28.2.3 Stabile Wirklichkeitskonstruktion = Eigen-Wert/Eigen-Struktur der er-rechneten Wirklichkeit als Resultat rekursiver Operationen/Funktionen (=Attraktoren).

Heinz von Foerster, der das Konzept des Errechnens einer Realität in die Diskussion gebracht hat, spricht von einer „infiniten Rekursion von Beschreibungen von Beschreibungen von Beschreibungen“ … usw.

Was er als „Errechnen einer Realität“ bezeichnet, hat die Form einer rekursiven Funktion, eines Prozessmusters, das wir schon oben skizziert haben: Es ist die „operationale Schließung“, das Anschließen von Operationen an Operationen an Operationen usw., das schließlich zu einem Eigenwert, einer Eigenstruktur, einem Eigenverhalten, dem Attraktor komplexer Systeme führt – oder auch ins Chaos. Die Realität, die bei dem kognitiven Prozess der Errechnungen von Errechnungen … entsteht, ist stabil und anpassungsfähig – und das ist aus der Perspektive des Beobachters 2. Ordnung das Erstaunliche –sie kommt innerhalb des Errechnens des Errechnens gar nicht mehr vor, sie ist gewissermaßen aus der Gleichung herausgekürzt worden.

Literatur:

„Diese Formulierung hat den Vorteil, dass eine Unbekannte, nämlich ‚Realität‘, mit Erfolg ausgeschaltet worden ist. Realität erscheint nur mehr implizit als die Aktivität rekursiver Beschreibungen. Schließlich können wir auf die Tatsache zurückgreifen, dass die Errechnung von Beschreibungen natürlich nichts anderes ist als eine Errechnung.

(…)

Ich fasse zusammen: Mein Vorschlag besteht darin, kognitive Prozesse als nie endende rekursive Prozesse des (Er-)Rechnens aufzufassen.“

Foerster, H. von (1973): Über das Konstruieren von Wirklichkeiten. In: H. von Foerster (1985): Sicht und Einsicht. Versuche zu einer operativen Erkenntnistheorie. Heidelberg (Carl-Auer) 1999. S. 31.

 




Ein Gedanke zu „28.2.3 Stabile Wirklichkeitskonstruktion = Eigen-Wert/Eigen-Struktur der er-rechneten Wirklichkeit als Resultat rekursiver Operationen/Funktionen (=Attraktoren).“

  1. Dass die Menschen unterschiedliche Wahrnehmung und unterschiedliche Meinungen davon haben, was die Tatsachen sind, hängt auch mit derem selektiven Mediengebrauch zusammen. Sie leben in unterschiedlichen sozialen Milieus und in unterschiedlichen gedanklichen Welten.
    Beispielsweise reden die Menschen in Trump-Land unterschiedlich zu denen, die in Clinton-Land leben. Sie essen unterschiedliche Speisen, sie wohnen an unterschiedlichen Orten, und sie schicken ihre Kinder auf unterschiedliche Schulen. Sie klauben sich ihr Weltbild aus unterschiedlichen Medien zusammen. Es gibt viele Grenzen, die Clinton-Land von Trump-Land trennen – ökonomische, religiöse, ethnische, soziale, kulturelle, politische. In Clinton-Land wohnen die wohlhabenden, gebildeten, weißen Liberalen sowie die Minderheiten, Schwarze und Latinos. In Trump-Land wohnt die arme, von der Globalisierung zerriebene weiße Arbeiterschicht und eine gebeutelte Mittelklasse, die eine Heidenangst davor hat, ebenso zu enden.
    Wahrnehmungen, Erkenntnisse und Meinungen sind also auch sozial bedingt und von unterschiedlichen Interessen geleitet – mal abgesehen von den erkenntnisnistheoretischen Komplikationen.

Schreibe einen Kommentar