21.4.2 Variante 2: Bei der Kopplung von Kommunikationen sind Kommunikationen die Elemente des sozialen Systems (Kommunikationen) und die Muster ihrer Kopplungen (=Kommunikationsmuster) konstant, während die Mitglieder/Teilnehmer an der Kommunikation variabel sind und wechseln können (=austauschbar sind).

In dieser Konzeptualisierung sozialer Systeme sind Kommunikationen die Elemente des Systems (auch wenn sie psychischer Systeme als relevanter Umwelten bedürfen). Das heißt aber, dass Kommunikation nicht als Handlung zu betrachten ist, die einem Akteur oder dessen Bewußtsein zugeschrieben werden kann.  Und die Fortsetzung der Kommunikation ist es, was das soziale System erhält (=Anschlußkommunikation). In der Theoriearchitektur Luhmanns kann daher nur Kommunikation kommunizieren, und nicht die Teilnehmer an der  Kommunikation. Mit anderen Worten: Kommunikation erzeugt Kommunikation (d.h. sie sorgt dafür, dass der Prozess weiter geht…).

 

Literatur:

(zu Kommunikation:) „Sie ist eine genuin soziale (und die einzige genuin soziale) Operation. Sie ist genuin sozial insofern, als sie zwar eine Mehrheit von mitwirkenden Bewusstseinssystemen voraussetzt, aber (eben deshalb) als Einheit keinem Einzelbewusstsein zugerechnet werden kann“

Luhmann; Niklas (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt (Suhrkamp) S. 81.

„Nur Kommunikation kann kommunizieren.“

Luhmann; Niklas (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt (Suhrkamp), S. 19.




14 Gedanken zu “21.4.2 Variante 2: Bei der Kopplung von Kommunikationen sind Kommunikationen die Elemente des sozialen Systems (Kommunikationen) und die Muster ihrer Kopplungen (=Kommunikationsmuster) konstant, während die Mitglieder/Teilnehmer an der Kommunikation variabel sind und wechseln können (=austauschbar sind).”

  1. vertippt?
    ein zuviel an [Kommunikation]

    “ Bei der Kopplung von Kommunikationen sind [KOMMUNIKATION] die Elemente des sozialen Systems (Kommunikationen) und die Muster ihrer Kopplungen (=Kommunikationsmuster) konstant …“

    aber wurscht, die Meisten, denen ohnehin klar ist, daß man nicht NICHT kommunizieren kann und auch diejenigen, die unentwegt und krmpfhaft versuchen des Pudels Kern, sprich -auf Neuhochdeutsch den Wa(h)ren content zu finden- werden diesen Dreckfehler ohnehin überlesen.

    😉

  2. @1: Außerdem fehlt ein „=“ vor dem Wort „Kommunikationen“ in Klammern.

    Durch diese Definition wird mir klar, was in der Systemtheorie „Kommunikation“ bedeutet. Oder vielleicht auch wieder nicht.

    Das was meint: „Kopplung von Kommunikationen“? „Bei der Kopplung von Kommunikationen sind Kommunikationen und Kommunikationsmuster konstant, während die Teilnehmer an der Kommunikation variabel sind“.

    Klingt tautologisch. Oder sollte der Satz lauten: „Bei der Kopplung von Systemen sind deren Kommunikationen und Kommunikationsmuster konstant, während die Teilnehmer an der Kommunikation variabel sind“.

  3. @2: Es geht darum, dass Kommunikationen an Kommunikationen anschließen, so dass jede einzelne Kommunikation als Element des (Kommunikations-)Systems fungiert. Wenn die Spielregeln der Kommunikation ganz eng geführt werden (wie etwa in einem Ritual), dann ist es egal, wer die Worte spricht, die z.B. in der katholischen Liturgie zu sagen sind. Priester wie Gemeindemitglieder sind austauschbar.

  4. Also Text (Bibel)! Es ist ja wohl nicht egal, wer sich die Predigt ausdenkt.
    Die Theorie scheint mir stimmig, solange nicht von der Selbstorganisation von Text geschrieben wird.

  5. Andererseits ist Kommunikation ein Erklärungsprinzip. Organisiert sich aber auch nicht selbst. Vermutlich denke ich alles ausnahmslos beobachterabhängig; darum kann ich nichts ohne Physis und psychischen Prozessen denken. Ich denke immer in dieser Kopplung. Kann man in bestimmten Kontexten trennen (Organismus und psychische Prozesse). Kann nützlich sein. Kann man als Organismus (undifferenziert) denken. Je nach Kontext. Beides möglich.

  6. Kommunikationen schließen an Kommunikationen an, sodass jede einzelne Kommunikation als Element des (Kommunikations-)Systems fungiert.
    Das nennt Luhmann „selbstreferentiell „. Er schreibt in seinem Buch „Soziale Systeme“: „Es gibt selbstreferentielle Systeme. Das heißt zunächst nur in einem ganz allgemeinen Sinne: Es gibt Systeme mit der Fähigkeit, Beziehungen zu sich selbst herzustellen und diese Beziehungen zu differenzieren gegen Beziehungen zu ihrer Umwelt.“ (Niklas Luhmann, Soziale Systeme, 1993, S. 31)
    Für die Selbstreferenz gilt die Überwindung des Subjektbegriffs als letztbegründendes Element: „Inzwischen hat sich die Szenerie jedoch abermals verändert mit der Folge, daß das Subjekt nicht mehr allein steht mit dem Anspruch, Selbstreferenz zu repräsentieren. Selbstreferenz ist nicht länger ein Privileg des erkennenden Subjekts (oder: der erkennenden Subjekte). (…) Jedenfalls verfügen alle Handlungssysteme psychischer und sozialer Integration über Selbstreferenz, und zwar in einem so fundamentalen Sinne, daß ihre einzelnen Elemente (Handlungen) überhaupt nur im Selbstkontakt, das heißt in selektiver Bezugnahme auf andere Handlungen desselben Systems, konstituiert werden können.“ Ebd., S. 140. Jede Handlung knüpft also an andere Handlungen an. Wie diese Anknüpfung aussieht, hängt von der Anschlußfähigkeit der Handlung ab. Man kann sagen, dass die Erfahrung der Unreduzierbarkeit des Sozialen die Erfahrung der Selbstreferenz des Sozialen ist.
    Psychische Systeme vollziehen ebenfalls Selbstreferenz. Sie wird bei ihnen in Form von Bewußtsein prozessiert (ebd., S. 594). In bezug auf soziale Systeme muss der Begriff Referenz etwas vertieft werden: Referenz soll ähnlich gebraucht werden wie der Begriff Beobachtung. Es geht hierbei um eine Operation, die aus „Unterscheidung und Bezeichnung“ (1993, S. 596) besteht: „Die Begriffe Referenz und Beobachtung, also auch Selbstreferenz und Selbstbeobachtung, werden eingeführt mit Bezug auf das operative Handhaben einer Unterscheidung. Sie implizieren die Setzung dieser Unterscheidung als Differenz. In den Operationen des Systems kann diese Setzung als Voraussetzung gehandhabt werden. Mehr als ein Operieren mit dieser Voraussetzung ist normalerweise nicht erforderlich. Man will Tee zubereiten. Das Wasser kocht noch nicht. Man muß also warten. Die Differenzen Tee/andere Getränke, Kochen/Nichtkochen, Wartenmüssen/Trinkenkönnen strukturieren die Situation, ohne daß es nötig oder auch nur hilfreich wäre, die Einheit der jeweils benutzten Differenz zu thematisieren.“ (ebd., S. 597). Reflexion stellt die Unterscheidung von System und Umwelt dar. Man kann also von Selbstreferenz sprechen. Das Selbst stellt das System dar, auf das sich die selbstreferentielle Operation bezieht. Das System sieht sich selbst in Differenz zu seiner Umwelt. „Das geschieht zum Beispiel in allen Formen von Selbstdarstellung, denen die Annahme zu Grunde liegt, daß die Umwelt das System nicht ohne weiteres so akzeptiert, wie es sich selbst verstanden wissen möchte.“ (ebd., S. 602)
    http://www.systemische-beratung.de/selbstreferentiell.htm#Selbstreferentialit%C3%A4t

  7. Ich kenne den Text. Ist aber mE nicht konsequent beobachterabhängig gedacht und folgt auch nicht konsequent einer Kybernetik zweiter Ordnung. Aber sei es drum. Es muss … damit es nicht langweilig wird … auch Entwicklungen geben. Mögen andere das Ende von Entwürfen predigen (weil ihnen nichts einfällt).

  8. @5: Wenn ich von Kopplungen und – nicht davon zu trennen – der Ko-Evolution der 3 beobachteten (und beobachtenden) Typen von Systemen spreche, so heisst das, das keines isoliert zu betrachten ist…

  9. Ja. Sehe ich auch so! Dennoch ist es wichtig, kein Einerlei (alles tut mit allem) daraus zu machen und nicht in der Theorie stecken zu bleiben. Ich bin kein Soziologe (Du schon). Ich schreibe als Psychologin meine Arbeiten und wende die Kybernetik zweiter Ordnung dort an. Denke aber, man kann auch Luhmann weiterentwickeln. Darüber hinausgehen … seine Unschärfen schärfen!!

  10. @9: Selbstverständlich, Andrea, dazu ermutigt Luhmann sogar …
    und das liest sich bereits 1984 in „Soziale Systeme“ -auch bereits unter vorheriger Bezugnahme auf das Re-entry-Konzept von GSB- zum Schluß in einer wunderbar auch poetisch bildreichen Sprache so:

    „Die Abschlußbemerkungen hier sollen nur die Anschlußstelle für solche Forschungen markieren, und sie sollen dem Einwand vorbeugen, man müsse zuerst die logischen und erkenntnistheoretischen Probleme eines Forschungsansatzes klären, Bevor man mit Forschung beginne; man müsse wie beim Auslaufen aus dem Hafen Flagge zeigen, sich also einem der wissenschaftstheoretischen Ansätze zuordnen, damit über die Prämissen des eigenen Vorgehens Klarheit bestehe. Wir sind umgekehrt verfahren und können erst jetzt der Eule Mut zusprechen, nicht länger im Winkel zu schluchzen, sondern ihren Nachtflug zu beginnen. Wir haben Geräte, um ihn zu überwachen, uns wir wissen, daß es um Erkundung der modernen Gesellschaft geht.“

    NL, Soziale Systeme S. 661, stw 666

    … um die Dialektik und um ein bißchen Hegel im Hinterkopf kommt man allerdings dabei nicht so ganz herum …

    😉

  11. Bin mit Wittgenstein ganz zufrieden. (Für mich vollkommen ausreichend – reicht für 100 Leben … )

  12. … geht mir ähnlich. Und wenn man dann noch Wittgensteins Neffe mit dazu nimmt, wie zärtlich sich eine Freundschaft gestalten kann. Auch ohne Suleiken …
    Und nen Boltzmann braucht man dazu im Grunde eigentlich auch nicht.

    Naja, wat solls;
    nomen est omen …
    und die eigenen Kinder ähneln halt vergleichsweise selten anderen Leuten

  13. Komischerweise kommt bei Luhmann lediglich die Medizin der Gesellschaft etwas zu kurz.
    Es mag aber durchaus sein, daß dann eben die Pathologie dazwischen kam und er sich nicht auch noch – mit dem Dolch im Gewande – um die Forensik kümmern wollte. Obwohl es dazu -auf dem Umweg über die Abstraktion- gewiß auch Gründe genug gab,
    für seinen derart exqisiten wie exclusiv trockenen Geist …

    „Seitdem man die Gesetze der Thermodynamik (Boltzmann) aufgestellt hat, ohne sie auf der molekularen Ebene der Materie verifizieren zu können, hat man ein weiteres Problem, nämlich das Problem der Realität der Wahrscheinlichkeit der Ordnungsauflösung. Wahrscheinlichkeit ist ein Begriff, der einen Beobachter voraussetzt. Beobachtet der Beobachter seinen eigenen thermodynamischen Zerfall? Beobachtet er sich als seinen eigenen Gegenstand? Oder ist er, wer immer er ist, durch seine Beobachtungen zum Rückschluß auf die Bedingungen der Möglichkeit eben dieser Beobachtungen -hier also: Negentropie- genötigt? Jede Genetik stellt heute vor dieselbe Frage: Wer oder was diskriminiert eigentlich den Aufbau der Ordnung? Doch nicht die >>Information<>Objekte<>wissenssoziologische<>autologisch<>vitiös>>. Man muß nur die Rückverwandlung von Forschungsresultaten im Auge behalten und sich dafür Zeit nehmen. Und die empirische Theorie muß komplex genug sein (mit Fragen an das Ausreichen einer zweiwertigen Logik), um den autologischen Schluß vollziehen zu können. Verglichen mit den Fortschritten, die hier inzwischen erzielt sind, machen Erkenntnistheorien, die selbstreferenzaversiv gebaut sind oder die hierfür ersonnen Formen weiterverwenden, einen eher zweitrangigen Eindruck. Sie bleiben, wie man an Popper sehen kann, in methodologischen Ratschlägen stecken, die man natürlich immer wieder gern zur Kenntnis nimmt und zur Beachtung empfiehlt.“

    NL, WdG, S.8 f

    Die doppelte Kontingenz tut’s schließlich auch, zumindest bis zum Semicolon;

    😉

  14. sry, dieser Satz ist natürlich Quatsch.
    „Doch nicht die >InformationObjektewissenssoziologischeautologischvitiös>>.“

    So einen Kettensatz produziert mittlerweile die kostenlose „Word online“ – Version, im opensource-Format. umfänglich begleitet und geleitet von Office 365 und bebildernd gepaart mit *.adobereader.com …
    Man darf nur die Kettensäge von der Creative klaut nicht vergessen!

    😉

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