28.3.2 Die menschliche Kommunikation (=soziales System) verfügt über drei Medien des Codierens: Zahlen, Sprache/Texte, Bilder.

Wenn Beobachter unterscheiden und bezeichnen, dann produzieren sie Daten. Nicht mehr und nicht weniger. Ob jemand die Autos zählt, die unter einer Autobahnbrücke durchfagen oder eine Organisation Akten anlegt oder Bits und Bytes auf Festplatten speichert, es handelt sich dabei nur um das Anlegen von Datenfriedhöfen.

Daten – auch die Wahrnehmungen eines Individuums – sind „an sich“ bedeutungslos, sinnfrei. Der Begriff „Datum“ – auch das sei, um Missverständnissen vorzubeugen, angemerkt – bedeutet zwar in seiner wörtlichen
Übersetzung „etwas Gegebenes“ (v. lat. dare „geben“), aber Daten sind etwas vom Beobachter „Genommenes“, d. h. von ihm aktiv Ausgewähltes; daher wäre der Begriff Prise, „etwas Genommenes“ (v. lat. prendere „nehmen“)  wahrscheinlich angemessener – wie in der Prise Schnupftabak, die man nimmt, oder die Prise der Seeräuber, die ein Kauffahrtschiff als Beute genommen haben.

Deswegen gibt es auch Beschränkungen dessen, was überhaupt zum „Datum“ werden kann.

 

Literatur:

„Daten müssen in irgendeiner Form codiert sein, damit sie existent werden und ‚gelesen‘ werden können.
Bemerkenswerterweise sind die für Menschen intelligiblen Formen der Codierung extrem beschränkt, nämlich auf genau drei Möglichkeiten: Zahlen, Sprache oder Texte und Bilder. Was nicht in diese
Codierungsformen gepresst werden kann, ist als Datum nicht existent.“

Willke, Helmut (2004): Einführung in das systemische Wissensmanagement. Heidelberg (Carl-Auer). S. 29.

„Oberflächlich betrachtet, war die Sache mit den Bärten ziemlich simpel. Gott trug Vollbart. Satatn Ziegenbart. Letzteres ließ sich ikonographisch lückenlos auf antike Darstellungen des bockbärtigen und bockschwänzigen Pan zurückführen, und bis heute griffen die Bildmedien, allen voran der Spielfilm, auf den Ziegenbart zurück, um einen moralisch verwerflichen Charakter unzweifelhaft zu kennzeichnen. Und die Jugend, einmal der Pubertät entronnen, gefiel sich natürlich darin, mit dem Image des Bösewichts zu liebäugeln.“

Poschmann, Marion (2017): Die Kieferninseln. Berlin (Suhrkamp), S. 29.




8 Gedanken zu “28.3.2 Die menschliche Kommunikation (=soziales System) verfügt über drei Medien des Codierens: Zahlen, Sprache/Texte, Bilder.”

  1. @ „Und die Jugend, einmal der Pubertät entronnen, gefiel sich natürlich darin, mit dem Image des Bösewichts zu liebäugeln.“

    Hitlers Bärtchen war lediglich eine verschämte Andeutung eines teuflischen Bösewicht-Barts, während Osamas allahgefälliger Vollbart schon eher ikonographisch lückenlos auf den bockbärtigen und bockschwänzigen Pan zurückzuführen war.

  2. wobei die Codes,
    ob Zahlen, Worte/Texte oder Bilder vom Nutzer mit Bedeutungen versehen werden …,
    die kulturell evolvieren..

    Die semantische Breite evolviert ebenso im kulturellen Gebrauch …

    Und dann werden Bilder abgehängt, Bücher verboten, der bunte Sarotti-Mohr ziert nicht mehr die Schokolade …

  3. tja, und wenn dann man dann die Innovations vor die Wand fahren läßt, gibt es immer noch irgendwen, der sich als allererstes zwei Mohren als Türsteher beschaffen kann,
    zumindest für denn allernächsten kik.

    Grund und Boden besetzend vereinnahmen zu können reicht schließlich mal fürs Erste, zum Weichenstellen …

    „Als ich auf dem Heimweg die Porta del Popolo passiere, über mir die Möwen, die Fassade des Tores in mattem Abendrot, der Lärm der Straße vermischt mit dem Geheul einer E-Gitarre, denke ich angestrengt an Goethe, wie er vor über zweihundert Jahren hierdurch seine Hauptstadt der Welt betrat. Und gerade als ich einhalten will, um demgegenüber eine angemessene Haltung anzunehmen, klingelt das Telefon, und ich rede mit einer Bekannten über die Besetzung von zwei offenen Stellen in der Verwaltung. Gewichtig sprechend setze ich mich neben die Löwen am Obelisken, schaue nicht zu ihnen auf, lese nicht die Inschrift vom glänzenden Sieg, sondern quatsche mit Kassel und zupfe am Hosenbein. Augenblicke können beleidigt werden, als wäre sie eine alte Geliebte, die man im Restaurant zu lange warten lässt. Eine Viertelstunde hält sie es aus, dann steht sie stolz auf und geht. So ist es auch hier: Als ich das Handy endlich vom Ohr nehme und mich wieder der Stadt zuwenden will, ist sie düster und kühl geworden. Der Musiker hat seine Gitarre eingepackt, die Laterne ist erloschen, und selbst die Straßenhändler schauen verächtlich an mir vorbei. Zur falschen Zeit am falschen Ort das falsche Wort gesagt: „Rentenansprüche“ hieß es, glaube ich.“

    Simon Strauss, Römische Tage, S.32, ISBN 978-3-608-50436-1

    https://www.youtube.com/watch?v=66smY7VOKs0

  4. @4: „Die Rendite dieses Papiers liegt bei nahe null.“
    Das heißt eben auch: Null Verlust. Das nennt sich heute SICHERHEIT!
    100 Jahre lang 0 Zinsen!
    Zahlen sind die Sprache der Banker, und wer Sprache zum Verbergen benutzen will, verrät unter der Hand, was er verbergen will, denn auch Geld ist wie Sprache: ein Mittel der Kommunikation.

  5. @5
    Für den Fall, dass der Trick der Banker nicht erkannt wurde: Die jährliche Geldentwertung (Preissteigerung) soll in der EU bei zwei Prozent liegen. Das bedeutet 86 % Wertverlust in 100 Jahren!

  6. @ 6 na das ist doch schon mal ein Wort!
    So was ähnliches hat mir zwar schon geschwant …,
    da empfiehlt es sich wohl eher -hochkalkuliert- das Erbe ganz in den Wind zu schießen.

    Aber was ist mit den gesamten Immobilien, Ländereien incl. Mausoleen?
    von den Kunstschätzen mal ganz zu schweigen.
    Bin gerade am Sortieren diverser Eskapaden …

    Hier in m.E. in hervorragender Re-Prise:
    https://music.amazon.de/albums/B00BAZAVRG?ref=dm_sh_8c89-4ccb-bf7d-5d4d-f399a

  7. @2: „evolvieren“
    Kürzlich hat die deutsche Staatsministerin für Evolution, halt: Digitalisierung, nachdem ihre Kollegin vom Forschungsressort ein 5G-Handynetz im ländlichen Raum für nicht vordringlich gehalten hatte, mitgeteilt, im Gegenteil müsse „jede Ackerfurche vernetzt“ werden.
    Nun weiß man aber, dass es die höchsttechnisierte Landwirtschaft ist, die satellitengestützt jene Unkräuter und jene Nischen ausräumt, die Insekten und Vögel lebensnotwendig benötigen. Ist die digitale Ackerfurchenvernetzung ein gefährlicher Eingriff in die Evolution?

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