28.3.3 In der Kommunikation innerhalb eines Organismus werden Daten (=biochemische Zustände) mit anderen biochemischen Zuständen korreliert (=codiert).

Im Phänomenbereich des Organismus lassen sich diverse, hochkomplexe Netzwerke von Signalprozessen (=Übertragung von Daten) identifizieren, durch welche die Funktion von Organen aktiviert (Stimulierung) oder unterdrückt (Hemmung) werden. Dadurch werden physiologische Parameter reguliert. Insgesamt funktionieren die innerorganische Kommunikationsprozesse vor allem durch die Ausschüttung von Hormonen oder die Reduktion ihrer Produktion,wodurch nahezu Bereiche des Organismus erreicht werden und der Gesamtzustand des Organismus verändert wird (z.B. Bereitstellung der Ressoucen für Kampf oder Flucht). Der Globalsteuerung des Organismus steht das Nervensystem gegenüber. Mit seinem fein verzweigten Netzwerk reguliert es gezielt und hochselektiv die Funktion einzelner Organe bzw. das Verhalten einzelner Muskelgruppen.

Der Kommunikationsbegriff sollte hier wohl eher im Sinne der technischen Kommunikationstheorie verstanden werden, da es um die Übertragung von Signalen geht. Aber Signale sind eben auch Unterschiede, (Daten) die bei unterschiedlichen Organen zu unterschiedlichen Reaktionen führen – wenn man so will: eine Analogie zu den Unterschieden der Bedeutungsgebung zu Daten, die in sozialen Systemen Grundlage der Kommunikation sind. Das gilt besonders für das Nervensystem, wo die Codierung so ist, dass lediglich Potential-Quantitäten  „übertragen“ werden, nicht aber Qualtitäten von „Nachrichten“.

 

Literatur:

„Ich möchte diese Beobachtung noch dadurch bekräftigen, daß ich mein »Prinzip der undifferenzierten Kodierung« vortrage:

»Die Reaktion einer Nervenzelle enkodiert nicht die physikalischen Merkmale des Agens, das ihre Reaktion verursacht. Es wird lediglich das »so viel« an diesem Punkt meines Körpers enkodiert, nicht aber das »was«.

Betrachen wir z.B. eine lichtempfindliche Rezeptorzelle in der Retina, ein »Stäbchen«, das die von einer fernen Quelle ausgehende elektromagnetische Strahlung absorbiert. Diese Absorption verursacht eine Veränderung des elektrochemischen Potentials des Stäbchens, die schließlich eine periodische elektische Entladung in Zellen auf einer höheren Ebene des postretinalen Netzwerks verursacht (…), und zwar mit einer Periodizität, die der Intensität der absorbierten Strahlung proportional ist, die aber kein Anzeichen dafür enthält, daß es elektromagnetische Strahlung war, die das Stäbchen zu feuern veranlaßte. Das gleiche gilt für jeden anderen sensorischen Rezeptor, (…).“

Foerster, Heinz von (1973): Über das Konstruieren von Wirklichkeit. In: ders. (1999): Sicht und Einsicht. Heidelberg (Carl-Auer-Verlag), S. 29.




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