22.6 Die Autopoiese psychischer Systeme wird durch das Netzwerk der Interaktionen der das Bewusstsein bildenden Operationen und Prozesse (Wahrnehmen, Denken, Fühlen, Entscheiden…) aufrechterhalten.

Die Elemente des Bewußtseins (des psychischen Systems) sind die in der Selbstwahrnehmung erlebbaren Ereignisse. Wie man sie nennt, ist eigentlich egal. Luhmann schlägt vor, sie „Gedanken“ zu nennen („ohne dabei zu sehr an Denken zu denken“). Auf jeden Fall ist damit nicht so sehr auf rationales Denken gezielt, sondern all das, was sich so „in Gedanken“ bei einem Menschn abspielt, d.h. Fühlen und Wahrnehmen usw. gehören in den Bereich, dessen Elemente von ihm als Gedanken bezeichnet werden: psychische Ereignisse, aufflammende Operationen des Bewußtseins, die sich reproduzieren, indem Gedanken an Gedanken anschließt.

 

Literatur:

„Die Autopoiese des Bewußtseins ist das Fortspinnen mehr oder minder klarer Gedanken, wobei das Ausmaß an Klarheit und Distinktheit selbstregulativ kontrolliert wird je nachdem, was für einen bestimmten Gedankenzug – vom Dösen und Tagträumen bis zur mathematischen Rechnung – zur Enteilung der Gedanken und zum Übergang erforderlich ist. Es kommt nun darauf an, genauer zu fassen, wie sich Gedankenereignisse erzeugen und reproduzieren. Eine solche Transformation von Elementen in Elemente nennen wir Operation, und der Begriff der Autopoiese besagt dann, daß ein System, in unserem Falle ein Bewußtseinssystem, aus den Operatioen bestehe, die es solsbt produziere.“

Luhmann, Niklas (1987): Die Autopoiesis des Bewußtseins. In: ders. (1995): Soziologische Aufklärung 6. Opladen (Westdeutscher Verlag), S. 61.




21 Gedanken zu „22.6 Die Autopoiese psychischer Systeme wird durch das Netzwerk der Interaktionen der das Bewusstsein bildenden Operationen und Prozesse (Wahrnehmen, Denken, Fühlen, Entscheiden…) aufrechterhalten.“

  1. @“Eine solche Transformation von Elementen in Elemente nennen wir Operation, und der Begriff der Autopoiese besaagt dann, daß ein SYstem, in unserem Falle ein Bewußtseinssystem, aus den Operatioen bestehe, die se soelbt produziere.“

    Luhmann, Niklas (1987): Die Autopoiesis des Bewußtseins. In: ders. (1995): Soziologische Aufklärung 6. Opladen (Westdeutscher Verlag), S. 61.“

    Hier gerät FBS etwas ins Zittern.
    Ein Bewusstseinssystem besteht aus den Operationen, die es selbst produziert.

    Das ist oberflächlich betrachtet richtig. Doch die Operationen sind keineswegs selbst produziert, sondern von außen bestimmt (von der Umwelt).

    Ihr Zitat „Kein Mensch muss müssen“ (Lessing: Nathan der Weise) gilt in unserer fremdbestimmten Welt der digitalen Kommunikation nicht mehr.

  2. @1: An der Außenbestimmtheit hängt offenbar Ihr Herz. Aus Sicht der Theorie autopoietischer Systeme ist das – wie hier schon mehrfach diskutiert – einfach Quatsch. Aber, wenn es Ihnen wichtig ist, dann verwerfen Sie doch einfach alle meine Argumente…

  3. Welche Argumente? Ich verstehe nicht, wie man die Präformiertheit des menschlichen Verhaltens leugnen kann. Wir sind alle fremdbestimmt, selbst die genetische Konstellation ist durch die Gene der Eltern vorbestimmt. Dann kommen die elterliche Erziehung, die Sozialisationsinstanzen, die Kultur, in die man hineingeboren wurde, die sozialen Normen, die physischen und psychischen Zwänge und Notwendigkeiten unseres Lebens und in der Moderne nehmen diese weiterhin zu (selbst die Ernährung ist heute schwierig geworden, vor allem für Veganer und auch für Vegetarier) – kurz: Wir sind nicht frei im Sinne eines tabula rasa.

  4. @3: Bis Montag schreiben Sie 1000 mal: „Ich muss die bislang publizierten Sätze der ‚Formen‘ lesen, bevor ich versuche mitzudiskutieren!“ (und es gibt ausserdem noch einen Eintrag ins Klassenbuch und Nachricht an die Erziehungsberechtigten).

  5. @5: Die Kritik(en) am Maturana und/oder Luhmann habe ich bis zum Abwinken in den letzten 30 Jahren gehört und diskutiert. Ich habe, ehrlich gesagt, überhaupt keine Lust, mit dem Text von Herrn B. meine Lebenszeit zu verschwenden, da ich mir – ich bekenne meine Borniertheit – nicht vorstellen kann, dass er neue Argumente bringt, die ich oder andere nicht schon vor langer Zeit in die Tonne gehauen haben. Und selbst wenn… (ich bin kein Missionar).

  6. @6: Verstehe.
    Ich verstehe auch – selbst wenn Sie es bezweifeln – den Gedanken, die Evolution allen „Lebens“ im weitesten Sinne (Pflanzen, Tiere, Menschen) mit Darwins Augen zu betrachten. Das hat seinen Reiz, aber auch seine Grenzen und seine Gefahren. Meiner Meinung nach legt dieses Konzept den Schwerpunkt auf die Entstehung und Erhaltung der „Systeme“ im weitesten Sinne (Pflanzen, Tiere, Menschen) und vernachlässigt die (zugegeben wenigen) Möglichkeiten zur Verbesserung der bestehenden Systeme.

  7. @7: Nein, das sehe ich ganz anders. Denn für mich als Praktiker der Veränderung (Therapeut, Berater…) ergibt sich so erst ein Ansatz zur Ideen für Veränderung. Man kann irritieren, anregen, stören, aber auch konkret alternative Kommunikationsmuster etablieren. All das ist für das sich entwickelnde System nur Variation, aus der eine Selektion stattfindet, deren Ergebnis allerdings nicht berechenbar ist. Deswegen scheitern ja leider auch Revolutionen.

  8. @ 6 … genau das ist, was ich an Ihnen schätze, Herr Simon,
    sonst wäre ich vermutlich auch nicht immer noch dabei …

    Genauer gesagt, Ihre wiederholten Bekenntnisse zur vorgeblichen eigenen Unlust und Borniertheit, sich mit den ewig sich wiederholenden Ergüssen von Interpretationsexperten auseinanderzusetzen. I
    In Phasen einer mittlerweile völlig überdrehten und exaltierten „publish or perish“ Manier, die einzig deshalb unentwegt -mit name- dropping-modus in Nebensätzen- platziert werden, um anhand der Qualität der ins Auge gefassten und besprochenen Texte -selbstredend auch die eigenen Erfahrungen auf akademischem Parkett- herauszustreichen. „Interpretationsexperten“ halt ..

    Man muß wahrlich kein Experte sein, um zu erahnen, wer auch immer an dieser sog. „wissenschaftlich geprüften“ Siegel, zur eigenen Wertsteigerung kleben bleibt.
    Zumal eines ganz sicher gilt:
    „Was richtig ist, wird diesen Charakter nicht dadurch verlieren, daß Fehler oder Irrtümer oder mißbräuchliche Verwendung auftauchen. Im Gegenteil: die Fehler fallen ja gerade dadurch auf, daß man sie am Abweichen vom richtigen Sinn erkennt …“
    Luhmann, N.
    GdG, S. 888

    … und was die Revolutionen angeht, so gilt eben auch,
    daß sich der „alteuropäischen Begriff der Natur“ im Laufe der Jahrhunderte doch erheblich gewandelt hat , sich dabei jedoch in den gängigen Praktiken -sofern es sich um die Unzahl an Innovationen mit vorgeblich revolutionären technologischen Neuerungen- drehen sollten, verdammt wenig geändert hat.
    Dies betrifft vorrangig den gelassenen Umgang rund um die eigenen, zur Schau getragenen Eitelkeiten …
    Es macht einfach mehr Sinn, diese akademisch konstruierten Schlachtfelder beizeiten zu verlassen, als sich -auch in praktische Konsequenzen mündend- dauerhaft bis lebenslang mit einem radikalem Umsturz von Ideen zu befassen …
    Sich frühzeitig dem gepflegten Umgang des eigenen Bedarfs- und Konfliktmanagements zu widmen, führt auch eher zu einer anschlußfähigen, pragmatisch leicht zu handhabenden Lebensführung als alle auf binären Kampfmodus geeichten akademischen Weihen mit professoralen Gequatsche …

    Zumal alles Gescheite zuvor gewiß schon einmal gedacht , nur vermutlich nicht ganz so pointiert zur Sprache gebracht worden ist
    wie z.B. hier:

    „Die Superklugheit ist eine der verächtlichsten Arten von Unklugheit“
    weshalb es sich auch empfiehlt – ohne dabei groß Zeit zu verlieren-
    diesem Modus nicht zu folgen:
    “ Nach einem dreißigjährigen Krieg mit sich selbst kam es endlich zu einem Vergleich, aber die Zeit war verloren.“
    aus den Sudelbüchern von G.C. Lichtenberg

  9. @9: Beide gescheitert (was nicht heisst, sie hätten keine Wirkung gehabt – nur eben eine bzw. viele, die nicht intendiert waren).

  10. @11: Als Psychiater kennen Sie die Wirkungen traumatischer Schockerlebnisse und wiederholter LSD-Rauschzustände (auch Marihuana reicht in einigen Fällen). Beides kann zu dauerhaften Veränderungen der Persönlichkeit führen (umweltinduziert).

  11. @12: Sie bringen mich wirklich zur Verzweiflung: umweltinduziert ja (=Irritation/Perturbation), aber nicht umweltdefiniert (=die Struktur des jeweiligen Organismus bestimmt, wie er auf LSD reagiert, und die Struktur der jeweiligen Psyche bestimmt, wie sie auf diese Veränderungen des Organismus reagiert). Es gibt keine geradlinige Kausalität zwischen Ereignissen in der Umwelt und im System!

  12. …incl. der deutschen, selbstverständlich

    Es kann sich nur ohnehin nur noch um Std. handeln,
    zumal der 18. Brumaire längst schon verstrichen,
    alle Kekse verteilt und bestrichen,
    Nur eine Rechnung, die fehlt
    und scheint bislang noch nicht beglichen …

    Gewiß auch fehlt’s wohl kaum an Kompetenzen
    mit Keksen zu flicken so manche Resilienzen
    zu schustern auch, was zu berappen,
    und im Beritt – gemeinsam-
    mag’s schon klappen …

    Erahnend den Anderen wird’s kaum anders gehen,
    empfiehlt es sich, so langsam nun zu schließen:

    „Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe,
    so wie das was ich gegessen habe: Ich weiß aber
    soviel, beides trägt nichsdestoweniger zur Erhaltung
    meines Geistes und meines Leibes bei“

    derselbige, a.a.O
    wiederum zitiert
    aus seinen Sudelbüchern.

  13. @13: Sorry, dass ich Sie zur Verzweiflung treibe. Nehmen Sie es nicht so schwer.

    Danke für die Unterscheidung zwischen umweltinduziert und umweltdefiniert. Wenn Sie noch einmal meinen Kommentar @12 lesen, habe ich genau das geschrieben: umweltinduzierte Irritationen, die zu „revolutionären“ Veränderungen führen – im individuellen Bereich durch traumatische Schockerlebnisse oder Drogenmissbrauch, auf der politischen Bühne durch Guillotine und Panzerkreuzer.

  14. @13: „umweltinduziert, aber nicht umweltdefiniert“ = quasi autonom, teilautonom, scheinautonom, begrenzt selbsttätig und selbstbestimmt

  15. KORREKTUR
    @13: „umweltinduziert, aber nicht umweltdefiniert“ = quasi autonom, teilautonom, scheinautonom, begrenzt selbsttätig und BEGRENZT selbstbestimmt

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