24.3 Das Bewusstsein/die Psyche beobachtet den (=„seinen“) Organismus als eine relevante Umwelt.

Das Bewußtsein reagiert auf körperliche  Veränderungen (Irritationen/Perturbationen) mit spezifischen oder auch unspezifischen , lokalisierten oder generalisierten Wahrnehmungen; das sind Sensationen wie  z.B. Schmerz oder Unwohlsein, die dann in Deutungsschemata eingeordnet werden, was weiter psychodynamische Bewältigungsmechanismen und eventuell auch Handlungen auslöst…

Das Erleben von Hunger lässt sich z.B. so erklären, dass es zunächst zu einem Absinken des Blutzuckerspiegels kommt (=Veränderung der körperlichen Umwelt), was auf psychischer Ebene zur Irritation, d.h. einem mehr oder weniger flauen Gefühl in der Magengegend führt (1. Unterscheiden), das dann als Hunger (2. Unterscheiden) identifiziert und bezeichnet wird und den Impuls auslöst, den kürzesten Weg zum Kühlschrank zu suchen.

Für eine Theorie der Beobachtung bzw. des Menschen als Beobachter ist aber von besonderer Bedeutung, dass schon die Kopplung von Organismus und Bewusstsein die Grundlage für die allem bewussten Beobachten zugrunde liegende Operation des Unterscheidens liefert. Denn – anders als die landläufige Meinung – ist der vermeintliche Bewusstseinsstrom, der in einzelen Ereignisse zerhackt wird, nicht die basale Operation des Bewusstsein, sondern ganz im Gegenteil, es sind einzelne Ereignisse, die zu einem „Strom“ zusammengesetzt werden.

 

Literatur:

„Der verbreiteten Vorstellung, dass Menschen einen kontinuierlichen Bewusstseinsstrom haben, wird von der Time-on-Bedingung für Bewusstsein widersprochen. Der Begriff eines Bewusstseinsstroms wurde von dem großen Psychologen William James vorgeschlagen, und zwar zur Grundlage seines intuitiven Erfassens seiner eigenen bewussten Gedanken. Viele Psychologen und Autoren fiktionaler Texte haben die Vorstellung eines Bewusstseinsstroms als einer authentischen Eigenschaft der geistigen Aktivitäten einer Person oder Figur übernommen. Unsere Befunde jedoch weisen darauf hin, dass bewusste Denkprozesse aus diskontiuierlichen separaten Ereignissen bestehen müssen. Wenn der Beginn jedes bewussten Ereignisses erst nach einer beträchtlichen Verzögerung erscheint, die auf die erforderliche Dauer von 500 ms neuronaler Aktivierung zurückgeht, dann würde eine Folge bewusster Ereignisse nicht in Form eines kontinuierlichen Stromes auftreten. Das Bewusstsein jedes Ereignisses lien in den ersten 500 ms nicht vor.

Diskontinuität in einer Reihe bewusster Ereignisse ist ein kontraintuitives Merkmal. Man erlebt es nicht; wir nehmen keine Risse in unserem bewussten Leben wahr.“

Libet, Benjamin (2004): Mind Time. Wie das Gehirn Bewusstsein produziert. Frankfurt (Suhrkamp) 2005, S. 147.




2 Gedanken zu „24.3 Das Bewusstsein/die Psyche beobachtet den (=„seinen“) Organismus als eine relevante Umwelt.“

  1. Laut eines Berichts der Welternährungsorganisation FAO ist die Anzahl der Hungernden auf der Erde unter eine Milliarde gefallen. Die Experten glauben: Wenn konsequent weiter gehungert würde, könnte sich die Anzahl der Hungerleidenden in einigen Jahren problemlos halbiert haben.

  2. Frau Kanzlerin, wo gehn Sie denn grade hin?
    Wenn eine geht, dann doch wohl Sie!
    Wofür unsre Frau Kanzlerin steht?
    Wenn schon für nichts, so doch für Kontinuität!
    So denken wir und merken’s kaum
    Sie hatte mal nen großen Traum:
    Wir schaffen das!
    Ja, aber was?

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