25.1.2 Die Koordination des Verhaltens mehrerer Akteure gelingt, wenn die individuellen Zuschreibungen von Bedeutung/Sinn (=1. Unterscheiden) zu den verwendeten Zeichen (=2. Unterscheiden) hinreichend ähnlich ist und ihr Gebrauch zueinander passt – was sich darin erweist, dass die Koordination ihres Verhaltens aus Sicht der beteiligten Akteure gelingt (=Viabilität).

Im Unterschied zu einem idealisierten Verstehenskonzept, geht es bei der Koordination des Verhaltens als Funktion von Kommunikation nicht um das idealisierte Verstehen und Verstandenwerden aus Lore-Romanen. Es reicht, wenn man sich z.B. um eine gewisse Uhrzeit an der Weltzeituhr am Alexanderplatz verabredet und sich dann auch etwa zu der angegebenen Zeit am vereinbarten Ort trifft. Das setzt voraus, dass die Beteiligten sich an derselben oder einer hinreichend ähnlichen Ordnung der Zeit (einer Mesung und Anzeige der Uhrzeit, die ähnich strukturiert ist und eine ähnliche Zeit anzeigt) und einer ähnlichen Lokalisierung der Treffpnkts (z.B. Stadtplan von Berlin) orientieren. Wenn dann Beide die verwendeten Zeichen (die Worte Alexanderplatz, Weltzeituhr, sowie die Uhrzeit) in einer ähnlichen Weise nutzen, gelingt die Kommunikation, d.h. sie treffen sich. Allerdings nur, wenn beide sich einig sind, sich am angegebenen Ort zur angegebenen Zeit zu treffen. Das Gelingen der Kommunikation geht also über das reine Verstehen der Worte hinaus.

Das ist, nüchtern betrachtet, ziemlich unwahrscheinlich und voraussetzungsvoll, wie die vielen mißlungenen Koordinatinen von Akteuren und Aktien deutlich machen, wenn es um die Handlungskonsequenzen bei der Verwendung des Zeichens (bzw. all der Zeichen, die in diesem Sinne interpretiert werden) für Liebe geht…

 

Literatur:

„Selbst wenn eine Kommunikation von dem, den sie erreicht, verstanden wird, ist damit noch nicht gesichter, daß sie auch angenommen und befolgt wird. Im Gegenteil:»Jedes ausgesprochene Wort erregt den Gegensinn«. Erfolg hat die Kommunikation nur, wenn Ego den selektiven Inhalt der Kommunikation (die Information) als Prämisse eigenen Verhaltens übernimmt. Annehmen kann bedeute: Handeln nach entsprechenden Direktiven, aber auch Erleben, Denken, weiter Informationen Verarbeiten und der Voraussetzung, daß eine bestimmte Information zutrifft. Kommunikativer Erfolg ist: gelungene Kopplung von Selektionen.“

Luhmann, Niklas (1984): Soziale Systeme, Frankfurt (Suhrkamp), S. 218.




5 Gedanken zu „25.1.2 Die Koordination des Verhaltens mehrerer Akteure gelingt, wenn die individuellen Zuschreibungen von Bedeutung/Sinn (=1. Unterscheiden) zu den verwendeten Zeichen (=2. Unterscheiden) hinreichend ähnlich ist und ihr Gebrauch zueinander passt – was sich darin erweist, dass die Koordination ihres Verhaltens aus Sicht der beteiligten Akteure gelingt (=Viabilität).“

  1. In Luhmanns Diktion könnten Sie formulieren: „Erfolgreiche Liebe erfordert gelungene Kopplungen von Selektionen“.

    In des Meisters eigener Stimme (Liebe als Passion: Zur Codierung von Intimität, 1982):
    „Liebe ist nicht nur eine Anomalie, sondern eine ganz normale Unwahrscheinlichkeit.“ (S. 10)
    „Liebe ist selbst kein Gefühl, sondern ein Kommunikationscode, nach dessen Regeln man Gefühle ausdrücken, bilden, simulieren, anderen unterstellen, leugnen und sich mit all dem auf die Konsequenzen einstellen kann.“ (S. 23)
    „Liebe regelt intime Kommunikation. Die Semantik der Liebe kann jedem die Worte und Gefühle liefern, die er abrufen möchte.“ (S. 70)
    „Liebe totalisiert.“ (S. 85)
    „Es gibt also keinen Grund für Liebe.“ (S. 222)

  2. Da wird einem ja schon morgens übel …

    Diese arme Mensch hat vermutlich allzu früh seine Frau verloren. Hat er je (wieder) geliebt? Das kommt heraus, wenn man sich zwischen Zettelkästen vergräbt und zu keiner lebendigen Begegnung in der Lage ist. Oder vermutlich auch nur zuckend, so wie die noch lebenden Luhmann-Exegeten. Sie zucken sich codiert durchs Leben.

    Liebe ist ein Kommunikationscode? Liebe ist doch kein Code? Was hat Liebe mit einem Code zu tun? Ist Liebe ein Zeichen? Nein. Ist sie nicht.

  3. @3″vermutlich auch nur zuckend“

    Immerhin gilt die gelingende physische Kopplung als Gradmesser der psychischen Kopplung, wobei die liebevolle psychische Kopplung zum Gelingen der physischen Kopplung beiträgt.

  4. @8 Grat oder Grad?

    … oder dreht sich’s rein ums Zocken?
    Dann spar ich mir fürderhin auch das
    Einsammeln der Socken.
    … und leg mich gleich auf die Coach,
    post meridiem, wo’s noch geht.

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