24.4.2 Wenn sich die Abfolge der physiologischen Ereignisse, die mit einer Irritation durch psychische Ereignisse gekoppelt sind, wiederholt, so hat sich (selbstorganisiert) ein physiologisches Prozessmuster geformt, das heißt, der Organismus hat gelernt.

Der „Bauplan“, d.h. die Struktur des Organismus bzw. die Relationen der Organe  zueinander, werden durch die individuelle Geschichte und Erfahrung nicht verändert, die Feinstruktur der Organe dagegen reagiert sehr wohl auf die Art und Weise, wie mit ihnen umgegangen wird (Beispiel: Arterienverkalkung bei chronischem Bluthochdruck aufgrund chronifizieren Stress-Erlebens).

Bezogen auf (die – fälschlicherweise – meist positiv bewerteten) Lernprozeses des Organsmus spielt das Gehirn wohl die wichtigste Rolle. Denn bei der Geburt ist es in der Lage vollkommen unterschiedliche Netzwerk-Architekturen zu entwickeln. Die Verbindungen der Synapsen sind noch nicht festgelegt. Dies geschieht erst durch die Erfahrung, d. h. durch die Interaktion mit dem sozialen System, die Teilnahme an einem Kommunikationssystem. Dadurch findet aus der nahezu unbegrenzten Variationsbreite möglicher synaptischer Kopplungen eine Selektion statt, die das körperliche Korrelat des Lernens darstellt. Dieser Prozess kann nach Ansicht von Hirnforschern an ehesten mit dem Schnitzen einer Figur aus einem Baumstamm verglichen werden (Calvin 1989, S. 166f.).

Der Nebeneffekt ist: Sobald diese Verknüpfungen (=Strukturen des Gehirns) sich einmal entwickelt haben, es schwer wird, sie zu verändern. Das weiss jeder, der schon einmal bei einer Sportart – wahrscheinlich ohne die Fürsorge eines wohlmeinenden Trainers – einen dysfunktionellen Bewegungsablauf gelernt hat (den falschen Schwung beim Golf, die verdrehte Rückhand beim Tennis usw.) und nun versucht, es „richtig“ zu machen. Analoges gilt natürlich auch für schwachsinnige Weltbilder und Ideologien…

 

Literatur:

Calvin, W. H. (1989): Die Symphonie des Denkens. Wie aus Neuronen Bewußtsein entsteht. München (Hanser) 1993.




7 Gedanken zu „24.4.2 Wenn sich die Abfolge der physiologischen Ereignisse, die mit einer Irritation durch psychische Ereignisse gekoppelt sind, wiederholt, so hat sich (selbstorganisiert) ein physiologisches Prozessmuster geformt, das heißt, der Organismus hat gelernt.“

  1. @“Im Prinzip kann auch die Ausbildung einer Leberzirrhose als Resultat der Beobachtung der Psyche durch den Organismus definiert werden.“

    Was hat die Psyche mit der Leberzirrhose zu tun?

  2. „Dieser Prozess kann nach Ansicht von Hirnforschern an ehesten mit dem Schnitzen einer Figur aus einem Baumstamm verglichen werden (Calvin 1989, S. 166f.).“

    … un die Apple fallen halt aa net weit vun ehrm Stamm;

    es sei denn mer hatse adobdiert

  3. @2: Halten Sie mich für psychisch oder physisch gefährdet?
    Ich dachte immer, eine Leberzirrhose sei durch Alkoholmissbrauch bzw. andere chemische Stoffe bedingt und nicht durch psychische Schäden.
    Wie dem auch sei, bei mir trifft beides zu.

    https://www.apotheken-umschau.de/Leberzirrhose#Ursachen-und-Risikofaktoren:-Wie-entsteht-eine-Leberzirrhose
    Eine Leberzirrhose kann unterschiedliche Ursachen haben.
    Alkoholmissbrauch: In den westlichen Industrieländern ist übermäßiger Alkoholgenuss für 50 bis 60 Prozent der Leberzirrhosen verantwortlich. Alkohol bewirkt die Bildung von giftigem Azetaldehyd in der Leberzelle und fördert eine Fettleber.
    Chronische Virushepatitis: 35 Prozent der Patienten mit Leberzirrhose sind zuvor an einer von Viren übertragenen chronischen Hepatitis vom Typ B oder Typ C erkrankt.
    Fettleber: Wer viel Alkohol trinkt, riskiert eine sogenannte Fettleber. Sie erhöht das Risiko für eine Leberzirrhose. Aber auch Menschen, die abstinent leben, können eine Fettleber bekommen. Medizinisch heißt diese Form nicht alkoholische Steatohepatitis (NASH). Die Ursachen sind nicht restlos geklärt. Oft tritt sie gemeinsam mit Übergewicht und Diabetes mellitus auf.
    Immunbedingte Entzündungen: Bei der Autoimmunhepatitis richtet sich das Immunsystem des Körpers gegen die Leber und verursacht Entzündungen. Eine immunbedingte chronische Entzündung der Gallengänge (primär sklerosierende Cholangitis) kann zu einer speziellen Form der Zirrhose führen, der primär biliären Zirrhose.
    Problematische Stoffe: Viele Chemikalien, wie sie zum Beispiel in Lösungsmitteln vorkommen, das Gift des Knollenblätterpilzes, bestimmte Wirkstoffe in Medikamenten oder in manchen Naturheilstoffen können die Leber belasten.
    Gestörter Blutfluss: Bei einer Herzschwäche kann sich Blut in die Leber zurückstauen und das Organ schädigen. Wenn Blutgerinnsel oder Tumore die Lebervenen verstopfen (Budd-Chiari-Syndrom), wird das Lebergewebe nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt.
    Weitere Ursachen: Das Risiko einer Leberzirrhose erhöht sich bei einer Mukoviszidose, einem Alpha-1-Antitrypsinmangel, der Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) oder der Kupferspeicherkrankheit (Morbus Wilson). In tropischen Regionen kommen auch Infektionskrankheiten wie die Bilharziose aus Auslöser in Betracht.

  4. Ach so, langsam beginne ich zu verstehen. Sie meinen die alte Weisheit von Wilhelm Busch:
    „Es ist ein Brauch von Alters her:
    Wer Sorgen hat, hat auch Likör.

    Allerdings wusste Wilhelm Busch auch, dass man dann trinkt, wenn man sich in gehobener Stimmung befindet bzw. in diese kommen möchte:
    „Doch wer zufrieden und vergnügt,
    sieht zu, dass er auch welchen kriegt.“

  5. @4: Sie haben recht: Die Leberzirrhose ist kein passendes Beispiel, weil hier keine direkte Kopplung psychisches System/Organismus vorliegt, sondern der Umweg über das Verhalten „gewählt“ ist, der zur Organveränderung führt. Ich werde meinen Kommentar ändern.

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