27.5.2 Akkomodation: Veränderungen in einem der gekoppelten Umwelten führen dazu, dass das jeweilige System seine eigenen Strukturen und/oder Prozess-Muster so verändert, so dass sie zu den gekoppelten Umwelten passen (=viabel sind).

Diese Änderung der eigenen internen Struktur eines Systems bei der Akkomodation (von lat. commodare, anpassen, sich gefällig erweisen) ist das, was man – bezogen auf kognitive Strukturen – als Lernen bezeichnet. Da dies kurzfristig erst einmal als unökonomisch erscheint, wird es üblicherweise vermieden, wo und wann es immer geht.

Akkomodation ist meist mit der Differenzierung interner Strukturen verbunden, da ja die alten Strukturen nicht „an sich“ als generell dysfunktionell bewertet werden können (immerhin war das Überleben mit diesen Strukturen bis dato möglich), aber es ist dennoch eine Änderung erforderlich, wenn weiterhin die Autopoiese aufrechterhalten werden soll.

 

Literatur:

„Akkomodation nennen wir (in Analogie zum biologischen Anpassungsprozeß) jede Modifikation der Assimilationsschemata unter dem Einfluß der äußeren Gegebenheiten (Umwelt), auf die sie angewandt werden. Aber, wie es keine Assimilation ohne (vorangegangene oder gleichzeitige) Akkomodation gibt, so auch keine Akkomodation ohne Assimilation; das bedeutet, daß die Umwelt den Organismus nicht zu bloßem Registrieren von Eindrücken oder zur Anfertigung von Kopien veranlaßt, sondern zu aktiven Umformungen. Wenn wir von »Akkomodation« sprechen, ist daher immer mitgemeint »Akkomodation von Assimilationsschemata«. So ist z.B. das Ergreifen eines Gegenstandes mit beiden Händen bei einem Kind von 5 oder 6 Monaten sein Assimilationsschema. Aber das Mehr-oder-weniger-weit-Auseinandernehmen oder Zusammenbringen der Hände – je nach dem Umfang des Gegenstands – stellt eine Akkomodation dieses Schemas dar.“

Piaget, Jean (1967): Biologie der Erkenntnis. Über die Beziehungen zwischen organischen Regulationen und kognitiven Prozessen. Frankfurt (S. Fischer) 1983, S. 9.




Schreibe einen Kommentar