25.2 Im Prozess der Formung eines individuellen Bewusstseins findet eine Selektion von Sinn/Bedeutung aus der Variation möglicher Sinnzuschreibungen zu aktuellen, vergangenen und/oder möglichen Ereignissen statt, die im sozialen System (=aktuelle Lebenswelt) bereitgestellt wird.

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Hier kommt die individuelle Fokussierung der Aufmerksamkeit ins Spiel. Aus der Menge sensorischer Daten muss eine Auswahl getroffen werden (dazu siehe Sätze 38.1 ff.), und den so gewonnenen Daten muss darüber hinaus auch noch ein Sinn zugeschrieben werden. Hier eröffnet sich im Prinzip der Spielraum für die Kreativität eines Individuums, weit wahrscheinlicher ist aber, dass eine Auswahl aus dem breiten Angebot an Sinnzuschreibungen, die kommuniziert werden, getroffen wird. Diese Wahl ist kontingent, d.h. sie könnte auch immer anders vorgenommen werden.

 

Literatur:

„Mit jedem Sinn, mit beliebigem Sinn wird unfassbar hohe Komplexität (Weltkomplexität) appräsentiert und für die Operationen psychischer bzw. sozialer Systeme verfügbar gehalten. Sinn bewirkt dabei einerseits: dass diese Operationen Komplexität nicht vernichten können, sondern sie mit der Verwendung von Sinn fortlaufend regenerieren. Der Vollzug der Operationen führt nicht dazu, dass die Welt schrumpft; man kann nur in der Welt lernen, sich als System mit einer Auswahl aus möglichen Strukturen einzurichten.“

Luhmann, Niklas (1984): Soziale Systeme. Frankfurt (Suhrkamp), S. 94.




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