, Wirtschaftswissenschaften usw. bilden. Man kann nicht nur die Kommunikationsmuster von Indios in den Wäldern des Amazonas mit denen der Kleinbauern in Niederösterreich vergleichen, sondern auch die Spielregeln des Katholizismus und der schiitischen Form des Islam – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Aber auch für das Individuum bietet dieser Ansatz viele Vorzüge: Man kann aus den Spielregeln der einen Organisation, in der man eine Zeit arbeitet, Rückschlüsse auf Organisationen im Allgemeinen ziehen und sie am nächsten Arbeitsplatz nutzen. Generell gilt ja, dass es für faule und ökonomisch denkende Menschen nichts Besseres gibt, als zu abstrahieren und aus konkreten Erfahrungen allgemeine Prinzipien abzuleiten.

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