28.2.3 Stabile Wirklichkeitskonstruktion = Eigen-Wert/Eigen-Struktur der er-rechneten Wirklichkeit als Resultat rekursiver Operationen/Funktionen (=Attraktor).

Heinz von Foerster, der das Konzept des Errechnens einer Realität in die Diskussion gebracht hat, spricht von einer „infiniten Rekursion von Beschreibungen von Beschreibungen von Beschreibungen“ … usw.

Was er als „Errechnen einer Realität“ bezeichnet, hat die Form einer rekursiven Funktion, eines Prozessmusters, das wir schon oben skizziert haben: Es ist die „operationale Schließung“, das Anschließen von Operationen an Operationen an Operationen usw., das schließlich zu einem Eigenwert, einer Eigenstruktur, einem Eigenverhalten, dem Attraktor (s. Satz 16.3.2) komplexer Systeme führt – oder auch ins Chaos . Die Realität, die bei dem kognitiven Prozess der Errechnungen von Errechnungen … entsteht, ist stabil und anpassungsfähig – und das ist aus der Perspektive des Beobachters 2. Ordnung das Erstaunliche –  kommt innerhalb des Errechnens des Errechnens gar nicht mehr vor, sie ist gewissermaßen aus der Gleichung herausgekürzt worden.

 

Literatur:

Das Postulat der epistemischen Homöostase:

»Das Nervensystem als Ganzes ist so organisiert (organisiert sich so); daß es eine stabile Realität errechnet.«“

Foerster, Heinz von (1973): Kybernetik einer Erkenntnistheorie. In: ders. (1999): Sicht und Einsicht. Heidelberg (Carl-Auer-Verlag), S. 79.

„Es hat sich gezeigt, daß Eigenwerte ontologisch diskret, stabil, voneinander trennbar und miteinander verknüpfbar sind, während sie ontogenetisch als Gleichgewichtszustände entstehen, die sich in zirkulären Prozessen selbst bestimmen. Ontologisch können Eigenwerte und Objekte – und entsprechend ontgenetisch: stabiles Verhalten und die Manifestation des »Begreifens« eines Objekts durch ein Subjekt – nicht unterschieden werden. In beiden Fällen sind »Objekte« auschließlich die in Erfahrung der eigenen sensumotorischen Koordinationen eines Subjekts eingeschlossen, d.h. »Objekte« sind durchwegs subjektiv! Unter welchen Bedingungen erlangen Objekte dann »Objektivität«?

Offensichtlich gesschieht dies erst dann, wenn ein Subjekt S1 die Existenz eines weiteren Subjekts S2 feststellt, das ihm selbst nicht unähnlich ist, welches seinerseits die Existenz eines weiteren Subjekts, das ihm nicht unähnlich ist, behauptet, das mit S1 identisch sein kann.

In diesem atomaren sozialen Kontext kann nunmehr die Erfahrung der eigenen sonsorisch-motorischen Koordinationen jedes Subjekts (jedes Beobachters) durch ein Zeichen, d.h. ein »Objekt« repräsentiert werden, das gleichzeitig als Zeichen dafür dient, daß der gemeinsame Raum eine Außenwelt abbildet.“

Foerster, Heinz von (1976): Gegenstände: greifbare Symbole für (Eigen-)Verhalten. In: ders. (1999): Sicht und Einsicht. Heidelberg (Carl-Auer-Verlag), S. 212f.

 




3 Gedanken zu „28.2.3 Stabile Wirklichkeitskonstruktion = Eigen-Wert/Eigen-Struktur der er-rechneten Wirklichkeit als Resultat rekursiver Operationen/Funktionen (=Attraktor).“

  1. Dass die Menschen unterschiedliche Wahrnehmung und unterschiedliche Meinungen davon haben, was die Tatsachen sind, hängt auch mit derem selektiven Mediengebrauch zusammen. Sie leben in unterschiedlichen sozialen Milieus und in unterschiedlichen gedanklichen Welten.
    Beispielsweise reden die Menschen in Trump-Land unterschiedlich zu denen, die in Clinton-Land leben. Sie essen unterschiedliche Speisen, sie wohnen an unterschiedlichen Orten, und sie schicken ihre Kinder auf unterschiedliche Schulen. Sie klauben sich ihr Weltbild aus unterschiedlichen Medien zusammen. Es gibt viele Grenzen, die Clinton-Land von Trump-Land trennen – ökonomische, religiöse, ethnische, soziale, kulturelle, politische. In Clinton-Land wohnen die wohlhabenden, gebildeten, weißen Liberalen sowie die Minderheiten, Schwarze und Latinos. In Trump-Land wohnt die arme, von der Globalisierung zerriebene weiße Arbeiterschicht und eine gebeutelte Mittelklasse, die eine Heidenangst davor hat, ebenso zu enden.
    Wahrnehmungen, Erkenntnisse und Meinungen sind also auch sozial bedingt und von unterschiedlichen Interessen geleitet – mal abgesehen von den erkenntnisnistheoretischen Komplikationen.

  2. Zu einer gegebenen n×n – Matrix A sind die Eigenwerte λi∈ℝ i=1,…,n folgendermaßen definiert: λ≠0∈ℝ heißt Eigenwert der Matrix A genau dann, wenn ein Vektor x≠0∈ℝn existiert mit Ax=λx. Jeder Vektor x für den dann gilt: Ax=λx heißt Eigenvektor der Matrix A zum Eigenwert λ.

Schreibe einen Kommentar