24.2.1 Jede Operation des Bewusstseins hat ein körperliches Korrelat (=Operation des Organismus).

Es spricht einiges dafür, dass die Kopplung psychischer Prozesse an biologische Prozesse dazu führt, dass Denken und Fühlen Prozessmuster zeigen, die durch Prozessmuster des Gehirns vorstrukturiert sind. Daraus lässt sich aber keine Kausalität ableiten, sondern wiederum nur eine Begrenzung der Möglichkeiten geistiger Prozesse. So haben McCulloch und Pitts (1944) gezeigt, dass bestimmte Aspekte menschlicher Ideen in der Struktur des Nervensystems und seines Funktionierens impliziert sind. Wenn z.B. die Nervenzelle nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip feuert, d.h. aktiv ist oder nicht-aktiv, so entspricht das der Alles-oder-Nichts-Logik der zweiwertigen Logik. Das heißt aber nicht, dass der Mensch gezwungen wäre, in diesem Sinne logisch zu denken – wie wohl jeder weiß, der selbst schon einmal gedacht hat…

Rupert Riedl (1980) spricht als Biologe (mit anderen seiner Kollegen) in diesem Zusammenhang von einem „ratiomorphen Apparat“, der sich stammesgeschichtlich beim Menschen entwickelt hat. Er zählt aber auch die aus der Vergangenheit des Einzelnen abgeleiteten Erwartungen, die sich in Form unbewußter Hypothesenbildungen über Gegenwart und Zukunft manifestieren, zu den Funktionen dieses Apparats.

Zusammenfassend ist aber festzustellen, dass man im Nervensystem keine Bewußtseinsinhalte finden kann, d.h. Aktivitäten des Bewußtseins sind mit  Nervenaktivitäten gekoppelt, aber sie lassen sich nicht darauf reduzieren, d.h. die beiden Phänomenbereich sind nicht vermischt.

 

Literatur:

„The »all-or-none« law of nervous aktivity is sufficient to insure that the activity  of any neuron may be represented as a proposition. Physiological relations existing among nervous aktivities correspond, of course, to relations among the propositions; and the utility of the representation depends upon the identity of these relations with those of the logic of propositions. This, in turn, implies either some other simple propositions or the disjunction of the conjunction, wiht or without negation, of similar propositions, according to the configuration of the synapsesupon and the threshold of the neuron in question.“

McCulloch, Warren S., Walter H. Pitts (1944): A Logical Calculus of Ideas Immanent in Nervous Activity. In: McCulloch, Warren S. (1970): Embodiments of Mind. Campbridge MS ((The MIT Press), S. 21.

Ratiomorpher Apparat.

Sämtliche Erkenntnisleistungen des Menschen kommen durch jenen physiologischen Mechanismus des Zentralnervensystems zustande, den man als kognitiven Apparat bezeichnet. Die dem Bewußtsein und der Selbstreflexion zugänglichen Leistungen bilden dabei das System der rationalen Vernunft. Als r. A. bezeichnet man hingegen jene Verrechnungsmechanismen, welche als stammesgeschichtliche Vorläufer die funktionellen Voraussetzungen der Vernunft darstellen.“

Riedl, Rupert (1980): Biologie der Erkenntnis. Die stammesgeschichtlichen Grundlagen der Vernunft. Berlin (Paul Parey), S. 213f.




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