24.3.5 Die psychischen Prozessmuster, mit denen das Bewusstsein auf körperliche Ereignisse reagiert, sind im Laufe der individuellen Geschichte erworbenen (d. h. erlernt).

Figur 33

Wie ein Mensch auf magelnde Kalorien- oder Flüssigkeitsversorgung seines Organismus reagiert, dürfte als angeborener Mechanismus zunächst ziemlich stereotyp sein, d.h., um bei dem gewählten Beispiel zu bleiben, er oder sie erlebt ein Gefühl, das Hunger oder Durst genannt wird. Aber wie der weitere psychische Prozess abläuft, d.h. welches psychische Muster sich um den erlebten Hunger oder Durst entwickelt, ist individuell sehr verschieden und hängt weitgehend vom sozialen Umfeld ab. In einer kulturellen oder familären Umwelt, in der die Meinung herrscht, das Schreien der Kinder sei gut für die Entwicklung der Lunge, bilden sich andere psychische Muster als in einem Sofortbefriedigungsmilieu.

 

Literatur:

„Unbestreitbar ist die Existenz von Erlebniszuständen, die zusammen mit biologischen Grundbedürfnissen und ihrer Befriedigung bzw. ihrem Entzug auftreten, z.B. im Zusammenhang mit Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme (empfunden als Hunger und Durst), Wachen und Schlafen (Müdigkeit), Wärmehaushalt (Frieren, Schwitzen), Fortpflanzung (Sexualtrieb), Angriffs- und Verteidigungsverhalten (Aggression, Wut), Verletzungen (Schmerz) und Sozialverhalten (Fürsorge, Geborgenheit, Verlassenheitsgefühl). Solche elementaren Affektzustände (der amerikanische Neurobiologe Panksep nennt sie »reflexive Affekte«) müssen nicht erlernt werden, sondern sind angeborenermaßen vorhanden und – soweit untersucht – allen Säugetieren gemeinsam (…).“

Roth, Gerhard (2001): Fühlen, Denken, Handeln. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert. Frankfurt (Suhrkamp), S. 264.




5 Gedanken zu „24.3.5 Die psychischen Prozessmuster, mit denen das Bewusstsein auf körperliche Ereignisse reagiert, sind im Laufe der individuellen Geschichte erworbenen (d. h. erlernt).“

  1. 24.3.5 „[…] im Laufe der individuellen Geschichte erworbenen (d. h. erlernt).“

    Dieser Satz widerspricht der angefügten Erläuterung: „Solche elementaren Affektzustände […] müssen nicht erlernt werden, sondern sind angeborenermaßen vorhanden und – soweit untersucht – allen Säugetieren gemeinsam (…).“

  2. @1: Meines Erachtens nicht. Denn angeboren sind Reaktionsschemata, d.h. Verhaltens-Möglichkeiten. Wie und wann sie realisiert werden und in die übrige Psychodynamik eingebaut werden, ist geschichtsabhängig (=erlernt).

  3. Stimmt. Wie verhält es sich mit atavistischen Reaktionen zivilisierter Menschen, wenn sie reflexartig reagieren (Flucht, Kampf, Erstarren)?

  4. wo?
    Dort, wo die Katze sich in den Schwanz beißt?

    naja, mal wieder so ein Glühwürmchen, das
    dem nächstgelegenen Knecht -welcher bitteschön?-
    Rupprecht Avancen machen will, oder?
    Uff die Tour?
    deskannschegleivegesse …

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