25.2.1 Die Selektion des Sinns/der Bedeutung, die den gebrauchten Bezeichnungen zuzuschreiben ist, wird durch die Fokussierung der Aufmerksamkeit durch die Kommunikationsteilnehmer bestimmt.

Da die Psyche eines anderen Menschen nicht von außen im Sinne einer determinierenden Eingabe-Ausgabe-Relation gesteuert werden kann, ist die Kommunikation zwischen Menschen immer daran gebunden, dass sie sich de facto „einigen“, worüber sie gerade sprechen bzw. worum es in der Interaktion gerade geht. Das Wort „einigen“ ist in Anführungsstriche gesetzt, weil niemand wirklich weiss, ob man sich tatsächlich einig ist. Aber es reicht die Illusion, um die Interaktion und Kommunikation fortzuführen. Es kann jedenfalls festgestellt werden, dass die Lenkung (bzw. Beinflussung der Fokussierung) der Aufmerksamkeit anderer Menschen die mächtigste Möglichkeit – wenn nicht die einzige – ist, sich in Kommunikationssysteme steuernd einzumischen.

Literatur:

„Etwas steht im Blickpunkt, im Zentrum der Intention, und anderes
wird marginal angedeutet als Horizont für ein Und-so-weiter des Erlebens
und Handelns. Alles, was intendiert wird, hält in dieser Form die
Welt im ganzen sich offen, garantiert also immer auch die Aktualität
der Welt in Form der Zugänglichkeit. Die Verweisung selbst aktualisiert
sich als Standpunkt der Wirklichkeit, aber sie bezieht nicht nur
Wirkliches (bzw. präsumtiv Wirkliches) ein, sondern auch Mögliches
(konditional Wirkliches) und Negatives (Unwirkliches, Unmögliches).
Die Gesamtheit der vom sinnhaft intendierten Gegenstand ausgehenden
Verweisungen gibt mehr an die Hand, als faktisch im nächsten
Zuge aktualisiert werden kann. Also zwingt die Sinnform durch ihre
Verweisungsstruktur den nächsten Schritt zur Selektion.“

Luhmann; Niklas (1984): Soziale Systeme. Frankfurt (Suhrkamp) , S. 93f.




7 Gedanken zu “25.2.1 Die Selektion des Sinns/der Bedeutung, die den gebrauchten Bezeichnungen zuzuschreiben ist, wird durch die Fokussierung der Aufmerksamkeit durch die Kommunikationsteilnehmer bestimmt.”

  1. Neben dem Sinn kann freilich auch der Unsinn die Aufmerksamkeit fesseln und die Kommunikation vorantreiben oder der sechste Sinn ebenso wie die Sinnlichkeit. Wie Luhmann treffend bemerkte, kommt es im Liebesgeflüster nicht auf den wahren Sinn des Gesprochen an.

  2. Ein sinnentstellende Fehler kann unsere Aufmerksamkeit in die Sinnlosigkeit oder in die Irre leiten, und Blödsinn uns ohne tieferen Sinn in den Wahnsinn treiben.

  3. Auch Unsinn ist nach der hier verwendeten Definition Sinn. Auch Wahnsinn, denn Sinn hat keine Aussenseite der Unterscheidung, d. h. Sinn entsteht immer dort, wo man die Frage nach ihm stellt. Die Antwort kann dann eben auch sein: gibt‘s nicht… Und das ist dann der Sinn.

  4. Genau … Shared attention … grundlegend für den Spracherwerb. Die Forschungen dazu sind umfassend! Wo schaut die Mutter im Hier und Jetzt hin, wo das Kind. Nur durch Shared Attention ist das Sprechenlernen möglich.

    Die akustische Aufmerksamkeit ist hauptsächlich durch Ohrenzuhalten zu regulieren (Türen/…). Also wir können nicht steuern wo die Schallwellen reizen. Das ist REZEPTIV!! Schall kommt einfach bei den Ohren rein, nicht willkürlich, wir können nur weglaufen etc pp

  5. @3: „Sinn entsteht immer dort, wo man die Frage nach ihm stellt.“
    „Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben – aber es hat nur ganz genau so viel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind.“ Hermann Hesse

    @Wahnsinn: „Die Antwort kann dann eben auch sein: gibt‘s nicht… Und das ist dann der Sinn.“
    „Besser das Leben ist sinnlos, als dass es einen Sinn hat, dem ich nicht zustimmen kann.“ Stanislaw Jerzy Lec

  6. ach Gott, dann liegt er eben doch im Wiesengrund, der Sinn, und kümmert vor sich hin …

    Aber darum dreht sich ja im Grunde gar nicht,
    wenn Gesundheit als Zeitgeist vorherrscht,
    obgleich Niesattacken dort mittlerweile die Regel sind:

    Ergo?
    „Was nützt einem die Gesundheit, wenn man sonst ein Idiot ist“
    Th. W. Adorno

    😉

  7. @ 9 @ 8 ….oh, ein solches Ansinnen dürfte aber der Clique an Frühstücksdirektoren, die es sich auf ihren Handelsplattformen mit magna carta derart vorzeigbar gemütlich eingerichtet haben (incl. permanenter „Naturverjüngung“ durch stetigen Wechsel ihrer stets im jugendlichen Alter verbleibenden ehelichen Gespielinnen…) garnicht so gut gefallen….
    😀😁😂😎

    … bereit zum Löschen,
    anne Bar …

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