28.2 Kognition = Er-Rechnen einer Wirklichkeit, als deren Bestandteil/Teilnehmer es zu überleben gilt (=Lebenswelt).

Kognitive Prozesse können immer nur Beschreibungen von irgendwelchen Gegenständen „errechnen“ und nicht die Gegenstände selbst eins-zu.eins abbilden (geschweige denn tatsächlich/materiell „internalisieren“). Das liegt daran, dass das Nervensystem alle qualitativ unterschiedlichen Reize in quantitative elektrische Impulse „übersetzt“ (codiert), die dann miteinander verrechnet werden (zur Frage, was mit „rechnen“ gemeinst ist, siehe 28.2.1). Daher lässt sich mit Heinz von Foerster sagen:

KOGNITION: Errechnung von Beschreibungen einer Realität.

Und da alle sensorischen Reize, etwa ein auf die Netzhaut projiziertes
und dort Nervenzellen reizendes Bild, auf höheren Ebenen des
Gehirns erneut zu Rechenprozessen führen, lässt sich die Formel erneut
modifizieren:

KOGNITION: Errechnung von Beschreibungen von Beschreibungen … usw.

 

Literatur:

„Diese Formulierung hat den Vorteil, dass eine Unbekannte, nämlich »Realität«, mit Erfolg ausgeschaltet worden ist. Realität erscheint nur mehr implizit als die Aktivität rekursiver Beschreibungen. Schließlich können wir auf die Tatsache zurückgreifen, dass die Errechnung von Beschreibungen natürlich nichts anderes ist als eine Errechnung.

(…)

Ich fasse zusammen: Mein Vorschlag besteht darin, kognitive Prozesse als nie endende rekursive Prozesse des (Er-)Rechnens aufzufassen.“

Foerster, Heinz von (1973): Über das Konstruieren von Wirklichkeiten. In: H.
von Foerster (1985): Sicht und Einsicht. Versuche zu einer operativen Erkenntnistheorie.
Heidelberg (Carl-Auer) 1999, S. 31.




2 Gedanken zu „28.2 Kognition = Er-Rechnen einer Wirklichkeit, als deren Bestandteil/Teilnehmer es zu überleben gilt (=Lebenswelt).“

  1. Diese Irritation beim Versuch, Wahrnehmungen zu beschreiben, macht Kafka in seiner Prosa erfahrbar. Walter Benjamin hat einmal gesagt, dass Kafka Märchen für Dialektiker schrieb. Vielleicht würde Benjamin heute sagen, dass Kafka Märchen für Systemiker schrieb – oder für Konstruktivisten.

  2. Wir legen uns unsere Lebensgeschichte im Kopf so zurecht, dass sie uns schlüssig erscheint. Diese Erinnerungen formen unsere Identität.

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