28.2.2 Konfirmation einer er-rechneten Wirklichkeit: Wenn das Resultat des Er-Rechnens einer Wirklichkeit bei Fortsetzung des Prozesses des Er-Rechnens einer Wirklichkeit konstant bleibt (=Eigenstruktur/Eigenwert/Attraktor).

Das heißt: irgendeiner (!) Wirklichkeit – nicht der (!) Wirklichkeit.

Auch wenn in der Umgangssprache stets von „der“ Realtität oder Wirklichkeit gesprochen wird, so muss aus konstruktivistischer Sicht der unbestimmte Artikel verwendet werden: „eine Realität“. Heinz von Forster, einer der radikalsten Vertreter dieser Sichtweise, lässt in der Hinsicht keinerlei Zweifel (s. Zitat unten) bekennt von Foerster sich zu einer „radikalen“ Ansicht.

Literatur:

„Es gibt eine tiefe Kluft zwischen dem ‚die‘-Denken und dem ‚eine‘-Denken, wofür wiederum die Begriffe ‚Bestätigung‘ bzw. ‚Korrelation‘ jeweils als erklärende Paradigmen der Wahrnehmung gelten. Die ‚die‘-Auffassung meint: eine Wahrnehmung der  Berührung ist eine Bestätigung meiner visuellen Wahrnehmung, dass es einen Tisch gibt. Die ‚eine‘-Auffassung meint: Meine Wahrnehmung der Berührung in Korrelation mit meiner visuellen Sinneswahrnehmung erzeugt eine Erfahrung, die ich als ‚Hier ist ein Tisch‘ beschreiben kann. Ich lehne die ‚die‘-Position aus epistemologischen Gründen ab, denn auf diese Weise
wird das ganze Problem der Kognition einfach in den blinden Fleck des Erkennens abgedrängt: Man merkt nicht einmal mehr, dass man das Problem der Kognition nicht sieht.“

Foerster, H. von (1973): Über das Konstruieren von Wirklichkeiten. In: H. von Foerster (1985): Sicht und Einsicht. Versuche zu einer operativen Erkenntnistheorie. Heidelberg (Carl-Auer) 1999, S. 30.




1 Gedanke zu “28.2.2 Konfirmation einer er-rechneten Wirklichkeit: Wenn das Resultat des Er-Rechnens einer Wirklichkeit bei Fortsetzung des Prozesses des Er-Rechnens einer Wirklichkeit konstant bleibt (=Eigenstruktur/Eigenwert/Attraktor).”

  1. @ „Die Realität, die bei dem kognitiven Prozess der Errechnungen“
    Wie endet dieser unvollständige Satz?

    @“Realität erscheint nur mehr implizit als die Aktivität rekursiver Beschreibungen.“
    Welche Rolle spielen Erinnerungen und Einbildungskraft beim Erkenntnisprozess durch Beschreibungen? Beispielsweise Dante Alighieris Beschreibung der Hölle als ungeheurer, sich nach unten verengender Trichter. Je tiefer es hinabgeht, um so kleiner werden die Kreise, aber um so größeres Weh umschließen sie. In der Vorhölle, am obersten Rand des Schlundes, drängen sich die lauen Seelen, das Jammervolk, das nie recht lebend war, die Gleichgültigen und Wertlosen, die weder der Himmel noch die Hölle haben will. Ohne Ruhm und ohne Schande lebten sie, nichts blieb von ihnen. Im ersten Höllenkreis weilen in stiller Sehnsucht die Weisen, Dichter und Helden des Altertums, die unerlöst vor Christus daningegangen. Im zweiten, der Liebeshölle, werden die vom Sinnentrug Betörten, die Sünder aus Liebesleidenschaft von furchtbaren Orkanen durch die Ewigkeit gepeitscht: Semiramis, Kleopatra, Helena, Achill, Paris, Tristan tauchen im Zug der heulenden, vorüberbrausenden Schatten auf; usw. u.s.f. …

Schreibe einen Kommentar