23.6 Die ökologische Nische reagiert zwar auf den einzelnen in ihr lebende Organismus bzw. sein Verhalten, aber sie beobachtet ihn nicht (im Sinne des Unterscheidens und Bezeichnens und der Entwicklung repetitiver Muster im Umgang mit ihm).

Jeder Organismus, jedes Lebewesen, gestaltet seine Lebenswelt durch die Tatsache, dass es lebt. Es nimmt Nahrung zu sich, scheidet aus, trampelt den Rasen platt und schmeißt Müll in den Ozean. In der Beziehung zwischen einem Lebewesen und seiner physischen Umwelt, vor allem soweit diese unbelebt ist, ist das Modell der geradlinigen Kausaalität in weiten Bereichen passend. Das Verhalten des Organismus hat direkte und oft auch vorhersehbare Folgen für seine Umwelt. Und die Umwelt zeigt – wie es in der Boxersprache heißt – „Wirkungen“. Aber diese Umwelt fungiert nicht als Beobachter im hier verwendeten Sinn, denn sie selbst verwendet nicht zwei gekoppelte Unterscheidungen, um mit einer zweiten Unterscheidung auf eine erste Unterscheidung hinzuweisen. Wenn der Müll im Ozean als Zeichen für eine verfehlte Müllentsorgung oder eine das Überleben der ozeanischen Fauna und Flora gefährliche Verpackungsindustrie gedeutet wird, so geschieht das nicht durch die Umwelt selbst, sondern durch einen Beobachter (meist einen grünen Politiker oder Umweltschützer), der Verpackungsindustrie und den Zustand der Ozeane  zueinander in Beziehung setzt.




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