27.3 Die drei gekoppelten autopoietischen Systeme (Organismus, Bewusstsein, Kommunikationssystem) weisen allesamt die Charakteristika lernender Systeme auf.

Figur 37

 

Autopoietische Systeme sind kognitive Systeme (s. Sätze 28.ff.). Dieser Definition liegt ein Verständnis von Kognition zugrunde, wie es von Humberto Maturana und Francisco Varela vorgeschlagen wurde, nach dem biologische Strukturen Erkenntnisstukturen sind, deren Funktion es ist, ein Verhalten zu ermöglichen, welches das Überleben in einer bestimmten ökologischen Nische ermöglicht. Solche kognitiven Systeme sind in der Lage, ihre internen Prozesse und Strukturen im Laufe ihrer Existenz aufgrund ihrer Erfahrungen in der Interaktion mit ihren Umwelten zu verändern. Das ist es, was lernen genannt wird (s. 28.8 ff.). Als lernende Systeme, die sich selbst verändern und füreinander überlebensrelevante Umwelten darstellen, ist der Lernbedarf bzw. die Notwendigkeit der Flexibilität ziemlich hoch, d.h. keines der Systeme kann mit einer dauerhaft konstanten Umwelt rechnen.

Um dieses Konzept zu konkretisieren: Biologische Strukturen sind die Verkörperung eines Wissens, mit dessen Hilfe ein Lebewesen in einer bestimmten physischen Umwelt überleben (=die Autopoiese fortsetzen) kann. Da es unterschiedliche biologische Strukturen (Arten, Gattungen von Lebewesen), die alle in der Lage sind, in der – mehr oder weniger – selben physischen Welt zu leben, heisst das, dass für deren Überleben jeweils andere Kognitionen funktionell (=“passend“) sind.

Auch soziale Systeme sind – dieser Definition folgend – kognitive Systeme. Durch ihre Spielregeln und Strukturen realisieren sie ein Wissen über die Gesellschaft, das gut genug ist, um ihre Autopoiese fortzusetzen (oder eben auch nicht). Und auch in Bezug auf soziale Systeme gilt, dass ganz unterschiedliche Strukturen in der Lage sind zu überleben, d.h. sich über die Zeit zu erhalten.

Und das Bewusstsein zeigt Funktionsmuster, die es dem Individuum – der aus Organismus und Psyche zusammengesetzten Überlebenseinheit – ermöglicht, sowohl die Autopoiese seines Körpers wie seines Bewusstseins fortzusetzen.

Jeder Typus dieser drei Systeme muss lernfähig  (d.h. in der Lage, seine eigenen Strukturen zu verändern) sein, da er in seiner Entwicklung mit den anderen beiden Typen von Systemen gekoppelt ist und auf deren Veränderungen mit eigenen Veränderungen anworten muss, bis erneut ein (vorübergehender) Zustand der Stabilität erreicht ist.

 




Ein Gedanke zu „27.3 Die drei gekoppelten autopoietischen Systeme (Organismus, Bewusstsein, Kommunikationssystem) weisen allesamt die Charakteristika lernender Systeme auf.“

  1. @“Biologische Strukturen sind die Verkörperung eines Wissens, mit dessen Hilfe ein Lebewesen in einer bestimmten physischen Umwelt überleben (=die Autopoiese fortsetzen) kann.“

    Als absolute Verkörperung vorindividuellen Seinsglücks muss man Laut Adorno Bach verteidigen gegen seine Liebhaber, die ihn, Bach, mit wütender Emphase verehren, just weil sie selbst nix als postindividuelle dekonturierte arme Würstchen und komplette Esel sind mit ihren albernen Bach-Abenden und kultisch kräuterteefeuchten Kontrapunktgottesdiensten, God fuck them all. Trotzdem las ich auf einer Bahnhofanzeigetafel jüngst überaus erfreut, dass mein Zug „ca. 5 Motetten verspätet“ sei, obwohl ich mir grad erstens gar nicht die Motetten, sondern die Missae (BWV 233-236) in Herreweghes absolutem Dirigat frohweinend reinzog und obwohl zweitens die Verspätung – die „sechs großen Motetten“ dauern total sechsundsechzig Minuten, ergo eine elf – dann fünfundfünfzig Minuten statt fünf betragen hätte! Haben würde! Die ich kompletter Esel aber eben supergern blöd rumstünd, wennjawenn – da indirekt mein Bach dran schuld wär! Statt der bescheuerten Scheißbahn. Und wären die Motetten nicht in der Tat ein vorindividuell trost-, ja glückbringendes Zeitmaß? „Ein Spiel dauert 8,18182 Motetten“, „unsere Jüngste ist ja jetzt auch schon 196457“, „…wurde die im Fall Mollath mitverantwortliche bayerische Justizhexe Merk zu einer Gesamtzuchthausstrafe von 4,38 Tera-Motetten verurteilt“ – hört sich das nicht schöner und gerechter an als 624 Jahre?

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