24.4.6 Es gibt psychische Ereignisse, auf die der Organismus nicht mit spezifischen Mustern, sondern indifferent reagiert, das heißt, sie machen physiologisch für ihn keinen relevanten Unterschied (der einen Unterschied macht), sodass er sie als nicht-bemerkenswert kategorisiert (= Indifferenzbereich) – was aber nicht heißt, dass sie kein physiologisches Korrelat hätten.

Der Organismus funktioniert ja dauernd, solange er funktioniert, d.h. es laufen physiologische Prozesse ab, die das Leben erhalten. Diese Muster sind gewissermaßen bio-chemische „Routinen“, die abgespult werden. Und innerhalb dieser Routinen haben die Aktivitäten des Nervensystems eine spezifische Stellung. Die Zellen des Nervensystems sind in der Lage sowohl auf Veränderungen in den Umwelten als auch innerhalb des Organismus zu reagieren. Innerhalb gewisser Normbreiten ist es – um eine Metapher zu gebrauchen – dem Organismus offenbar egal, was der Besitzer dieses Organismus denkt. Auf jeden Fall zeigt er keine von seinem Durchschnittlichen Funktionieren abweichenden Aktivitäten. Andere Gedanken, vor allem aber Gefühle, lassen ihn hingegen nicht so indifferent reagieren (z.B. Angst, Wut, Verliebtheit…).

Aber auch die langweiligsten Gedanken, die alltäglichsten Verhaltensweisen, sind gekoppelt an neuronale Prozesse, aber eben keine, die als Unterscheidung, d.h. aus der Bandbreite des normalen Funktionierens fallend, bezeichnet werden könnten. Aus psychosomatischer Sicht sind vor allem diejenige psychischen Ereignisse und Prozesse interessant, die nicht allein im Bereich des Nervensystems zu Reaktionen bzw. Abweichungen  von den durchschnittlich zu erwartenden Aktivitätsmustern führen, sondern im gesamten Organismus (wie sie z.B. im Stress-Modell beschrieben werden).




2 Gedanken zu „24.4.6 Es gibt psychische Ereignisse, auf die der Organismus nicht mit spezifischen Mustern, sondern indifferent reagiert, das heißt, sie machen physiologisch für ihn keinen relevanten Unterschied (der einen Unterschied macht), sodass er sie als nicht-bemerkenswert kategorisiert (= Indifferenzbereich) – was aber nicht heißt, dass sie kein physiologisches Korrelat hätten.“

  1. Routinen sind erprobte Lösungsmethoden, auch wenn sie langweilig sind. Routinierte Kolleginnen und Kollegen sind mir lieber als spontane Chaoten, die alles bloß unnötig aufhalten.

    Langweile ist das beste Mittel gegen Stress – auch präventiv empfehlenswert (z. B. Meditation).

  2. Nun gut, eine gewisse Routine tut gewiß Not,
    solange sie zu absolut notwendigen Handlungen anhält.
    Unnötiges Gerümpel, das lediglich zur Perpetuierung und somit zum Erhalt der Langeweile beiträgt, zu entsorgen, macht dann doch so manches wesentlich
    leichter. Zumal alles Gescheite ohnehin bereits gedacht ist,
    und man es lediglich nochmal zu durchdenken braucht.
    Wobei sich „Burnout“ und „Boreout“ hierbei durchaus vice versa
    als (Anti-)-Thesen die Hand 🖐zu reichen vermögen.

    Hierzu Oscar Wilde
    „Kommt der Ernst zu den Jahren, so wird er Langeweile.“

    Dies liest sich m.E. am liebsten verbunden mit:

    „Das einzig Furchtbare in der Welt ist die Langeweile.
    Das ist die Sünde, für die es keine Vergebung gibt“

Schreibe einen Kommentar