25.1.1 Das Bewusstsein nutzt die im sozialen System, an welches es gekoppelt ist, gebrauchten Modalitäten des Bezeichnens (=2. Unterscheiden) – z.B. sprachliche Zeichensysteme etc. oder auch andere Symbole–, um sein individuell vollzogenes Unterscheiden (=1. Unterscheiden) zu bezeichnen und gibt damit den im jeweiligen sozialen System gebrauchten Zeichen seine individuelle Bedeutung.

Ein Individuum (d.h. hier: Bewusstsein) muss, wenn es an der Kommunikation eines sozialen Systems teilnehmen will, dessen Zeichensystem (z.B. Sprache, Codierungen des Verhaltens uw.) verwenden. Dabei kann es aber den Bezeichnungen einen alternativen, vom üblichen Gebrauch abweichenden Sinn zuschreiben. Es gibt keinen allgemein verbindlichen Gebrauch der Worte, so dass jedermann oder -frau sie nutzen kann, wie er oder sie will. Plappern ist nicht verboten. Aber Privatsprachen taugen nicht zur Kommunikation. Allerdings kann ein abweichender individueller Gebrauch zu einer allgemeinen Bedeutungsverschiebung führen.

Nach meinem Verständnis der italienischen Sprache ist auf dem nebenstehend abgebildeten Foto ein Tisch und kein Pianoforte abgebildet, und es ist auch weit und breit keines zu sehen, auch wenn das darauf platzierte Schild etwas anderes behauptet … (aus dem Teatro dell’ Opera di Roma).

 

Aber ein viel besseres Beispiel für eine nicht verstehbare Sprache ist in der Schlußszene von Hector Berlioz Oper „La Damnation de Faust“ zu hören. Es sind die Worte der Verdammten und Dämonen, die den siegreichen Mephistoles im Triumph tragen:

„ Has! Has!
Tradioun Marexil firtrudinxé burrudixé.
Fory my dinkorlitz.
O mérikariu O midara caraibo lakinda,
mérondor dinkorlitz.
Tradioun marexil,
Tradioun burrudix?
Trudinxé caraibo.
Fir omévixé mérondor.
Mit aysko, mérondor, mit aysko! Oh!
(Les démons dansent autour de Méphistophélès.)
Diff! Diff! mérondor, mérondor aysko!
Has! Has! Satan.
Has! Has! Belphégor,
Has! Has! Méphisto,
Has! Has! Kroïx!
Diff! Diff! Astaroth,
Diff! Diff! Belzébuth, Belphégor, Astaroth, Méphisto!
Sat, sat rayk irkimour.
Has! Has! Méphisto!
Has! Has! Irimiru karabrao!“




2 Gedanken zu „25.1.1 Das Bewusstsein nutzt die im sozialen System, an welches es gekoppelt ist, gebrauchten Modalitäten des Bezeichnens (=2. Unterscheiden) – z.B. sprachliche Zeichensysteme etc. oder auch andere Symbole–, um sein individuell vollzogenes Unterscheiden (=1. Unterscheiden) zu bezeichnen und gibt damit den im jeweiligen sozialen System gebrauchten Zeichen seine individuelle Bedeutung.“

  1. @ „Das Bewusstsein nutzt die im sozialen System […] gebrauchten Modalitäten des Bezeichnens […], um sein individuell vollzogenes Unterscheiden […] zu bezeichnen und gibt damit den im jeweiligen sozialen System gebrauchten Zeichen seine individuelle Bedeutung.“

    Beispiele: die Bezeichnungen „Not“ und „Armut“, die unterschiedlich gebraucht werden.

    „Einer Menschheit, welche Not nicht mehr kennt, dämmert gar etwas von dem Wahnhaften, Vergeblichen all der Veranstaltungen, welche bis dahin getroffen wurden, um der Not zu entgehen, und welche die Not mit dem Reichtum erweitert reproduzierten.“ Theodor W. Adorno, Minima Moralia, 1951
    Das bedeutet, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich desto weiter öffnet, je erfolgreicher das kapitalistische System ist (hier: die private Aneignung des gesellschaftlich produzierten Reichtums), wenn auch auf einem höheren Niveau, sodass sich zwar die wirtschaftliche Not und die finanzielle Armut der Nichtbesitzenden (von Immobilien und Unternehmen) absolut verringert, jedoch im Verhältnis zu den Besitzenden steigt (von Immobilien und Unternehmen).
    Da sich die theoretische Erwartung von Karl Marx (Kapital I, MEW 23, 790 f, erschienen 1867), dass mit der zunehmenden Zentralisation der Produktionsmittel und der Vergesellschaftung der Arbeit ein Punkt erreicht wird, der zur Expropriation der Expropriateure führt, weil die gesellschaftliche Entwicklung ihre kapitalistischen Fesseln sprengt, nicht erfüllt hat, lautete Adornos Antwort auf die „Frage nach dem Ziel der emanzipierten Gesellschaft“: „So illegitim die unvermeidliche Frage, so unvermeidlich das Abstoßende, Auftrumpfende der Antwort, welche die Erinnerung an das sozialdemokratische Persönlichkeitsideal vollbärtiger Naturalisten der neunziger Jahre aufruft, die sich ausleben wollten. Zart wäre einzig das Gröbste: dass keiner mehr hungern soll. Alles andere setzt für einen Zustand, der nach menschlichen Bedürfnissen zu bestimmen wäre, ein menschliches Verhalten an, das am Modell der Produktion als Selbstzweck gebildet ist. In das Wunschbild des ungehemmten, kraftstrotzenden, schöpferischen Menschen ist eben der Fetischismus der Ware eingesickert, der in der bürgerlichen Gesellschaft Hemmung, Ohnmacht, die Sterilität des Immergleichen mit sich führt.“ Theodor W. Adorno, Minima Moralia, 1951

    Sollen also in Zeiten, in denen acht von zehn Restaurants Soßen aus dem Tetrapack anbieten, die Schulen zeigen, dass Kochen eine Kulturleistung ist?! Und wer den „Veggie-Day“ verhöhnt, der werde einen Tag lang in den Schlachthof geschickt?!

    Doch wie als Veganer inkarnieren ohne Fleischwerdung? Wie als Veganer kacken ohne Wurst? Na, so wie Veganer argumentieren: ohne Hand und Fuß!

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